Bundestag
Bundestag verliert 109 Abgeordnete

Morgen endet die letzte Sitzungswoche des 16. Bundestages – und die Amtszeit von mehr als hundert Abgeordneten. Sie setzen sich zur Ruhe, nachdem sie die Bundesrepublik maßgeblich prägten. Unter den Ruheständlern sind viele prominente Gesichter. Über Wohl und Wehe eines Generationenwechsels.

BERLIN. Als die Bläck Fööss spät am Abend das Lied von Trude Herr anstimmen, zünden die Abgeordneten mit ihren Mitarbeitern Wunderkerzen an, heben sie in die Luft und singen den Refrain: „Niemals geht man so ganz“ klingt es aus hunderten sozialdemokratischen Kehlen, während oben auf der Bühne die engsten Zuarbeiter von Peter Struck versuchen, die Töne zu treffen. Das Lied ist ihr Abschiedsgeschenk für den langjährigen Chef, den „Kumpel, Kamerad, Steuermann“, wie in einer eigens für ihn erstellten Zeitung steht.

Am Dienstagabend hat Struck zum letzten Mal als Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion deren Sommerfest eröffnet. Der 66-Jährige kandidiert nicht mehr. „Viele von uns scheiden aus“, ruft er dem Publikum von der Bühne aus zu.

In der Tat. 56 Abgeordnete der SPD verlassen den Bundestag, 35 sind es bei CDU und CSU, jeweils sieben bei den Grünen und der FDP sowie vier bei der Linkspartei. Die SPD verliert besonders viele Abgeordnete, weil diese 2005 von Gerhard Schröders Neuwahl-Idee überrascht worden waren. Sie traten noch einmal an, anstatt wie geplant 2006 aufzuhören. Morgen, drei Jahre später, endet nun die letzte Sitzungswoche der 16. Wahlperiode des Bundestages – und damit auch für viele das Leben als Politiker.

Die SPD steht vor einer Zäsur. 29 Jahre opponierte und regierte Struck im Bundestag, unter Rot-Grün auch als Verteidigungsminister. Mit ihm scheiden jetzt etliche seiner ehemaligen Kabinettskollegen aus: Herta Däubler-Gmelin (Justiz), Renate Schmidt (Familie), Kurt Bodewig (Verkehr), Hans Eichel (Finanzen), Walter Riester (Arbeit) und Otto Schily (Innen). Dazu kommen noch parlamentarische Staatssekretäre. Die Toskana-Fraktion verabschiedet sich.

Bei der Union endet die Ära Helmut Kohl. Dessen ehemaliger Landwirtschaftsminister Jochen Borchert hört wie Struck ebenfalls nach 29 Jahren auf. Der ehemalige Geheimdienstkoordinator Bernd Schmidbauer („008“) geht und kommt auf 26 Jahre Abgeordnetenzeit.

Union und SPD werden auf etliche Wirtschaftspolitiker verzichten müssen. Bei der Union ist es allen voran Friedrich Merz, der künftig dem transatlantischen Verein Atlantik-Brücke vorsteht. Wer dem Finanzexperten Otto Bernhardt oder dem Mittelstands-Staatssekretär Hartmut Schauerte nachfolgt, steht noch nicht fest.

Bei der SPD haben einige Wirtschaftsexperten bereits das Parlament verlassen oder hören jetzt auf. Dazu zählt Fraktionsvize Ludwig Stiegler – aber auch Gerd Andres und Reinhard Schultz. Der eine kümmerte sich um die Arbeitsmarkt-, der andere um die Finanzpolitik.

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