Bundestags-Auftritt
Botschafter malt Afghanistans Zukunft in düsteren Farben

Hinter verschlossenen Türen hat der deutsche Botschafter in Afghanistan im Bundestag offenbar Tacheles geredet und die Abgeordneten über die bedrohliche Situation am Hindukusch aufgeklärt: Die Regierung könnte die Kontrolle über das Land verlieren, der Krieg im Süden sei für die Nato nicht zu gewinnen.

HB BERLIN. Wie die „Bild“-Zeitung am Donnerstag berichtet, referierte Diplomat Hans-Ulrich Seidt am Mittwoch im Auswärtigen Ausschuss des Bundestags. Die afghanische Regierung könne innerhalb von 12 bis 18 Monaten die Kontrolle über das Land verlieren. Es könne zur Katastrophe kommen, sollten die Sicherheitskonzepte nicht angepasst werden. Außerdem sei der Süden Afghanistans von den Nato-Soldaten militärisch nicht zu gewinnen. Die Zeitung beruft sich auf Teilnehmer der Sitzung.

Der Bundestag stimmt am Donnerstag über das Mandat für den Einsatz von Bundeswehr-Soldaten in Afghanistan ab. Das Mandat für die bis zu 3 000 Soldaten läuft Mitte Oktober aus und soll um ein Jahr verlängert werden. Bis auf die Linksfraktion haben die Spitzen aller Fraktionen Zustimmung signalisiert. Allerdings fordern Grüne und FDP eine kritische Zwischenbilanz. Wegen der Sicherheitslage gibt es auch bei Union und SPD Zweifel an der Mission. Die Unionsabgeordneten Willy Wimmer und Peter Gauweiler (beide CSU) forderten den Abzug der deutschen Soldaten.

Unterdessen hat US-Präsident George W. Bush die Präsidenten von Afghanistan und Pakistan aufgerufen, im Interesse des gemeinsamen Kampfes gegen den Terrorismus ihre Streitigkeiten beizulegen. Bush empfing seine Kollegen Hamid Karsai und Pervez Musharraf am Mittwoch zu einem gemeinsamen Abendessen im Weißen Haus. Im Anschluss sagte Bushs Pressesprecher Tony Snow, Karsai und Musharraf hätten sich verpflichtet, ihr Vorgehen gegen Terroristen zu koordinieren.

Seit Monaten werfen sich Karsai und Musharraf gegenseitig vor, nicht genug zur Bekämpfung des Terrorismus entlang der afghanisch-pakistanischen Grenze zu tun. Afghanische Regierungsvertreter beschuldigen Pakistan, Taliban-Kämpfern Unterschlupf zu gewähren und deren Vordringen nach Afghanistan zu ermöglichen. Musharraf wiederum wirft Karsai vor, Pakistan schlecht zu machen.

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