Bundestagspräsident und die Plagiate
Bei Lammert alles nur geklaut?

Nach Annette Schavan und Karl-Theodor zu Guttenberg nun also Norbert Lammert: Auch seine Dissertation soll Plagiate enthalten. Doch was steht wirklich in der Arbeit? Machen Sie sich selbst ein Bild.
  • 33

Düsseldorf„Lokale Organisationsstrukturen innerparteilicher Willensbildung. Fallstudie am Beispiel eines CDU-Kreisverbandes im Ruhrgebiet.“ Das ist der Titel, der dem heutigen Bundestagspräsidenten Norbert Lammert den Doktortitel einbrachte. 40 Jahre liegt es zurück, dass Lammert diese Dissertation schrieb. Doch nun kam heraus: Der Politiker soll von anderen Autoren Inhalte übernommen haben, ohne die zu kennzeichnen. Das behauptet jedenfalls ein anonyme Plagiatsjäger unter dem Pseudonym „Robert Schmidt“.

Auf 42 Seiten will der Plagiatsjäger Textpassagen aus 21 Quellen gefunden haben, die „Unregelmäßigkeiten“ aufweisen, schreibt er auf der Internetseite lammertplag.wordpress.com. Und weiter: „Einen erheblichen Teil der als verwendet angegebenen Literatur hat er ganz offenbar nicht gelesen“, und meint damit den Bundestagspräsidenten.

Eine Anschuldigung jedenfalls scheint nicht zustimmen: Es geht um ein genutztes Buch, dass es laut Plagiatsjäger Schmidt gar nicht geben soll. Doch der Verfasser entkräftet den Vorwurf: Das Werk gebe es tatsächlich, es hätte ein Fehler im Titel vorgelegen, sagt der Politologe Wolfgang Jäger der „Süddeutschen Zeitung“. Jäger: Der anonyme Autor habe eine fehlerhafte Dokumentation vorgelegt. „Der hat nicht seriös gearbeitet.“

Doch das weist der Plagiatsjäger auf der Internetseite zurück: Er habe nie behauptet, den Titel erfunden zu haben, sondern „dass es diesen Titel in dieser Form nicht gibt“ und Lammert die Literaturangabe ohne Prüfung abgeschrieben habe. Konkret geht es um den Titel von Mathias Schmitz: „Die Funktion der Parteien im parlamentarischen Regierungssystem“.

„Wenn Herr Jäger nun sagt, er habe damit in Wirklichkeit den Titel Politische Parteien im parlamentarischen Regierungssystem von Mathias Schmitz, Manfred Hättich und Walter Gagel, Stuttgart 1967, gemeint, mag das ja stimmen. Am Sachverhalt ändert das jedoch nichts“, schreibt der Plagiatsjäger. Denn es sei nicht zulässig, Literaturverweise anderer ungeprüft und ohne Kennzeichnung zu übernehmen.

Für den österreichischen Plagiatexperten Stefan Weber ist bei der Doktorarbeit eindeutig wissenschaftliches Fehlverhalten feststellbar. „Das ist ein Plagiat. Daran gibt es nichts zu rütteln“, sagt Weber. Die Fakten seien erdrückend, sagte der Experte nach Durchsicht der Doktorarbeit. „Wenn die Wahrheit gewinnt, wird das mit dem Entzug des Doktortitels und dem Rücktritt enden“, sagt Weber.

Kommentare zu " Bundestagspräsident und die Plagiate: Bei Lammert alles nur geklaut?"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Sicher laufen in Deutschland Tausende mit geklauten DR.Titeln rum und lassen es sich damit gutgehen. Gerade aus Zeiten 60,70,80 war so etwas leichter als heute. Früher hat niemand daran gedacht, dass wir irgendwann gläsern werden.

    Das es immer CDU/FDP Abegeordenete betrifft, liegt wohl daran, dass man das gezielt macht.

  • Ich bin für diese zwei Dr. Grade, in der Studienrichtung Humanmedizin wird der Grad "Dr. med. univ." und für Zahnmedizin der Grad "Dr. med. dent." vergeben.
    Hier handelt es sich um sogenannte "Berufsdoktorate", das heißt diese Doktorgrade werden mit dem Abschluss des Studiums (Examens) ohne zusätzliche Promotionsleistung vergeben.
    Als dritten Dr. Grad, kann/soll man den Titelgeilen den Dr. h.c. (honoris causa): Ehrendoktortitel verleihen. Alle übrigen Dr. Grade würde ich verbieten.

  • hallo ottoc
    du hast recht!
    nur der pumpenheini ist deshalb da als pumpenschwengel weil er nicht so wie du gelebt hast

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%