Bundesregierung verteidigt Ex-Kanzler
US-Politiker attackiert Gerhard Schröder

Der prominente demokratische US-Kongressabgeordnete Tom Lantos hat Gerhard Schröder (SPD) am Dienstag „politische Prostitution“ vorgeworfen. Das geht der Bundesregierung allerdings zu weit. Sie nahm den früheren Kanzler in Schutz.

HB BERLIN/WASHINGTON. Regierungssprecher Ulrich Wilhelm wies die Verbalattacken Lantos im Namen der Bundesregierung mit „Deutlichkeit und Entschiedenheit“ als „Entgleisung“ zurück. „Das ist eine ungehörige Art der Auseinandersetzung mit einem ehemaligen Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland“, sagte Wilhelm am Abend der Deutschen Presse-Agentur dpa in Berlin. Auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) und SPD-Generalsekretär Hubertus Heil kritisierten Lantos heftig.

Der demokratische US-Politiker, der den Auswärtigen Ausschuss des Abgeordnetenhauses leitet, hatte in einer Rede anlässlich der Einweihung eines Denkmals für die Opfer des Kommunismus am Dienstag in Washington gesagt, er würde Schröder gern einen „politischen Prostituierten“ nennen, „jetzt, da er von (Russlands Präsident Wladimir) Putin dicke Schecks kassiert. Aber die Prostituierten in meinem Wahlbezirk fühlen sich beleidigt.“ Heil sagte dazu: „Wenn die Äußerungen ... stimmen, sind sie lediglich ein Zeichen politischer Dummheit und Geschmacklosigkeit.“

Außenminister Steinmeier erklärte nach Angaben seines Ministeriums in Malmö, Lantos habe mit seinen Äußerungen die Grenzen des politischen Anstands weit überschritten. „Sie sind eines demokratischen Repräsentanten unwürdig und richten sich selbst.

Mit der Anspielung auf die Schecks bezog sich Lantos auf Schröders Tätigkeit als Aufsichtsrats-Chef der North European Gas Pipeline. Der russische Staatskonzern Gazprom hält 51 Prozent der Anteile an der Gaspipeline-Betreibergesellschaft.

Lantos sagte weiter, er erwarte nun bessere transatlantische Beziehungen, da sowohl Schröder als auch der französische Präsident Jacques Chirac aus dem Amt geschieden seien. Er erinnerte zugleich daran, wie die USA Deutschland vor dem Faschismus gerettet und über Generationen hinweg vor dem Kommunismus geschützt hätten. Das alles, um dann zu erleben, wie Chirac und Schröder dem jüngsten Kampf gegen den „Islamfaschismus“ den Rücken gekehrt hätten, beklagte der aus Ungarn stammende Abgeordnete. Steinmeier hielt dem entgegen: „Die schlimme Entgleisung beleidigt nicht nur den früheren Bundeskanzler, sondern die große Mehrheit des deutschen Volkes, die den Irakkrieg aus guten Gründen abgelehnt hat - nicht zuletzt auf Grund der historischen Erfahrungen des deutschen Volkes selbst.“ Heil sagte: „Dass Gerhard Schröder mit seinem „Nein“ zum Irak-Krieg Recht hatte, sehen nicht nur die Menschen in Europa, sondern auch in den USA.“

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%