Bundestagsnachwahl am Sonntag
Parteifreunde vermiesen Merkel den Endspurt

Angela Merkel (CDU) und Gerhard Schröder (SPD) bewegen sich weiter keinen Zentimeter im Streit um die Kanzlerschaft. Umso wichtiger wird das Ergebnis der Nachwahl in Dresden. Da kommt Kritik aus den eigenen Reihen für Merkel zur Unzeit.

HB BERLIN/DRESDEN. Merkel und Schröder sprachen der Abstimmung Signalwirkung für den Fortgang der Sondierungsgespräche für eine große Koalition zu. "Rot-Grün ist abgewählt", sagte Merkel. "Das ist schon vor der Nachwahl in Dresden sicher." Es sei zu hoffen, dass Schröder dies nach dem letzten Wahlakt in Dresden auch einsehe. Mit einem guten Ergebnis für die Union bei der Nachwahl könne "ein letzter, ein starker Akzent gesetzt werden".

Im Dresdener Wahlkreis 160 sind am Sonntag rund 219 000 Wähler zur nachträglichen Stimmabgabe aufgerufen, weil die NPD-Kandidatin kurz vor dem regulären Wahltermin gestorben war. Wahlforscher halten es für ausgeschlossen, dass die SPD mit dem Resultat in Dresden ihren Rückstand von drei Mandaten gegenüber der Union im neuen Bundestag noch aufholen kann.

Schröder appellierte an die Wähler in Dresden, ihm das Weiterregieren in Berlin zu ermöglichen. Er wolle auch in den kommenden Jahren an der Spitze der Bundesregierung für die Erneuerung des Landes und für sozialen Zusammenhalt kämpfen. Aus diesem Grund müssten die Sozialdemokraten mit einem "offensiven Votum" am Sonntag gestärkt werden.

Unfreiwillige Schützenhilfe für Sonntag bekommt Schröder von einigen Unionspolitikern. Denn in der Union wächst kurz vor der Nachwahl die Kritik an der Wahlkampfstrategie. Nach einem "Spiegel"- Bericht machten führende Unionspolitiker vor allem den angeblich emotionslosen Wahlkampfstil Merkels und die angekündigten Kürzungen im Sozialbereich für die Schlappe am 18. September verantwortlich gemacht. "Wir haben einen zu nüchternen, kühlen Wahlkampf geführt", wird der bayerische Innenminister Günther Beckstein (CSU) zitiert.

Ähnlich äußerte sich der Vorsitzende der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA), Karl-Josef Laumann (CDU): "Wir haben die Herzen der Menschen nicht erreicht." Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach (CDU) vertrat die Auffassung, dass die Union im Wahlkampf die Bürger mit zu vielen Belastungen konfrontiert habe: "Mit Mehrwertsteuererhöhung, Kürzung der Pendlerpauschale und Lockerung des Kündigungsschutzes haben wir den Wählern einfach zu viel zugemutet."

CSU-Vize Horst Seehofer gab Merkel mit Blick auf die Berufung des Steuerfachmanns Paul Kirchhof indirekt eine Mitschuld an dem Unions- Wahlergebnis. Wenn etwa der CDU-Finanzexperte Friedrich Merz "in der ersten Reihe im Wahlkampf dabei gewesen wäre, hätte die Union einige Prozentpunkte mehr erreicht", sagte er im ZDF.

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