Bundestagswahl 2009
Grüne gehen mit Doppelkandidatur auf Stimmenfang

Bei den Grünen ist eine Vorentscheidung über die Spitzenkandidatur für die Bundestagswahl 2009 gefallen. Es gibt allerdings bereits kritische Stimmen, die an der Notwendigkeit einer Spitzenkandidatur generell zweifeln.

HB BERLIN. Grünen-Fraktionschefin Renate Künast und der frühere Bundesumweltminister Jürgen Trittin haben sich auf eine gemeinsame Doppelkandidatur verständigt, wie der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag aus Parteikreisen bestätigt wurde. Dies sei mit den Parteivorsitzenden Reinhard Bütikofer und Claudia Roth sowie Co-Fraktionschef Fritz Kuhn abgestimmt. Der Bundesvorstand werde am Montag einen Verfahrensvorschlag machen, wonach zwei Spitzenkandidaten auf dem Bundesparteitag Mitte November in Erfurt gewählt werden sollen. Eine Urabstimmung der Parteibasis sei damit vom Tisch.

Offen war nach Angaben aus Parteikreisen aber, ob sich die Parteispitze am Montag offen für Künast und Trittin ausspricht, weil sie damit der formalen Parteitagsentscheidung vorgriffe. Zudem gibt es Überlegungen in der Parteiführung, Künast und Trittin ein Spitzenteam zur Seite zu stellen. Geplant sei ein „integrativer Verfahrensvorschlag“. Dieser soll im April von einem Länderrat - dem höchsten Gremium zwischen den Parteitagen – gebilligt werden. Am Montag berät zunächst der Parteirat.

Trittin, inzwischen der für Außenpolitik zuständige Fraktionsvizechef im Bundestag, gilt als Vordenker der Parteilinken. Die einst als pragmatische Linke eingestufte Ex-Verbraucherschutzministerin Künast wird inzwischen eher dem einstigen realpolitischen Flügel zugerechnet. Beide können für sich beanspruchen, dass sie in der rot-grünen Bundesregierung Inhalte in der Umwelt- oder Verbraucherschutzpolitik geprägt haben, die zum Teil von der großen Koalition fortgesetzt wurden. Beide folgten – anders als Kuhn – der Vorgabe eines Parteitages, der Verlängerung des Afghanistan-Einsatzes nicht zuzustimmen.

Trittin und Künast stehen auch für die in ihrer Partei diskutierte Bandbreite von neuen Koalitionsoptionen. Während Trittin jüngst für eine Öffnung zur Linkspartei plädiert hatte und damit als Befürworter rot-rot-grüner Bündnisse wahrgenommen wurde, zeigte sich Künast offen für Schwarz-Grün in Hamburg.

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