Bundesregierung lehnt jede Änderung der Gesundheitsreform ab: Zahl der Arztbesuche sinkt deutlich

Bundesregierung lehnt jede Änderung der Gesundheitsreform ab
Zahl der Arztbesuche sinkt deutlich

Seit Einführung der Praxisgebühr von zehn Euro pro Quartal zum 1. Januar ist die Zahl der Arztbesuche deutlich gesunken. „Nach ersten Trendmeldungen aus den Kassenärztlichen Vereinigungen dürfte es 10 bis 15 % weniger Arztkontakte als im vergangenen Dezember gegeben haben“, teilte die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) auf Anfrage des Handelsblatts mit.

pt BERLIN. Gegenüber Januar 2003 bedeute dies einen Rückgang von 5 bis 8 %, erläuterte ein Sprecher. Bei einzelnen Facharztgruppen war der Einbruch noch dramatischer. „Wir haben bei Orthopäden, Hautärzten und Hals-Nasen-Ohrenärzten Rückgänge von bis zu 40 % registriert“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Hausärzteverbands, Eberhard Mehl, dem Handelsblatt. Allerdings handele es sich dabei nur um Trendmeldungen, betonte Roland Stahl von der KBV. „Daraus schon zu schließen, dass die Praxisgebühr eine die Nachfrage steuernde Wirkung hat, wäre verfrüht. Das können wir frühestens im Herbst sagen, wenn die Gebühr drei Quartale gewirkt hat.“

Die Bundesregierung trat gestern Spekulationen entgegen, die umstrittene Gebühr werde schon bald abgeschafft. „Die Praxisgebühr wackelt nicht“, erklärte der Sprecher des Bundessozialministeriums. SPD-Fraktionschef Franz Müntefering schloss Änderungen an der Gesundheitsreform aus. Dies gelte auch für die seit Januar geltende Verdoppelung des Kassenbeitrags auf Betriebsrenten und die neue Beitragspflicht auf in einer Summe ausgezahlten Direktversicherungen.

Schützenhilfe erhielt die Regierung von Sozialberater Bert Rürup. „Die Praxisgebühr ist notwendig. Sie wirkt auch“, erklärte Rürup dem Handelsblatt. „Wir haben im Jahr über 560 Millionen Arztkontakte, das sind acht pro Versicherten. Im Ausland sind es deutlich weniger. Wenn die Praxisgebühr dazu führt, dass sich mehr Patienten bei geringfügigen Gesundheitsstörungen selbst kurieren, hat sie ihren Zweck erfüllt.“ Sozialministerin Ulla Schmidt (SPD) hatte die Spekulationen über die Abschaffung der Gebühr selbst ausgelöst, als sie erklärte, sie würde keine Wette darauf eingehen, dass es die Gebühr in fünf Jahren noch in der heutigen Form gebe.

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