Anti-Euro-Partei
Ade AfD?

Sieben Monate nach der Gründung hätte es die Alternative für Deutschland fast in den Bundestag geschafft. Nun steht die Partei vor schweren Entscheidungen: Sie muss neue Themen besetzen und sich anders organisieren.
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DüsseldorfAm Ende haben 130.000 Stimmen gefehlt. Sie trennten die Euro-kritische Alternative für Deutschland vom Einzug in den Bundestag. Das knappe Scheitern an der Fünf-Prozent-Hürde hat weitreichende Folgen: Der sieben Monate alten Partei fehlt vier Jahre lang die öffentliche Bühne des Bundestages. Damit muss sie stärker als ihre Konkurrenten um öffentliche Aufmerksamkeit ringen.

Außerdem kann sie nicht wie die im Bundestag vertretenen Parteien auf hauptamtliches Personal zurückgreifen. Ihre führenden Köpfe sind keine Berufspolitiker. Parteisprecher Bernd Lucke beispielsweise war während des Wahlkampfs von seiner Professur an der Universität Hamburg beurlaubt. Ob er bei der Europawahl im Mai 2014 für die AfD antreten wird, ließ er bisher offen. Auch bei den beiden anderen Parteisprechern gibt es Fragezeichen: Frauke Petry führt ein kleines Unternehmen und Konrad Adam ist bereits 71 Jahre alt.

Zudem wird die Partei bisher ausschließlich durch ihre Ablehnung der Euro-Rettungspolitik wahrgenommen. Das Thema ist die gemeinsame Klammer, unter der sich sehr unterschiedliche Strömungen zusammengefunden haben. Auf Dauer dürfte es die AfD mit einem einzigen Thema aber schwer haben, sich in der Parteienlandschaft zu etablieren. Sobald sie sich inhaltlich breiter aufstellt, drohen allerdings Konflikte zwischen den unterschiedlichen Strömungen.

AfD-Sprecherin Frauke Petry fürchtet sich davor nicht. „Richtungsdebatten hat jede Partei. Auch die Grünen wären an einigen Themen beinahe zerbrochen. Das schreckt uns nicht,“ sagte sie im Interview mit Handelsblatt Online. Ihre Partei müsse sich thematisch breiter aufstellen. „Unsere Unterstützer beschäftigt nicht nur der Euro. Auch an Themen wie Rechtstaatlichkeit, Steuern, Einwanderung und an der Europapolitik muss gearbeitet werden.“

Die AfD wird laut Petry einen Programm-Parteitag machen, wo sie ihr Programm demokratisch erweitern werde. Aus Sicht des Politologen Everhard Holtmann von der Universität Halle ist eine programmatische Verbreiterung der AfD allerdings nicht so einfach. „Das ist eine beträchtliche Herausforderung, die man nicht so ohne Weiteres von heute auf morgen leisten kann“, sagte er der Nachrichtenagentur Reuters. Dazu brauche es Personal und politische Praxis. „Das alles ist auf den ersten, vielleicht auch auf den zweiten Blick derzeit noch nicht erkennbar“. Hinzu komme, dass gerade Protestwähler sich nicht langfristig an Parteien binden würden. „Es ist eine immer wieder bestätigte Erfahrung, dass Proteststimmen ein flüchtiges Gut sind“, sagt Holtmann. So ließen sich die zahlreichen Stimmen, die die AfD von der Linkspartei abgezogen habe, „nur als eine Umschichtung von Protestwählerpotenzial erklären“. Wahlforschern zufolge hat die AfD 70.000 frühere Links-Wähler auf ihre Seite gezogen.

Aus Sicht von Frauke Petry gibt es durchaus gewisse inhaltliche Gemeinsamkeiten der AfD mit der Linkspartei. „Bei uns gibt es eine offene Diskussion darüber, welche Aufgaben der Staat wahrnehmen sollte.“ Beispiele seien die Bankenrettung oder die Privatisierung von Bürgervermögen. Die AfD sei wie die Linkspartei gegen die Bankenrettung. Viele ihrer Mitglieder seien außerdem der Auffassung, dass die Wasserversorgung in die Hand des Staates gehöre. „Da sind wir mit der Linken auf einer Linie, auch wenn die sicher noch viel weiter gehen würden.“

Kommentare zu " Anti-Euro-Partei: Ade AfD?"

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  • Klasse! Genau so ist es mit unserem tolen Export. Ein Supergeschäft, wenn wir unsere gelieferten Waren an die Südländer auch gleich selber zahlen.

  • AfDByeBye
    Wenn man der Meinung ist, dass man einer zur Wahl zugelassenen Partei keine Plattform geben darf, dann ist man gegen Meinungsfreiheit und für Diktatur. Die AfD ist dafür, dass man solche Meinungen vertreten darf, das sind die kleinen aber feinen Unterschiede.

    Den Satz "lass endlich Hirn regnen" kann ich voll unterstützen

  • Wenn Sie sich als Köter sehen, ganz meine Meinung. Die AfD wird nicht mit der Karawane weiterziehen, sondern bei den nächsten Wahlen in die entsprechenden Parlamente bzw. Gremien einziehen. Meine Stimme hat die Afd. Die sogen. etablierten Parteien werden noch große Augen machen, wenn sie nicht mehr, so wie bisher, ihre Pfründe unter sich aufteilen. Die derzeitige Opposition, bzw. das was sich so nennt, hat im letzten Bubdeswahlkampf bewiesen, dass der Wahlkampf zwischen der sog. Opposition und der letzt. Regierung eine riesiges Bauerntheater bzw. eine Farce war. Bei den Euro-Rettungsschirme haben sie doch mit zugestimmt. Was soll dann der Angriff auf Fr. Merkel? Es ist höchste Zeit, dass die Nichtwähler, wie ich endlich bei der Wahl eine Alternative hat * die Alternative für Deutschland * nämlich.

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