Arbeit von Politikern
„Am Anfang steht echtes Engagement“

Torsten Schubert wollte herausfinden, wie Politiker wirklich ticken. Dafür reiste der Publizist jahrelang durch Deutschland und interviewte zahlreiche der Mächtigen, aber auch Lokalpolitiker. Es bildete sich Berufsbild, das erschreckt.
  • 19

Sie haben mit vielen Politikern gesprochen. Welche Persönlichkeiten haben Sie dabei am meisten beeindruckt?

Die engagierten und die offenen. Es gibt sie quer durch die Parteienlandschaft und auf allen politischen Ebenen. Ganz besonders beeindruckt haben mich einige Kommunalpolitiker, die sich neben ihrem Beruf qualifizieren und mit viel Kraft für ihr Umfeld einsetzen.

Von wem waren Sie am meisten enttäuscht?           

Es sind nicht einzelne Politiker, die schlechte Arbeit leisten. Unser Politiksystem in Verbindung mit dem starken Einfluss von Interessengruppen bedarf dringend einer Grunderneuerung. Nach mehr als 60 Jahren muss unsere Demokratie umfassend reformiert werden, damit wir auf die Herausforderungen unserer Zeit angemessen reagieren und unsere Freiheit erhalten. Es enttäuscht mich sehr, dass die Politik dazu nicht in der Lage ist. Unsere Regierung verwaltet das Land lediglich, aber sie unterstützt und motiviert seine Bürger nicht, sich den Herausforderungen kreativ zu stellen.

Warum werden Menschen Politiker?

Jemand hat mir gesagt, Politiker hätten ein „Vereinsgen“ und könnten nicht anders, als stundenlang zu sitzen und zu reden. Ich glaube, bei den meisten steht am Anfang echtes Engagement, wie sich auch jeder Berufsanfänger zunächst voll einsetzt. Erst später entscheidet sich, ob daraus eine politische Karriere wird. Wie in jedem Job kommen dann Ehrgeiz und persönliche Ziele hinzu. Aus dem engagierten Mitmenschen von nebenan wird ein Politiker, wie aus dem hilfsbereiten Kollegen vielleicht irgendwann das Vorstandsmitglied eines Unternehmens.

Sind das alles Machtmenschen?

Auf jeder Stufe der Politik gehören Machtbewusstsein und persönliche Eitelkeit zu den Grundvoraussetzungen, um erfolgreich zu sein.

Kommentare zu " Arbeit von Politikern: „Am Anfang steht echtes Engagement“"

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  • @tos

    Nichts gegen Sie persönlich...träumen Sie weiter.

    1.In der BRD, besonders im Westen! herrscht einfach zu viel GELD!! DESHALB INTERESSIERT SICH KEINER MEHR GROß für POLITIK!!

    2. Hat man die Gesellschaft bereits mit der Einführung von HARTZ 4 und der HETZE Sarrazins gegen die fiskal Schwachen zutiefst GESPALTEN!! So das sich sehr viele Wähler dem Politischen System abgewendet haben! DIE HAUPTSCHULD TRIFFT DIE MEDIEN!!!!!!!

    3. ´Sind nunmal die meißten Menschen käuflich und GELD REGIERT DIE WELT!! Jeder will nach OBEN!!

    Guggen sie hier

    http://www.youtube.com/watch?v=-7BQZHrHcEY

    Der Soziologe beschreibt sehr schön wie die Menschen, besonders das BILDUNGSBÜRGERTUM, sich nach OBEN VERKAUFT!!

    4. Veränderungen finden niemals mit WAHLEN STATT!

    Träumen Sie weiter...die untere Mitte hat andee Sorgen als sich der verlogenen POLITIK ZU STELLEN!

    Die Oberschicht hat genug Geld um sich nicht mehr für Politik zu engagieren. In der Politik sind überwiegend MITLÄUFDER DIE NUR AN SICH SELBER UND AN EINEM STÜCK VOM GROßEN KUCHEN interessiert.

    MIT GELD KANN MAN ALLES KAUFEN. AUSSER LIEBE!

    Die reichen haben über Jahrzehnte mittels Sozialnetzen ihre Claqueuer gut installiert. DIE MITTE IST VERBLÖDET. KRITISCH DENKENDE SIND EINFACH ZU WENIG VORHANDEN.

    Erst wenn die Massenarmut hier kommt; werden die Menschen ev. handeln. Bis dahin....träumen Sie weiter :-)


  • Die zahlreichen Kommentare zu Interview mit mir zeigen eine große persönliche Betroffenheit beim Thema Politik. Natürlich gibt es viele Ansätze, auf die Politik der Langeweile, unseren Weg in die Postdemokratie (oder unsere Ankunft dort, wie jemand schrieb), die Stagnation der Entwicklung unserer Gesellschaft und den großen Einfluss von Partikularinteressen zu reagieren. Meines Erachtens ist pauschale Politikerschelte aber keine Lösung. Wir müssen uns wieder stärker engagieren. Derzeit sind zum Beispiel in Baden-Württemberg nur noch 48 Prozent aller Wahlberechtigten ehrenamtlich tätig - viele mit mehreren Ämtern, damit Vereine und Institutionen überhaupt noch arbeitsfähig sind. Die Zukunft einer besseren Politik liegt in der kritisch konstruktiven Teilhabe möglichst vieler Menschen. Das schließt natürlich nicht aus, dass diese Menschen auch eigene Interessen verfolgen. Aber es verteilt Verantwortung auf viele Schultern und lässt Macht transparenter werden und schwieriger von nur wenigen zu vereinnahmen. Je mehr sich für unser Land engagieren, desto größer die Meinungsvielfalt, das Wissen und die Innovationskraft. Es ist ganz einfach: Wer nicht mitbestimmt, lässt sich bestimmen.

  • POSTDEMOKRATIE - WIR SIND LÄNGST DORT ANGEKOMMEN


    >>Das ist ein Begriff, den der britische Politikwissenschaftler Colin Crouch geprägt hat. Er meint, dass in einer Postdemokratie konkurrierende Teams professioneller PR-Experten öffentliche Debatten so stark kontrollieren, dass sie zu einem reinen Spektakel verkommen, bei denen nur über eine Reihe von Problemen diskutiert werde, die zuvor von den Experten ausgewählt wurden.<<

    Der Begriff meint tatsächlich viel mehr als das. Zentral für die Postdemokratischen Zustände sind auch ein immer größeres Annäheren der großen Parteien, eine immer größere Gleichschaltung - und diese ist zwischen CDU,SPD,Grüne,FDP und teilweise auch der Linken doch eindeutig vorhanden.

    Der Begriff beschreibt ferner, dass das System aufhört eine Demokratie im eigentlichen Sinne, d. h. eine Volksherrschaft zu sein, dass Entscheidungen auch ohne Rücksicht oder selbst gegen eine Bevölkerungsmehrheit getroffen werden, bzw. die Meinungen des Volkes sich nicht mehr oder wesentlich auf die Politik ihrer vorgeblichen Repräsentanten auswirken.

    Beides das ist hierzulande bereits stark der Fall.
    Dass wir in Deutschland ein "Land der Vielfalt" oder ein "Integrationsland" (O-Ton Merkel) sein wollen, also ein multikulturalisitischer Staat war eine "Entscheidung von oben", eine Entscheidung der politischen Eliten.

    Ausländereinsätze der Bundeswehr, Legalisierung von Kinderbeschneidung, die Einwanderungspolitik alles Dinge, die von einer breiten Mehrheit des Wahlvolkes abgelehnt wurden und abgelehnt werden.

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