Bundestag
Künast und Trittin führen Grünen-Fraktion

In ruhigem Fahrwasser bewegt sich derzeit die Bundestagsfraktion der Grünen. Sie wählte erwartungsgemäß die Spitzenkadidaten Renate Künast und Jürgen Trittin zu ihren beiden Vorsitzenden.
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HB BERLIN. Auf Künast entfielen am Dienstag 79,1 Prozent der Stimmen, Trittin erhielt 91 Prozent. Künast war während der vergangenen vier Jahre bereits Fraktionschefin, ihr bisheriger Co-Chef Fritz Kuhn stellte sich nicht zur Wahl.

Routiniert zählt das frischgebackene Spitzenduo die nächsten Ziele auf. Die Meinungsführerschaft in der Opposition wollen die Grünen erkämpfen, so Künast. Nächstes Mal soll es keine Mehrheit mehr für Schwarz-Gelb geben, sagt Trittin. "Wir wollen in den nächsten vier Jahren Grundlagen dafür legen, dass Schwarz-Gelb im Jahr 2013 in diesem Lande keine Mehrheit mehr hat." Und als erstes soll es jetzt gegen den vermeintlich atomfreundlichen und klimafeindlichen Kurs der neuen Regierung gehen.

Der Realo Fritz Kuhn, der die Fraktion an der Seite von Künast vier Jahre führte, will als für Wirtschaft zuständiger Vizechef weitermachen - muss aber ebenso wie andere bekannte Vertreter der zweiten Reihe die Konkurrenz jüngerer Fraktionskollegen fürchten. Rund zwei Fünftel der auf 68 Köpfe angewachsenen Fraktion sind neu - da verbietet sich aus Sicht vieler vollständige Kontinuität. Zumal auch der langjährige Parlamentarische Geschäftsführer Volker Beck wiedergewählt wurde und Katrin Göring-Eckardt erneut Bundestagsvizepräsidentin werden soll.

Die vielen jungen, neuen und die zahlenmäßig gestärkten linken Abgeordneten wollen den schon zu rot-grünen Zeiten profilierten Parteifreunden nicht allein das Feld überlassen. Intern erhoben Jüngere schon in der ersten Fraktionssitzung nach der Bundestagswahl den Anspruch auf neue Akzente oder gar einen völligen Neuaufbruch bei den weiteren Posten - etwa den derzeit fünf Stellvertretern der Vorsitzenden.

Als Namen werden unter anderem der Verkehrspolitiker Anton Hofreiter, der Finanzfachmann Gerhard Schick, die Familienpolitikerin Ekin Deligöz und der Verteidigungs- und Haushaltspolitiker Omid Nouripour genannt. Wie gewohnt ist es auch ein Feilschen zwischen Realo- und Linksflügel.

Die neu in den Bundestag gewählte Studentin Agnieszka Malczak meint, viele Jüngeren wollten aber einen pragmatischen Umgang mit den Strömungen: "Gute Konzepte sollten nicht nur unter Flügel- Gesichtspunkten bewertet werden." Die Jüngeren sollten dabei eine Chance bekommen. Auch Nouripour hält angesichts der Herausforderung nichts von Flügel- und Generationenhakeleien: "Wir müssen dahin kommen, dass Kompetenz die Personalentscheidungen bestimmt und nicht irgendwelche biometrischen Merkmale oder Strömungszugehörigkeiten."

Für Trittin und Künast kam rechtzeitig vor der Wahl noch einmal Rückendeckung von der um Geschlossenheit bemühten Parteispitze. In einem Brief an die Partei dankten die Vorsitzenden Claudia Roth und Cem Özdemir "Renate und Jürgen an der Spitze der Kampagne" im Wahlkampf. Gleichzeitig deuten sie den Spagat an, dem sich die Grünen gegenübersehen - und der nach dem Willen der Führung nun nicht in Richtungsscharmützel münden soll. Gegen Union und FDP rufen Roth und Özdemir zu einer "harten und knallgrünen Opposition" auf. Gleichzeitig wollen sich die Grünen nicht in ein rot-rot-grünes Lager zwingen lassen. Die Parteichefs betonen deshalb die Notwendigkeit einer "Politik mit einem klaren eigenständigen grünen Profil".

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