Bundestag fordert Beteiligung der Banken
Berliner Rückendeckung für Griechenland hilft dem Dax

Der Bundestag fügt sich: Nur weitere Hilfen können Griechenland vor der Pleite retten. Die Eurozone muss wieder einspringen - und auch auf die privaten Gläubiger kommt einiges zu. Doch für Anleger überwiegen die Vorteile.
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BerlinDie Bundesregierung kann sich auf die Unterstützung der schwarz-gelben Koalition bei ihrem umstrittenen Griechenland-Kurs stützen. Ein gemeinsamer Entschließungsantrag der Regierungsfraktionen zu weiteren Milliarden-Hilfen an Athen erhielt am Freitag im Bundestag die nötige Mehrheit von Union und FDP.

Die Bereitschaft des Bundestags zu weiteren Hilfen half dem Dax an einem ansonsten ruhigen Börsentag: Der Leitindex stieg um bis zu 0,2 Prozent auf 7176 Zähler. Vor allem Finanzwerte profitierten; Deutsche Bank legten nach der Abstimmung 1,6 Prozent zu, Commerzbank 2,5 Prozent. „Durch die Entscheidung wird vor den Pfingstfeiertagen etwas Nervosität aus dem Markt genommen“, sagte ein Händler. Die Reaktion der Märkte sind ein weitere Beleg für die These, dass die Banken ihre Griechenlandrisiken längst bereinigt haben.

Unmittelbar zuvor hatte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) im Bundestag für ein weiteres Milliarden-Hilfspaket geworben. „Die Lage in Griechenland und damit in Europa ist ernst“, sagte Schäuble am Freitag in einer Regierungserklärung am Freitag im Parlament. Für weitere Hilfen sei jedoch eine Beteiligung der privaten Gläubiger "unvermeidbar".

In diesem Punkt bildete sich eine breite Koalition: FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle und SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier waren sich in diesem Punkt mit Schäuble völlig einig. Die SPD brachte in diesem Zusammenhang erneut eine Finanzmarkttransaktionssteuer ins Gespräch. Nur die Grünen plädierten für eine harte

Für die nächste Hilfszahlung an Athen von 12 Milliarden Euro im Juli müsse noch eine Finanzierungslücke geschlossen werden. „Ohne Auszahlung dieser nächsten Tranche besteht die akute Gefahr der Zahlungsunfähigkeit Griechenlands mit schwerwiegenden Folgen für die Stabilität der Euro-Zone insgesamt, aber auch mit schwerwiegenden Risiken für die globale Entwicklung,“ sagte Schäube. Um die Juli-Tranche aber auszahlen zu können, seien weitere Hilfen und ein zusätzliches Anpassungsprogramm nötig.

Den Umfang eines zweites Rettungspakets ließ Schäuble offent: „Man kann das nicht.“ Zuletzt war die Rede von einem Finanzbedarf von 90 bis 120 Milliarden Euro. Der müsste aber nicht komplett über ein neues Kreditpaket gedeckt werden. Der Minister verwies zugleich darauf, dass auch Athen weitere Anstrengungen zur Sanierung des Haushalts unternehme. „Die letzte Entscheidung liegt bei den Griechen selbst.“

Schäuble warb erneut für einen Tausch ausstehender Griechenland-Staatsanleihen in neue, was dem Land eine Atempause von sieben Jahren bei der Rückzahlung von Schulden geben würde. Griechenland gewinne damit Zeit für notwendige Reformen, um Vertrauen an den Märkten zurückzugewinnen.

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  • Hilfe! Habe den Link mal angeklickt, finde mich nicht zurecht: Über was wurde dort abgestimmt? Ich will ja nicht alles lesen...

  • ich versteh die Frage nicht?!?
    Was hat dies mit einem Gefühl zu tun? Es geht um die Fakten, wo steht Deutschland heute mit dem Euro, und wo vielleicht morgen ohne Euro. Mit einem Gefühl hat dies rein gar nichts zu tun. Kann Deutschland seinen Kapitalbedarf noch decken wenn es so wirtschaften würde wie Schweden z.B. wo übrigens ein Chili Cheese bei Burger King etwa 10 EUR kostet und alles andere auch teuer ist. Man kann die Vorteile dieser kleinen Länder beachten, aber nicht auf Deutschland anwenden. Der Kapitalbedarf des deutschen Systems ist höher als dort.

  • Griechenland hat eine Schuldenlast von mehr als 340 Milliarden Euro!

    Trotzdem hat Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) im Bundestag für ein weiteres Milliarden-Hilfspaket geworben. „Die Lage in Griechenland und damit in Europa ist ernst“, sagte Schäuble am Freitag in einer Regierungserklärung im Parlament.

    Das Prinzip Hoffnung für "Schuldenmacher" hat eine Grenze - ist diese überschritten hilft eben keine Hoffnung mehr. Schäuble "verkauft" weiter - aber nur (leere) Hoffnung und diese ist eben nicht gedeckt.
    Er handelt jetzt nach dem Grundsatz - ist erst einmal der Ruf ruiniert , lebt es sich ganz ungeniert.

    Ob nun drei oder sieben Jahre - Griechenland hat nicht die Struktur - einen solchen Schuldenberg von über 340 Milliarden dann zurück zu zahlen. Es muß also jetzt schon heißen --Prinzip Chaos-

    Mit anderen Worten- die Regierungsfähigkeit Griechenlands gibt es de facto nicht mehr. Nur die EU kann als Abwickler der Insolvenz jetzt noch einspringen, um die Leute an der Wasseroberfläche zu halten, dass sie nicht alle "absaufen". Die Regierung ist wie bei einer totalen Kapitulation an die EU zu übergeben und nicht weiteres Geld an die Regierung Griechenlands. Das macht keinen Sinn bis wir alle
    "absaufen" - dann aber wird ein Geschrei sein im Hafen - heißt es so schön in Brechts Dreigroschenoper.

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