Blick von außen
Wen das Ausland wählen würde

In Deutschland hofft Rot-Grün, dass die Wähler am Sonntag doch noch zu ihnen umschwenken. Aber was denken Amerikaner, Franzosen und Briten über Merkel, Steinbrück und die Bundestagswahl? Unsere Korrespondenten berichten.
  • 24

Es sind nur noch wenige Tage bis zur Wahl. Ob Angela Merkel Bundeskanzlerin bleibt, ob die Union weiter mit der FDP regiert, ob die SPD noch erstarkt und die Euro-Kritiker in den Bundestag einziehen – diese Fragen beschäftigen nicht nur die Republik. Auch Europa, Nordamerika und Asien schauen auf die Wahl in Deutschland – doch mit welchen Erwartungen?

USA: Der Mittelfinger begeistert die Wall Street

„Was ist denn bei euch los?“ lautet der Betreff einer E-Mail, die mir ein Banker vergangene Woche schickt. Sie enthält den Link zu einem englischen Blogeintrag über den Mittelfinger von Peer Steinbrück. Ich muss lachen. Auf einmal interessiert sich also die Wall Street für den deutschen Wahlkampf. Immerhin scheint der schlimme Finger die Banker wachgerüttelt zu haben. Wenig später kommt eine andere E-Mail. „Stimmt es, dass das in Deutschland knapp werden könnte? Ich dachte, Merkel gewinnt auf jeden Fall.“

Lange Zeit glaubten viele in den USA, dass die langweiligen Deutschen eine ebenso langweile – weil eindeutige – Bundestagswahl haben würden. Angela Merkel, „Frau Europa“, wie sie das US-Magazin „Time“ 2010 nannte, würde ja wohl gewinnen, war die einschlägige Meinung. Details interessierten auf der anderen Seite des Atlantiks nur die Liebhaber.

Peer Steinbrück wurde vor dem Foto mit dem Finger kaum wahrgenommen. Die „New York Times“ hatte ihn Anfang des Jahres wegen seiner Pannenserie mit Obamas Herausforderer Mitt Romney verglichen. Einige Banker erinnerten sich noch an seine Interpretation der Finanzkrise. Nach der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers 2008 hatte er als SPD-Finanzminister versichert, die Krise sei ein rein amerikanisches Problem. Nach der Pleitewelle bei den deutschen Landesbanken löst das in den USA höchstens noch ein abfälliges Achselzucken aus.

Doch der Finger hat Steinbrück ins Zentrum der amerikanischen Aufmerksamkeit gerückt. Von der renommierten „New York Times“ bis zum Klatschblatt „New York Daily News“ haben alle das Foto abgedruckt – einige haben den Finger sogar verfremdet. Es wäre ja sonst zu unhöflich für den amerikanischen Leser. Auch dass die Wahl noch nicht entschieden ist, haben nun die meisten mitbekommen. „Das Angela-Rätsel“ titelt das Time-Magazine diese Woche. Und doch mag so recht niemand daran glauben, dass Deutschland künftig wieder von einem Mann regiert werden könnte.

Kommentare zu " Blick von außen: Wen das Ausland wählen würde"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • langweiliger Artikel mit ewarbaren Platitüden.

    Klar, die Südstaaten wollen eretttet werden. Dazu brauchen Sie schlecht ausgebildetet Poltiker wie Mutti und die Abnickkasper die die einfachsten witschaftlichen Zusammenäne nicht verstehen.

    Henkel nennt sie Euromantiker. Der Euro wird scheitern, weil er die Ursche der Krise ist.

    Gabor Steigart wurde gestern von Henkel auch für seine u Unbelehbarkeit "gelobbt", aber auch dafür, dass er hier schreiben darf. "Tough Love" würde Steigart sagen ;-))

  • Ich habe auch eine E-Mail bekommen und zwar einen Ausschnitt aus einer schweizerischen Zeitung. Und so ist die Außenansicht der Schweizer:
    Kommen eine Ossi-Frau, ein Rollstuhlfahrer, ein Vietnamese und ein Schwuler in eine Kneipe. Sagt die Wirtin: "Ihr seid aber eine lustige Truppe." Entgegnet die Ossi-Frau: "Wir sind keine lustige Truppe - Wir sind die Bundesregierung."

    Noch Fragen?

  • Meine lieben Herrschaften, Ihre Kommentare zu lesen zeigt mir, wie arm unser liebes Deutschland ist ("Krieg bevorzugen","Stinkefinger sind toll"). Falls Sie es alle noch nicht mitbekommen haben, wir stecken mitten in einer Globalisierung, und diese ist unaufhaltsam. Vermutlich wird es in einigen Jahren sogar eine europäische Regierung geben und dann steht es nicht mehr zur Debatte, ob Deutschland aussteigt oder nicht. Gehen Sie wählen, tun Sie es, was Sie wählen ist zum Glück die Freiheit jeden Bürgers.
    Aber einen Krieg oder sonstiges zu bevorzugen ist lächerlich. Denn Krieg hat noch nie was gutes hervorgebracht.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%