0 Bewertungen
30.07.2008 
Nach Scheitern der WTO-Verhandlungen

Bundesregierung warnt vor bilateralen Handelsabkommen

von Sven Afhüppe

Die Bundesregierung fürchtet nach dem Scheitern der WTO-Verhandlungen eine Zunahme bilateraler Handelsabkommen. Eine Lösung für die weltweiten Handelsgespräche bis zur Wahl des neuen US-Präsidenten im November hält Pfaffenbach für unwahrscheinlich.

BERLIN. „Es besteht die Gefahr, dass die Zahl bilateraler Abkommen deutlich zunehmen wird“, sagte Wirtschaftsstaatssekretär Bernd Pfaffenbach dem Handelsblatt. Regierungssprecher Ulrich Wilhelm warnte, dass „ein Geflecht von bilateralen Handelsabkommen in der Welt mit Sicherheit für die Vitalität des Welthandels, aber auch für die Interesse aller beteiligten Länder der schlechtere Weg“ sei.

Trotz der schlechten Aussichten für einen baldigen Erfolg bei den WTO-Verhandlungen warnte Wirtschaftsstaatssekretär Pfaffenbach vor kurzfristigen „Panikreaktionen“. Der Handelsexperte von Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) betonte, dass ein Dschungel an bilateralen Handelsabkommen nicht für den notwendigen Schwung im Welthandel sorgen werden. Die Bundesregierung werde deshalb alles dafür tun, dass die Verhandlungen zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal aufgenommen werden. „Es ist wünschenswert, dass die WTO-Gespräche dann auf die bisherigen Verhandlungsergebnissen aufbauen könnten“, sagte Pfaffenbach. Allerdings wachse die Gefahr, dass man wieder bei Null anfangen müsse, je länger die WTO-Verhandlungen auf Eis liegen. Auch die Wirtschaft fürchtet eine Flucht in bilaterale Handelsabkommen. „Bilaterale Abkommen sind keine echte Alternative zu multilateralen Abkommen. Sie bringen nicht einmal halb so viel für das Wachstum des Welthandels“, sagte Anton Börner, Präsident des Bundesverbands Groß- und Außenhandel (BGA) dem Handelsblatt. Nachteile hätten vor allem mittelständische Unternehmen, die sich durch ein Geflecht bilateraler Abkommen kämpfen müssten, und Entwicklungsländer. Der BGA-Präsident kritisierte deshalb, dass mit dem Scheitern der WTO-Verhandlungen „ein historischer Erfolg für den Freihandel“ vertan wurde.

BDI-Präsident Jürgen Thumann bedauert ebenfalls das Scheitern der WTO-Verhandlungen in Genf. „Die Doha-Runde bietet die Chance, die Rahmenbedingungen für den Welthandel nachhaltig zu verbessern. Mit dem Scheitern des Ministertreffens rückt dieses Ziel in weite Ferne“, sagte Thumann.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige
Anzeige

weiterBildergalerien

zurück
  • Obamas Kabinett nimmt Gestalt an

    Obamas Kabinett nimmt Gestalt an

    Die Milliardärin Penny Pritzker aus Chicago soll nach US-Medienberichten Wirtschaftsministerin in der Regierung des designierten Präsidenten Barack Obama werden. Mit dieser Personalie nimmt die Regierungsmannschaft zwei Wochen nach der US-Wahl allmählich Gestalt an.Bildergalerie 

  • Was auf dem Weltfinanzgipfel beschlos...

    Was auf dem Weltfinanzgipfel beschlossen wurde

    Auf dem Weltfinanzgipfel in Washington wollten die wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) einen Fahrplan für eine neue Weltfinanzordnung vereinbaren, die eine Finanzkrise, die die ganze Welt in die Rezession treibt, in Zukunft verhindern soll. Was beschlossen...Bildergalerie 

  • Was führende Köpfe vom Finanzgipfel e...

    Was führende Köpfe vom Finanzgipfel erwarten

    Nichts Geringeres als eine neue Weltfinanzordnung wollen die 20 Staats- und Regierungschefs der größten Wirtschaftsmächte am Wochenende in Washington aus der Taufe heben. Was Politiker, Konzernchefs, Ökonomen und andere führende Köpfe aus der Finanzwelt vom Weltfinanzg...Bildergalerie 

vor

 

 

Handelsblatt Experten + Meinungen

Handelsblatt-Kommentar

Kein Ausweg aus der Finanzkrise in Sicht  Artikel in Merkliste

21.11.2008 von Hermann-Josef Knipper

Der letzte Tag der „Euro Finance Week“ in Frankfurt hat das ganze Drama der Macht- und Ratlosigkeit der Finanzbranche deutlich gemacht. Nach der harschen Kritik von Bundespräsident Horst Köhler, der nicht weniger als ein neues Weltfinanzsystem gefordert und viele Schuldige benannt hatte, mühten sich Banker, Ökonomen und Notenbanker um Auswege aus der Krise. Kommentar

Handelsblatt-Kommentar

Deutscher Bauernstaat  Artikel in Merkliste

21.11.2008 von Helmut Hauschild

Die Bundesregierung tut sich mit ihrer Agrarpolitik als Industriestaat keinen Gefallen. Kommentar