150 Bewertungen ****
13.10.2008 
Finanzkrise: Rettungspaket für Banken

Merkel organisiert Milliardenhilfe

von Sven Afhüppe, Rolf Benders, Peter Köhler und Donata Riedel

Die Bundesregierung will ihr milliardenschweres Rettungspaket für die Banken in Deutschland noch am Montag beschließen. Dabei geht es nach Informationen aus Regierungskreisen vor allem darum, den wichtigen Kreditfluss zwischen den einzelnen Banken mit Staatsgarantien zu sichern. Zudem sollen Bilanzierungsregeln gelockert werden und direkte Finanzspritzen möglich sein. Im Gegenzug plant Berlin strenge Auflagen und eine vorübergehende staatliche Bankenbeteiligung.

Kanzlerin Merkel schnürt ein Rettungspaket für die Banken.Lupe

Kanzlerin Merkel schnürt ein Rettungspaket für die Banken.

BERLIN/PARIS. In Rekordzeit soll das Paket bis zum Wochenende von Bundestag und Bundesrat verabschiedet werden. Mit dem Aktionsplan folgt die Bundesregierung den Empfehlungen, auf die sich die Staats- und Regierungschefs von Deutschland, Frankreich, den übrigen Euro-Ländern und Großbritannien während eines Sondergipfels in Paris verständigt hatten. Dabei wurde vereinbart, dass die Euro-Staaten gegen Gebühr Kredite unter Banken garantieren und bei Bedarf auch Eigenkapitalhilfe geben werden. Die Partner sicherten sich gegenseitig zu, ihre nationalen Aktionen gegen die Finanzkrise eng abzustimmen. Damit werde die Finanzmarktkrise „ein Stück weit beherrschbar“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Abend.

Das deutsche Rettungspaket hat laut Unions-Fraktionschef Volker Kauder (CDU) ein Volumen von rund 400 Mrd. Euro. Allein die Bürgschaften für den Interbanken-Verkehr beliefen sich auf bis zu 250 Mrd. Euro, sagte Kauder am Sonntagabend in der ARD-Sendung „Anne Will“. Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) gab wegen der Finanzkrise das Ziel auf, bis 2011 einen ausgeglichenen Bundesetat zu erreichen. Es gelte, Schaden von Deutschland abzuwehren. „Unser Etatziel eines ausgeglichenen Haushalts verlieren wir nicht aus den Augen – auch wenn es jetzt länger dauern dürfte“, sagte Steinbrück der „Bild“-Zeitung.

Special zur Finanzkrise

Zur Blaupause der nationalen Rettungspläne soll das britische Paket werden. Großbritannien hatte am vergangenen Mittwoch als erstes Land die Teilverstaatlichung führender Banken und Liquiditätsgarantien angekündigt. „Es geht darum, die Banken mit ausreichend Kapital zu versorgen“, sagte Merkel. Über Details ihrer nationalen Rettungspläne wollen die Regierungen von Deutschland und Frankreich heute informieren.

Erste Einzelheiten zur Eigenkapitalhilfe zeichneten sich gestern gleichwohl ab. Wie das Handelsblatt erfuhr, erwägt die Regierung direkte Finanzspritzen über einen Hilfsfonds. Diese Milliarden sollen privaten Geschäftsbanken, Landesbanken und Versicherungen angeboten werden. Es gelte dabei, Wettbewerbsverzerrungen zwischen privaten und öffentlichen Banken zu vermeiden.

Während sich der Bund an den Privatbanken demnach über Aktienpakete beteiligen will, ist bei den Landesbanken an einen Einstieg durch den Erwerb von Einlagen gedacht. Im Gegenzug müssten sich die Institute, die Hilfe in Anspruch nehmen, vertraglich verpflichten, ihre Geschäftsmodelle, Bonussysteme und Abfindungsregeln zu reformieren, hieß es in Regierungskreisen.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige
Anzeige

weiterBildergalerien

zurück
  • Obamas Kabinett nimmt Gestalt an

    Obamas Kabinett nimmt Gestalt an

    Die Milliardärin Penny Pritzker aus Chicago soll nach US-Medienberichten Wirtschaftsministerin in der Regierung des designierten Präsidenten Barack Obama werden. Mit dieser Personalie nimmt die Regierungsmannschaft zwei Wochen nach der US-Wahl allmählich Gestalt an.Bildergalerie 

  • Was auf dem Weltfinanzgipfel beschlos...

    Was auf dem Weltfinanzgipfel beschlossen wurde

    Auf dem Weltfinanzgipfel in Washington wollten die wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) einen Fahrplan für eine neue Weltfinanzordnung vereinbaren, die eine Finanzkrise, die die ganze Welt in die Rezession treibt, in Zukunft verhindern soll. Was beschlossen...Bildergalerie 

  • Was führende Köpfe vom Finanzgipfel e...

    Was führende Köpfe vom Finanzgipfel erwarten

    Nichts Geringeres als eine neue Weltfinanzordnung wollen die 20 Staats- und Regierungschefs der größten Wirtschaftsmächte am Wochenende in Washington aus der Taufe heben. Was Politiker, Konzernchefs, Ökonomen und andere führende Köpfe aus der Finanzwelt vom Weltfinanzg...Bildergalerie 

vor

 

 

Handelsblatt Experten + Meinungen

Handelsblatt-Kommentar

Kein Ausweg aus der Finanzkrise in Sicht  Artikel in Merkliste

21.11.2008 von Hermann-Josef Knipper

Der letzte Tag der „Euro Finance Week“ in Frankfurt hat das ganze Drama der Macht- und Ratlosigkeit der Finanzbranche deutlich gemacht. Nach der harschen Kritik von Bundespräsident Horst Köhler, der nicht weniger als ein neues Weltfinanzsystem gefordert und viele Schuldige benannt hatte, mühten sich Banker, Ökonomen und Notenbanker um Auswege aus der Krise. Kommentar

Handelsblatt-Kommentar

Deutscher Bauernstaat  Artikel in Merkliste

21.11.2008 von Helmut Hauschild

Die Bundesregierung tut sich mit ihrer Agrarpolitik als Industriestaat keinen Gefallen. Kommentar