Bundestag schickt Beschwerde an EU
Deutsch, bitte!

Der Bundestag hat bei der EU-Kommission den gleichberechtigten Gebrauch der deutschen Sprache angemahnt. Künftig müssten alle wichtigen Dokumente auch ins Deutsche übersetzt werden, forderte das Parlament in einem gemeinsamen Antrag von Union, SPD, Grünen und FDP. Es sei nicht länger hinzunehmen, dass Deutsch gegenüber Englisch und Französisch als dritte Amtssprache klar benachteiligt werde.

HB BERLIN. Der Bundestag will die EU-Kommission in scharfer Form ermahnen, alle Dokumente der Europäischen Union ins Deutsche zu übersetzen. Ein entsprechender Antrag wurde in einer ersten Debatte im Plenum von allen fünf Fraktionen unterstützt.

Das Parlament wirft Brüssel vor, mit der derzeitigen Übersetzungspraxis wichtige Entscheidungen zu verzögern. Derzeit lägen dem Bundestag 47 Dokumente vor, über die wegen fehlender Übersetzungen nicht beraten werden könne.

"Vor diesem Hintergrund bestehen erhebliche Zweifel an der Bereitschaft der Kommission, transparent und offen mit den nationalen Parlamenten zusammen zu arbeiten", heißt es in dem Antrag. "Die Transparenz und Verständlichkeit europäischer Politik hängt maßgeblich von der Sprachenfrage ab."

Der Antrag wurde zunächst zur weiteren Beratung in die Ausschüsse überwiesen. Er war von den Koalitionsfraktionen, der FDP und den Grünen erarbeitet worden. Die Linksfraktion unterstützte die Forderungen ebenfalls.

Die EU hat vom Englischen bis zum Maltesischen 23 Amtssprachen. Deutsch ist die in der EU am meisten gesprochene Muttersprache. 18 Prozent der EU-Bürger haben Deutsch als Muttersprache, jeweils 13 Prozent Englisch und Italienisch und 12 Prozent Französisch. Nimmt man die Fremdsprachler hinzu, kommt das Deutsche immer noch auf Platz zwei der EU-Sprachenrangliste: 47 Prozent beherrschen Englisch, 30 Prozent Deutsch und 23 Prozent Französisch.

Die Gesellschaft für deutsche Sprache hatte vergangene Woche eine Allensbach-Umfrage vorgestellt, nach der 53 Prozent der Deutschen eine stärkere Verwendung der deutschen Sprache in der EU fordert. Für die Studie wurden im April 1820 Personen befragt.

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