Bundesrats-Entscheidung
Legehennen-Käfige sollen doch vor 2035 weichen

Die vom Agrarministerium bis 2035 vorgesehene Duldung von „Kleingruppenkäfigen“ wurde überraschend vom Bundestag gekippt. SPD und Grüne sehen den Tierschutz gestärkt. Die FDP fürchtet ein Abwandern ins Ausland.
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BerlinDer Bundesrat hat die noch bis 2035 vorgesehene Duldung umstrittener Kleingruppenkäfige für Legehennen gekippt. Eine entsprechende Verordnung des Bundeslandwirtschaftsministeriums fand am Freitag in der Länderkammer keine Mehrheit. Der rheinland- pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) sprach von einem „guten Tag für den Tierschutz in Deutschland“. „Eine derart lange Übergangsfrist wäre
absurd gewesen, zumal so ein Käfig bereits nach acht Jahren abgeschrieben ist“, fügte Beck an. Bundesagrarministerin Ilse Aigner (CSU) solle nun zügig weitere Verhandlungen mit den Ländern aufnehmen. Eine Neuregelung muss bis Ende März 2012 gefunden werden.

Das Bundesverfassungsgericht hatte die Haltung in Gruppenkäfigen nach einer Klage von Rheinland-Pfalz im vergangenen Jahr aus formalen Gründen für nichtig erklärt. Das Bundesagrarministerium legte eine neue Verordnung vor, die für bestehende Anlagen aber Übergangsfristen bis 2035 vorsah. Die früheren Legebatterien sind seit Anfang 2010 nicht mehr erlaubt, und es gibt etwas größere Käfige in Deutschland. Die Bundesregierung hat nun bis Ende März Zeit, einen neuen Entwurf vorzulegen.

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  • Mag ja sein, dass Sie das für eine clevere Lobbyarbeit halten, aber Ihre Art der Argumentation zeigt, wes Geistes Kind Sie sind. Wie kann man schwerste Tierquälerei mit Kostengründen rechtfertigen? Das ist die gedankliche Ebene, mit der auch Kinderarbeit gerechtfertigt wird. Und von der Fülle an Medikamenten- und Schadstoffrückständen, die in diesen Foltereiern enthalten sind, ganz zu schweigen, ebenso davon, dass, damit solche Eier"produktion" überhaupt funktioniert, vorher die "unproduktiven" Hähnchen nach dem Schlüpfen selektiert und bei lebendigem Leibe geschreddert oder vergast werden. Im Notfall muss man eben auf unethische Dinge ganz verzichten. Außerdem sind die paar Cent, die Eier aus Haltung mit Minimalstandards mehr kosten, selbst von einem schmalen Geldbeutel zu wuppen. Zudem ist es ungesund, zu viele Eier zu essen. Und gerade die Leute mit schmalem Geldbeutel geben häufig an zahlreichen Stellen unsinnig viel Geld aus, etwa für Zigaretten, Alkohol, Süßigkeite etc. Es ist Irrsinn, gerade am Essen zu sparen. Wer sich gesund ernährt, ist leistungsfähiger, braucht weniger und spart dadurch und ist schlanker und hat damit auch die Aussicht, mehr zu verdienen.

  • Na, das freut unsere eifrigen Nachbarn aus den Niederlanden! Erkennt doch jetzt schon der mündige Verbraucher die Vielzahl der mit NL gekennzeichneten Eier in den Regalen der Verbrauchermärkten, auch wenn der Name auf der Eierschachtel "urdeutsch" klingt. Dort wird in Fabriken kräftig weiterproduziert und man schaut mit einem breiten Grinsen zu den allzu schlauen, großen Nachbarn. Freiland (Vogelgrippe??), Bio und Bodenhaltung sind sicherlich von Verbraucherseite wünschenswert, nur leisten können sich dies auch nur "die Versorgten". Das Ei als Grundnahrungsmittel muss für den Normalbürger immer erschwinglich sein und bleiben. Bei sinkender heimischer Eiproduktion durch eine platzintensive Haltungsform, bleibt dem kleinen Geldbeutel -und somit der Mehrheit - nur der Griff zum bezahlbaren, aber "hinter Gittern" produzierten Holland-Ei. Dies ist jetzt auch schon der Fall, wird sich aber dann in der Zukunft noch verstärken. Besser wäre weniger in Quadratzentimetern zu denken, sondern ökölogisch nicht zu vertretende Betriebe mit hunderttausenden von Hennen zu verbieten, aber nicht nur in unserem Lande!

  • Wenn die FDP sich derart indiskutabel über die Einführung primitivster Minimalanforderungen für die Hühnerhaltung äußerst, ist sie für mich nicht mehr wählbar, auch wenn ich ihren mutigen Widerstand gegen die Transferunion sehr zu schätzen weiß. Selbst die neuen Verordnungen sind noch eine unerträgliche Quälerei. Und das Argument der Abwanderung von Verbrechern an unseren Mitgeschöpfen ist so logisch wie das Argument, wir müssen bei uns Kinderpornografie erlauben, weil sonst diese Sexverbrecher ins Ausland abwandern.

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