Auch SPD-Anhänger

Deutsche für Große Koalition

In der SPD tun sich viele schwer mit der Idee einer Großen Koalition. Umfragen zeigen jedoch: Den meisten Deutschen wäre das am liebsten. Auch die Anhänger der Sozialdemokraten sind mehrheitlich für Schwarz-Rot.
Update: 27.09.2013 - 14:23 Uhr 20 Kommentare
Kein Gegen-, sondern-ein Miteinander – das wünschen sich die Mehrheit der Deutschen von Union und SPD. Quelle: Reuters

Kein Gegen-, sondern-ein Miteinander – das wünschen sich die Mehrheit der Deutschen von Union und SPD.

(Foto: Reuters)

BerlinDie Mehrheit der Deutschen wünscht sich eine große Koalition aus CDU/CSU und SPD. 58 Prozent befürworteten in einer am Freitag veröffentlichten Umfrage für das ZDF-„Politbarometer“ eine schwarz-rote Regierung, jeder Vierte fände das schlecht. Für eine schwarz-grüne Koalition war knapp ein Drittel der Befragten (32 Prozent). Im ARD-„Deutschlandtrend“ vom Freitag bekam eine Große Koalition mit 48 Prozent ebenfalls die größte Zustimmung. In dieser Befragung plädierten nur 18 Prozent für Schwarz-Grün.

Auch den SPD-Anhängern wäre demnach die Große Koalition am liebsten. In dieser Gruppe lag die Zustimmung für Schwarz-Rot bei 64 Prozent („Politbarometer“) und 56 Prozent („Deutschlandtrend“). Allerdings meint jeder zweite Anhänger der Sozialdemokraten, dass die Rolle des Juniorpartners in einer schwarz-roten Regierung der SPD schaden würde, wie das „Politbarometer“ ermittelte.

Der Vorsitzende der CDU-Mittelstandsvereinigung (MIT), Josef Schlarmann, hat mit drastischen Worten ebenfalls für eine Große Koalition geworben. Nur in einer Koalition mit der SPD könne Bundeskanzlerin Angela Merkel die vielen Widerstände bei der nötigen Reform der Energiewende überwinden, sagte Schlarmann am Freitag in Berlin. Für die MIT, die 30.000 Mitglieder hat, sei die fehlgeleitete Energiewende die größte Bedrohung für den Industriestandort Deutschland, wichtiger auch als Euro-Fragen. Ohne eine drastische Reform der Energiepolitik drohe Deutschland wegen der hohen Energiekosten eine De-Industrialisierung, die in Wahrheit längst begonnen habe. „Die Energiewende wäre nicht zu korrigieren mit Schwarz-Grün“, betonte Schlarmann.

Der CDU-Politiker kritisierte weiter, die Politik nehme immer weniger Rücksicht auf wirtschaftliche Belange. Dieser Trend habe sich auch unter der schwarz-gelben Regierung fortgesetzt. Da wirtschaftsliberale und konservative Kräfte nicht mehr im Bundestag vertreten seien, stärke dies außerparlamentarische Kräfte wie die FDP oder die Anti-Euro-Partei AfD.

Die CDU-interne Debatte, ob bei einer Koalition mit SPD oder Grünen der Spitzensteuersatz erhöht werden könne, kritisierte Schlarmann als „töricht und verantwortungslos“. „Die Steuerfrage ist eine der wenigen roten Linie, auf die sich die Union noch festgelegt hatte.“ Er unterstellte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble auch persönliche Motive, diese Debatte losgetreten zu haben. Schäuble sei als Finanzminister an Mehreinnahmen interessiert und wolle sich zudem als Minister auch in einer Koalition mit der SPD anbieten. Schäuble hat nicht ausgeschlossen, dass es im Laufe von Koalitionsverhandlungen auch in der Steuerfrage Kompromisse geben könnte.

Unbeliebt ist bei den Deutschen die rechnerisch mögliche Koalition aus SPD, Grünen und Linken. Nur 22 Prozent der Befragten im „Politbarometer“ findet das gut, eine große Mehrheit (67 Prozent) ist dagegen. Im „Deutschlandtrend“ sprachen sich nur 16 Prozent für Rot-Rot-Grün aus. Die SPD hatte diese Möglichkeit vor der Bundestagswahl mehrfach ausgeschlossen. Allerdings ist laut „Politbarometer“ fast die Hälfte (47 Prozent) der SPD-Anhänger dafür, dass sich die Sozialdemokraten langfristig für eine Zusammenarbeit mit der Linken öffnen.

Eine Minderheitsregierung ohne eigene Parlamentsmehrheit, wie sie sowohl die Union als auch SPD und Grüne bilden könnten, lehnt eine große Mehrheit der Befragten ebenfalls ab. 72 Prozent sind laut „Politbarometer“ grundsätzlich dagegen, nur etwa jeder Fünfte (21 Prozent) befürwortet diese Möglichkeit. Dabei spielt es keine große Rolle, ob die CDU/CSU oder SPD und Grüne die Minderheitsregierung bilden würden.

Trümpfe im SPD-Koalitionspoker
Frank-Walter Steinmeier, Peer Steinbrueck, Sigmar Gabriel
1 von 8

Peer Steinbrück, Sigmar Gabriel Frank-Walter Steinmeier (v.l.) – sie haben die Partei im Wahlkampf geführt, jetzt müssen sie mit dem Ergebnis leben. Rot-Grün war nicht zu schaffen, bliebe nur die ungeliebte Große Koalition. Doch für welchen Preis? Der Poker hat schon begonnen.

Wahlkampf SPD Gabriel
2 von 8

Sigmar Gabriel (54): Führt seit vier Jahren die SPD, die unter ihm geschlossener ist als früher. Die Basis ist sein Rückhalt, mehrere Landesfürsten und Vorstandsmitglieder sehen ihn kritisch. Vermeidet jede Vorfestlegung. Will notfalls die Interessen der Partei über die des Landes stellen, heißt es. Kommt es aber zur großen Koalition, wird Gabriel wohl Vizekanzler. Arbeitete schon 2005 bis 2009 als Umweltminister gut mit der Kanzlerin zusammen. Ist durch die Wahlschlappe derzeit nicht in einer Position großer Stärke.

Bundestagswahl 2013
3 von 8

Hannelore Kraft (52): Ministerpräsidentin Nordrhein-Westfalens. Sieht eine große Koalition äußerst skeptisch: „Die SPD ist nicht dafür angetreten, um als Mehrheitsbeschafferin die CDU an der Regierung zu halten.“ Muss bei Schwarz-Rot im Bund Nachteile für ihr Land fürchten, wäre bei Schwarz-Grün über ihre Bundesratsrolle mächtiger. Wird sie es zur „Kraft-Probe“ mit Gabriel kommen lassen? Scheitert Gabriel, müsste sie womöglich den Vorsitz übernehmen.

Landtag Niedersachsen
4 von 8

Stephan Weil (54): Regierungschefs von Niedersachsen. Er könnte bei einer Stimmung gegen eine große Koalition moderierend eingreifen und die Partei vor falschen Weichenstellungen warnen. Weil betont, Neuwahlen könnten keine Alternative für die SPD sein.

Scholz joggt auf der Internationalen Gartenschau
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Olaf Scholz (55): Hamburgs Erster Bürgermeister läuft über das Gelände der Internationalen Gartenschau in Hamburg. Er gilt als geschätzter Pragmatiker, fordert jedoch eine Schärfung des Wirtschaftsprofils.

Bundestagswahl 2013
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Peer Steinbrück (66): Gescheiterter Kanzlerkandidat mit Schlüsselrolle. Bekommt bei Parteiveranstaltungen viel Beifall für seinen Einsatz. Strebt kein Amt mehr in der Partei an und erst recht kein Ministeramt in einer großen Koalition, könnte deshalb unbefangener für das Bündnis werben - oder auch dagegen: Hatte sich nach der Wahl skeptisch zur Neuauflage geäußert.

SPD-Fraktionssitzung
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Frank-Walter Steinmeier (57): Hat nächtliche Versuche nach der Wahl, ihn als Fraktionschef infrage zu stellen, abwehren können - und sich sicherheitshalber rasch im Amt bestätigen lassen. Kann in der Partei kaum offensiv für das Bündnis eintreten, da er als dessen Anhänger gilt. Könnte aber in Verhandlungen mit CDU/CSU versuchen, den Preis hochzutreiben. In der Fraktion sind viele für Schwarz-Rot - weil sie bei einer Neuwahl um ihren Bundestagssitz fürchten müssten.

  • dpa
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20 Kommentare zu "Auch SPD-Anhänger: Deutsche für Große Koalition"

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  • es geht wohl nicht um die wesentlichen Inhalte, sondern um den Zugang der eigentlichen Herrscher zu ihren Marionetten.

    Ansonsten ist rot-rot-grün das offensichtlichste Wahlergebnis - von der Überschneidung der Inhalte ebenso wie bei der Sitzverteilung im Parlament (-Tag und -Rat).

    Die visionslose Merkel ist für Führungsaufgaben ungeeignet.
    Ein Führer muss Visionen vermitteln und Positionen beziehen.

    ...aber die Exportkolonie braucht natürlich keinen Führer.
    Die Exportkolonie braucht eine Vasallenregierung, die weiterhin dafür sorgt, dass geliefert wird.

    Und darum wirds die GröKaz mit der GroKo.

  • Schauen wir doch einfach diesem Laien-Schauspiel zu !

    Jetzt sagen diese "Volksvertreter" , Deutsche für Große Koalition !!! Ist das nicht herrlich, diese Unterstellung und Ausrede.

    Vor der Wahl war mir klar, wenn die FDP verliert, wie es höchstwahrscheinlich weitergeht.

    Der VERURSACHER und MITVERURSACHER für den Zustand unseres Landes/EU/EURO, werden die "POLITIK" von morgen "gestalten" !

    Der Rammbock ist bereits in Sichtweite !

    Das VOLK hat entschieden !

  • @ Rechner

    Zitat : Und die Führung der Amtsgeschäfte IST Regieren.

    - insbesondere würden mich die FDP-Minister beim diesen "Regieren" erfreuen...:-) Ich schätze, dass die sich auch schon freuen...:-) So ohne Mitarbeiter ( Assistenten, Sekretärinnen, Stäbe, etc. )
    Anstatt sich um ihre neuen Jobs zu kümmern, werden sie unter Muttis Rock sitzen...:-)

    Zitat : Auch Unsinn - nichtzustimmungsbedürftige Gesetze kann der Bundestag auch ohne Zustimmung des Bundesrats beschließen.

    - da haben Sie allerdings Recht......außer Bewachung der Einrichtungen können sie sich mit der Auswahl und Auseinanderhalten der zustimmungspflichtigen und nicht zustimmungspflichtigen Gesetzen beschäftigen.....:-) das ist natürlich auch eine Beschäftigung ! :-)
    Sie können auch die Wände im Bundestag neu tapezieren....:-)

    Zitat : Notfalls könnte man auch eine Steuerreform konstruieren, die nicht in das Steueraufkommen der Länder und Gemeinden eingreift.

    - da haben Sie auch nicht unrecht. Sie könnten steuerlich den Satz der Regierungsmitglieder auf 80 % hochschrauben ( da würde auch der Bundesrat nicht meckern ).
    Solche Konstruktionen wären zu begrüßen....:-)

    *****************************************************************************

    Rechner, bei ihnen fangen die Tassen an zu wackeln.....noch stärker als der "Fränkische Wald", aus Ihrem Mundwerk wird es demnächst mehr schäumen, als der "Chiemsee" schäumt, und wenn Sie das "Sparschweinchen im Wägelchen" durch die Gegend rollen, werden Ihre Beinchen stärker beben, als "die Alpen" !

    Gehen Sie lieber ins NPD-Lager und ersparen Sie sich das Ganze !

    Klopfen Sie sich lieber mit Asylanten herum : da können Sie Erfolgserlebnisse erzielen :-) !!!

  • Rechner formuliert:

    Solange ......., bleibt die derzeitige Regierung im Amt.

    Das ist richtig. Und nicht die alte.

  • "Oder seid ihr einfach nur zu doof, um zu erkennen, wohin die Reise letztenendes führt?"

    Ich fürchte, damit kommen Sie der Wahrheit am nächsten. Und wenn ich den Grossteil meiner Kollegen betrachte, dann ist dies eine weitere Bestätigung.

  • Schwarz-Rot bedeutet, dass die „Alternativlosigkeit des totalen (T)Euros“ endgültig manifestiert wird.
    Ich verstehe das einfach nicht, alle Arbeitskollegen, bekannten und Freunde, mit welchen ich mir vor der Bundestagswahl unterhielt, wollten ein Ende des Euros und auch ebenso votieren. Wenn ich mir jetzt das tatsächliche Wahlergebnis anschaue, bin ich einfach nur noch fassungslos, dass anscheinend 1/3 der Deutschen Wähler, Merkels alternativlosem Teuro die Treue halten?
    Warum Deutschland?
    Geht es euch da draussen wirklich noch so gut, das ihr weitere Steuererhöhungen, Sozial-, und Altersvorsorgeabbau mittragen könnt?
    Oder seid ihr einfach nur zu doof, um zu erkennen, wohin die Reise letztenendes führt?
    Ehrlich gesagt, ich verstehe euch nicht?

  • Diese große Koalition hätte eine 3/4 (erforderlich nur 2/3) Mehrheit und könnte Gesetze- auch das Grundgesetz- umschreiben, ohne das die Opposition etwas dagegen tun könnte- außer vielleicht Reden zu halten. Das käme einem Ermächtigungsgesetz gleich- vielleicht klingelts da bei einigen...
    Das kann Deutschland nicht wollen!

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Harlemjump, bereits meine Kinder wissen das Folgende:

    alles, was man anderen unterstellt, ist man selbst....

    Scheinbar noch immer nicht draufgekommen, was das Wort Fairness eigentlich sagen will.

  • 'Vicario' deriliert
    ---------------------
    - da verwechseln Sie was , Rechner. Die derzeitige Regierung bleibt nicht im Amt, sondern übernimmt die Bewachung des Kanzleramtes und Bundestages, denn das "Regieren" bleibt ihr verwehrt !
    ---------------------

    Da sind Sie wohl derjenige, der 'was verwechselt.

    Die "Bewachung des Kanzleramtes und Bundestages" bleibt Sache des Wachbatallions der Bundeswehr.

    Und die Führung der Amtsgeschäfte IST Regieren.

    +++

    'Vicario' deriliert
    ---------------------
    Gegen einen ROTEN BUNDESRAT kann man nicht regieren, da kann man sich nur mit sich selbst beschäftigen !
    ---------------------

    Auch Unsinn - nichtzustimmungsbedürftige Gesetze kann der Bundestag auch ohne Zustimmung des Bundesrats beschließen.

    +++

    'Vicario' deriliert
    ---------------------
    Und eine Absolute Mehrheit hätte den Schwarzen nichts genützt, und eine Schwarz/Grüne Koalition nützt ihnen nichts :

    denn der BUNDESRAT ENTSCHEIDET MIT ( siehe Versuche der Steuerreformierungen ) !
    ---------------------

    Notfalls könnte man auch eine Steuerreform konstruieren, die nicht in das Steueraufkommen der Länder und Gemeinden eingreift.

    Die wäre dann nicht zustimmungspflichtig und ohne Bundesrat machbar.

    Dann müßte sich allerdings die Wähler in den Ländern überlegen, ob Sie sich ihre teuren rot-grünen Landtagsmehrheiten auf Dauer weiter leisten wollen.

    ...

    Die Liste der Gesetzesgegenstände die zustimmungspflichtig sind können Sie sich hier angucken:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Zustimmungsbedürftiges_Gesetz

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