Bundestag
Der Politik ein Gesicht geben

Pünktlich zur heißen Phase des Wahlkampfes präsentiert der Deutsche Bundestag seinen neuen Internetauftritt. Doch während die Parteien auf ihren Websites um die Gunst der Wähler buhlen, gibt sich die neue Seite des Bundestages betont neutral und präsentiert Altbewährtes in neuem Design.
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HB BERLIN. Die Internetseite den veränderten Nutzungsbedingungen anpassen – so argumentiert Bundestagspräsident Norbert Lammert den Relaunch des parlamentarischen Internetangebots. In der Praxis sieht das so aus: Im Vordergrund stehen bewegte Bilder statt langer Informationstexte, das Parlamentsfernsehen wird prominienter als bisher auf der Startseite präsentiert. Der Nutzer soll direkt sehen, was aktuell im Parlament passiert – mittendrin statt nur dabei.

Wer jedoch ein völlig neues Konzept erwartet hat, der wird enttäuscht. Der neue Internetauftritt versteht sich weiterhin als Informationsportal für den politisch interessierten Bürger. „Wir treten hier nicht in Konkurrenz zu anderen Unterhaltungsangeboten im Netz“, betont Lammert. Ziel sei es, den Zugang zu den Informationen so weit es geht zu vereinfachen ohne auf die Eigeninitiative der Nutzer zu verzichten.

Die Suche nach Informationen wird durch den Relaunch in jedem Fall nutzerfreundlicher. Die Seite präsentiert sich übersichtlicher und ruhiger fürs Auge. Statt blauem Hintergrund nun nüchternes Schwarz-Weiß, gelegentlich unterbrochen von der Signalfarbe orange. Das neue Design ist Teil einer Markenstrategie, bei der sich von nun an alle Angebote des Bundestages in einer einheitlichen Gestaltung präsentieren. Die Datenbanken können über eine individuell konfigurierbare Recherche besser genutzt werden.

Im Gegensatz zur alten Seite wird mehr mit Bildergalerien und audiovisuellen Elementen gearbeitet. Die Arbeit der einzelnen Ausschüsse wird anhand der Mitglieder beschrieben, die mit Fotos und Biographien vorgestellt werden. „Dadurch geben wir der Politik ein Gesicht“, sagt Maika Jachmann, Referatsleiterin Onlinedienste.

Der Relaunch ist bereits der dritte in der Geschichte der Seite. 1998 ging das Internetangebot an den Start, wurde 2000 das erste Mal überarbeitet, 2004 dann ein weiteres Mal. Der Relaunch der Bundestagsseite hat 300 000 Euro gekostet, der Betrag ist laut Lammert „aus dem normalen Budget finanzierbar gewesen“. 15 Mitarbeiter kümmern sich um die Pflege der Seite.

Die Nutzerzahlen sind in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Nutzten 2004 noch rund 500 000 Nutzer die Seite im Monat, sind es heute im Schnitt zwischen 3,5 und vier Millionen Nutzer. Vor allem das Parlamentsfernsehen erfreut sich großer Beliebtheit, bis zu 350 000 Nutzer schalten pro Monat ein.

Durch den Relaunch erhoffen sich Jachmann und Lammert einen weiteren Nutzeranstieg. Und setzen bei der Weiterentwicklung der Seite auf die Bürger. Zum Start werden Nutzerbefragungen durchgeführt, nach drei und 12 Monaten wird die Seite überarbeitet. Gerade die Vielzahl neuer Anwendungen und Applikationen müsse in der Praxis noch getestet werden, so Jachmann. Denn die Seite ist für Breitband-Internetverbindungen optimiert, bei älteren Rechnern und langsameren Verbindungen könne es daher zu langen Ladezeiten kommen.

Ob durch die neue Seite auch der Nutzerkreis erweitert werden und mehr Bürger für Politik interessiert werden könne, da ist Präsident Lammert skeptisch. „Ohne Eigeninitiative geht es nicht, wir präsentieren hier auch keine Wundertüte.“ Bürger, die sich nicht für die Arbeit des Parlaments interessieren, werden daher wohl auch weiterhin die Seite nicht besuchen.

Die neue Internetseite des Deutschen Bundestages ansehen: www.bundestag.de

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