Bundestag beschließt Rauchverbot
Pfeifenliebhaber Struck in der Bredouille

Der passionierte Pfeifenraucher Peter Struck muss sich auf härtere Zeiten einstellen: Von September an soll das Rauchen im Bundestag wie in allen Bundesbehörden und öffentlichen Verkehrsmitteln grundsätzlich verboten sein. Strucks Sprecher muss nun schwerwiegende Fragen darüber beantworten, ob und wo sein Chef künftig qualmt.

dpa BERLIN. Der 64-Jährige Struck hat am Freitag im Bundestag trotz seiner Leidenschaft für Pfeifen für das Gesetz gestimmt. „Er raucht aber weiter“, sagt sein Sprecher Norbert Bicher. Wo das sei, müsse man abwarten. Künftig ist das Qualmen nur noch in abgetrennten Räumen erlaubt, auch nicht mehr in Abgeordnetenbüros. Struck ist auch ein begeisterter Motorradfahrer, doch sollte er mit der Bahn unterwegs sein, gilt von September an: Glimmstängel & Co. müssen draußen bleiben.

Das Rauchverbot ist nicht der erste Anlauf, um das Qualmen in öffentlichen Räumen gesetzlich zu verbieten. Seit mindestens zehn Jahren wird darüber im Bundestag gestritten - alle Anläufe waren bisher erfolglos. Auch Horst Seehofer (CSU) wandte sich 1998 als Gesundheitsminister gegen Verbote. Doch freiwillige Lösungen brachten keinen Erfolg, und die Bundesregierung wurde aktiv. Im Juni 2006 startete der SPD-Abgeordnete Lothar Binding einen fraktionsübergreifenden Antrag für ein Rauchverbot in öffentlichen Räumen. Struck setzte sich daraufhin mit Unions-Fraktionschef Volker Kauder (CDU) zusammen.

Die beiden Raucher einigten sich, dass die Koalitionsfraktionen einen Entwurf erarbeiten sollen. Im Dezember machten Innen- und Justizministerium den Plänen teilweise ein Ende - für ein Rauchverbot in Gaststätten sind nämlich die Länder zuständig. Inzwischen wollen die meisten Länder das Rauchen bis auf separate Räume verbieten, nur wenige wie Nordrhein-Westfalen wollen in kleinen Kneipen noch Raucheroasen zulassen. Dem Verbot in Bus, Bahn und Bundesbehörden muss nun noch der Bundesrat zustimmen. Die Länderkammer will über diese Pläne noch hinausgehen und wendet sich gegen Raucherräume.

Deutschland hat Nachholbedarf: Viele EU-Länder haben schon Rauchverbote umgesetzt. Die Bundesregierung warnt vor den Folgen des Rauchens. Rund 42 000 Menschen starben im Jahr 2005 in Deutschland an den Folgekrankheiten. Fast 30 Mill. Erwachsene sind in ihrer Freizeit nach Angaben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung dem Tabakrauch ausgesetzt, rund 8,5 Mill. Nichtraucher sind es am Arbeitsplatz. Und fast neun Mill. Kinder und Jugendliche bis 17 Jahre werden mit rauchenden Eltern groß. Besonders Kinder sollen künftig besser vor Passivrauch geschützt werden.

Der Parlamentarische Verbraucherstaatssekretär Gerd Müller (CSU) rät deshalb, den Tabak möglichst auch zu Hause zu verbannen: „Die Pfeife hat auch vor dem Fernseher zu Hause aus zu sein.“ Mit Blick auf Struck sagt Müller, das müsse dieser allerdings mit seiner Frau und seinen Kindern ausmachen.

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