Bundestags-Greenhorns
„Mehr sein als ein schlechter Verlierer“

Florian Bernschneider von der FDP ist das jüngste Mitglied im neu gewählten Bundestag. Er gehört zu den 202 Abgeordneten, die zum ersten Mal ins Parlament eingezogen sind. Auch wenn die Neulinge mit Stolz auf den blauen Sitzen im Plenarsaal Platz nehmen, so hat die erste Generaldebatte über den künftigen Regierungskurs bei einige Bundestags-Greenhorns doch schon für Ernüchterung gesorgt.
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DÜSSELDORF. Respekt, Freude, Spannung, Stolz - all diese Gefühle durchstömen Florian Bernschneider, als er zum ersten Mal auf dem blauen Sitz im Plenarsaal Platz nimmt. Über ihm ragt die gläserne Kuppel des Deutschen Bundestages. "Es war einer dieser Momente, in denen mir ein Stückchen mehr bewusst wurde: Du bist wirklich drin!", sagt der FDP-Politiker. Der Braunschweiger ist der jüngste Abgeordnete der Legislaturperiode. In gut vier Wochen wird er 23 Jahre alt.

Im neu gewählten Deutschen Bundestag sitzen 622 Abgeordnete. 202 davon sind wie Florian Bernschneider zum ersten Mal ins Parlament eingezogen. Bei den Neulingen handelt es sich jedoch keinesfalls nur um den politischen Nachwuchs. Greenhorns finden sich quer durch alle Jahrgänge. Der älteste Abgeordnete, der nun erstmals die politische Bühne in Berlin betritt, ist 70 Jahre alt und sechsfacher Großvater: Der FDP-Politiker Peter Röhlinger, studierter Tierarzt und von 1990 bis 2006 Oberbürgermeister der Stadt Jena. "Ich fühle mit gut aufgenommen", schreibt er in seinem Bundestags-Blog. Dort kommentiert er auch den Beginn der parlamentarischen Arbeit: "Vor den Erfolg haben die Götter den Schweiß gesetzt: ein beruhigendes Gefühl."

Die FDP-Fraktion konnte bei der Wahl insgesamt die größten Zugewinne verbuchen: Sie wuchs von 61 auf 93 Mitglieder, darunter sind 40 Neulinge. In der CDU/CSU-Fraktion sitzen nun 239 statt 226 Abgeordnete, 73 davon zählen zu den Debütanten. Die Mitglieder der Grünen im Bundestag stiegen von 51 auf 68, darunter 26 Neuzugänge. Die Linksfraktion wuchs von 54 auf 76 Abgeordnete, dabei sind 35 "Anfänger".

Die SPD-Fraktion zählt nach dem Wahldebakel nur noch 146 Abgeordnete, 76 weniger als bisher. Doch auch hier schafften 28 Debütanten den Sprung nach Berlin. Dazu gehört Steffen-Claudio Lemme. Der Sozialdemokrat wurde 1965 in Erfurt geboren, lernte Kfz-Mechaniker, studierte später Verwaltungs-Betriebswirtschaft und wurde Landesvorsitzender des DGB Thüringen. Eine "hohe Ehre und hohe Verantwortung für das Ganze im Land und in der Welt" spürt Lemme, als er zum ersten Mal im Plenarsaal auf seinen Sitz zusteuert. Eine soziale Politik will er machen, "die dem Menschen dient". Er will kämpfen: "Für gute Arbeit und sozialen Ausgleich!"

Für Katrin Werner von der Linkspartei kam der Einzug in den Bundestag überraschend. Auf Platz drei der rheinland-pfälzischen Landesliste hatte sie sich keine allzu großen Chancen ausgerechnet. Dann sitzt die 36-Jährige plötzlich auf dem blau bezogenen Sessel gegenüber dem Bundesadler. "Es ist Wirklichkeit", schießt ihr durch den Kopf. "Was tatsächlich auf einen zukommt, ist vorher nicht präsent", sagt die Frau aus Trier, die bis zur Geburt ihrer nun zweijährigen Tochter als Abteilungsleiterin im Einzelhandel tätig war.

Schon ganz staatsmännisch gibt sich hingegen der CSU-Bundestagsabgeordnete für den Landkreis München und Krailling, Florian Hahn. Kein Wunder: Zwar debütiert der 35-Jährige nun im Bundestag, ist aber in der Kommunalpolitik ein alter Hase. Er wolle "in einer starken CSU" Kanzlerin Angela Merkel unterstützen, wenn es darum gehe, Deutschland durch die Krise in eine gute Zukunft zu führen, sagt Hahn geübt. Doch als er dann zum ersten Mal im Plenarsaal Platz nimmt, freut er sich "unglaublich". Ihm wird "die besondere Verantwortung für unser Land und unsere Bürger bewusst."

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