Bundestag
Merkel zur Kanzlerin gewählt

Der Bundestag hat Angela Merkel mit klarer Mehrheit zur ersten deutschen Kanzlerin gewählt. Bei der historischen Abstimmung votierten 397 Abgeordnete für die CDU-Vorsitzende - 51 weniger, als Union und SPD Abgeordnete stellen. Merkel bekam damit 64,65 Prozent der Stimmen.

HB BERLIN. Bundestagspräsident Norbert Lammert sagte nach der Abstimmung, 202 Abgeordnete hätten gegen Merkel gestimmt, zwölf hätten sich enthalten. Eine Stimme sei ungültig gewesen. Nach Verkündung des Ergebnisses sagte Merkel den traditionellen Satz: "Ich nehme die Wahl an". Erster Gratulant war ihr Vorgänger Gerhard Schröder, der am Mittwoch sein Bundestagsmandat niederlegen will und damit aus der aktiven Poitik ausscheidet.

Das Wahlergebnis deutet darauf hin, dass ein Teil der Nein-Stimmen aus dem Lager der großen Koalition, vor allem wohl von der SPD stammt. Union und SPD verfügen zusammen über 448 Mandate. Die CDU/CSU kommt auf 226 Sitze, die SPD auf 222. Die Kanzlermehrheit lag bei 308 der 614 Stimmen. Die Opposition hat insgesamt 166 Mandate (FDP 61, Linkspartei 54, Grüne 51). Die Opposition aus Grünen, FDP und Linkspartei wollte geschlossen gegen die CDU-Chefin stimmen. Bis zuletzt hatten führende SPD-Politiker in den eigenen Reihen für eine geschlossene Unterstützung Merkels geworben.

Vertreter von Union und SPD werteten das Wahlergebnis für Merkel als positiv. Unions-Fraktionschef Volker Kauder (CDU) sagte: "Noch nie hat ein deutscher Bundeskanzler so viele Stimmen bekommen wie Angela Merkel". Später musste sich Kauder jedoch eines Besseren belehren lassen: Der CDU-Politiker Kurt Georg Kiesinger, der wie Merkel einer großen Koalition vorstand, kam auf 71,9 Prozent der Stimmen.

Die designierte Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) hat das Ergebnis für Angela Merkel nannte das Ergebnis überzeugend. Dass es unter den Abgeordneten der großen Koalition einige gebe, die sich mit Merkel schwer tun, sei bekannt gewesen. SPD-Fraktionschef Peter Struck sprach von einem "ganz ordentlichen Anfang". Unter den 51 Abgeordneten, die aus den Reihen der großen Koalition gegen Merkel gestimmt hätten, seien auch Abgeordnete der CDU/CSU-Fraktion gewesen.

Dagegen werteten die Liberalen das Wahlergebnis als Zeichen für eine Instabilität der großen Koalition. „Eine so große Zahl von Nein-Stimmen ist ein Zeichen, dass das Gebäude der neuen Regierung brüchiger ist als sie behauptet“, sagte Parteichef Guido Westerwelle. „Das ist eine wackelige Koalition.“ Der FDP-Fraktionsvorsitzende Wolfgang Gerhardt meint: "Wir haben eine solche Größenordnung von Abweichlern nicht erwartet".

Unmittelbar nach ihrer Wahl feierte Merkel kurz mit ihrer Familie und engen Freunden. Sie zog sich mit Mutter, Vater und Bruder in einen Nebenraum des Bundestages zurück. Anwesend war auch ihr Mathematik-Lehrer Hans Ulrich Beeskow. Er überreichte seiner "Musterschülerin" einen großem Blumenstrauß und eine Flasche Sekt.

Am Mittag wurde Merkel von Bundespräsident Horst Köhler offiziell ernannt. Köhler überreichte ihr die Ernennungsurkunde zur ersten Kanzlerin der Bundesrepublik. Die Zeremonie fand im Berliner Schloss Charlottenburg statt, da Schloss Bellevue, der Amtssitz des Bundespräsidenten, noch renoviert wird. Gegen 14 Uhr soll Merkel im Bundestag vereidigt werden. Danach stellt die Nachfolgerin von Gerhard Schröder ihre Minister dem Präsidenten vor, der sie offiziell ernennt. Anschließend legen die Kabinettsmitglieder im Bundestag ihren Amtseid ab. Die erste Kabinettssitzung unter Vorsitz Merkels soll bereits am Abend stattfinden.

Schon am Mittwoch bricht Merkel zur ersten Auslandsreise auf. Nach einem Besuch beim französischen Präsidenten Jacques Chirac in Paris sind in Brüssel Gespräche mit Vertretern von Nato, EU und der belgischen Regierung geplant. Am Donnerstag steht ein Abendessen mit dem britischen Premierminister Tony Blair in London auf dem Programm.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%