Blick von außen

Wen das Ausland wählen würde

In Deutschland hofft Rot-Grün, dass die Wähler am Sonntag doch noch zu ihnen umschwenken. Aber was denken Amerikaner, Franzosen und Briten über Merkel, Steinbrück und die Bundestagswahl? Unsere Korrespondenten berichten.
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Wahlplakate in Hannover: Im Ausland liegt größtenteils Merkel vorne. Quelle: dpa

Wahlplakate in Hannover: Im Ausland liegt größtenteils Merkel vorne.

(Foto: dpa)

Es sind nur noch wenige Tage bis zur Wahl. Ob Angela Merkel Bundeskanzlerin bleibt, ob die Union weiter mit der FDP regiert, ob die SPD noch erstarkt und die Euro-Kritiker in den Bundestag einziehen – diese Fragen beschäftigen nicht nur die Republik. Auch Europa, Nordamerika und Asien schauen auf die Wahl in Deutschland – doch mit welchen Erwartungen?

USA: Der Mittelfinger begeistert die Wall Street

„Was ist denn bei euch los?“ lautet der Betreff einer E-Mail, die mir ein Banker vergangene Woche schickt. Sie enthält den Link zu einem englischen Blogeintrag über den Mittelfinger von Peer Steinbrück. Ich muss lachen. Auf einmal interessiert sich also die Wall Street für den deutschen Wahlkampf. Immerhin scheint der schlimme Finger die Banker wachgerüttelt zu haben. Wenig später kommt eine andere E-Mail. „Stimmt es, dass das in Deutschland knapp werden könnte? Ich dachte, Merkel gewinnt auf jeden Fall.“

Astrid Dörner ist Korrespondentin des Handelsblatts in New York. Quelle: Ricardo Borges

Astrid Dörner ist Korrespondentin des Handelsblatts in New York.

(Foto: Ricardo Borges)

Lange Zeit glaubten viele in den USA, dass die langweiligen Deutschen eine ebenso langweile – weil eindeutige – Bundestagswahl haben würden. Angela Merkel, „Frau Europa“, wie sie das US-Magazin „Time“ 2010 nannte, würde ja wohl gewinnen, war die einschlägige Meinung. Details interessierten auf der anderen Seite des Atlantiks nur die Liebhaber.

Peer Steinbrück wurde vor dem Foto mit dem Finger kaum wahrgenommen. Die „New York Times“ hatte ihn Anfang des Jahres wegen seiner Pannenserie mit Obamas Herausforderer Mitt Romney verglichen. Einige Banker erinnerten sich noch an seine Interpretation der Finanzkrise. Nach der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers 2008 hatte er als SPD-Finanzminister versichert, die Krise sei ein rein amerikanisches Problem. Nach der Pleitewelle bei den deutschen Landesbanken löst das in den USA höchstens noch ein abfälliges Achselzucken aus.

Doch der Finger hat Steinbrück ins Zentrum der amerikanischen Aufmerksamkeit gerückt. Von der renommierten „New York Times“ bis zum Klatschblatt „New York Daily News“ haben alle das Foto abgedruckt – einige haben den Finger sogar verfremdet. Es wäre ja sonst zu unhöflich für den amerikanischen Leser. Auch dass die Wahl noch nicht entschieden ist, haben nun die meisten mitbekommen. „Das Angela-Rätsel“ titelt das Time-Magazine diese Woche. Und doch mag so recht niemand daran glauben, dass Deutschland künftig wieder von einem Mann regiert werden könnte.

England: Für die Briten ist die Wahl bereits gelaufen
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24 Kommentare zu "Blick von außen: Wen das Ausland wählen würde"

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  • langweiliger Artikel mit ewarbaren Platitüden.

    Klar, die Südstaaten wollen eretttet werden. Dazu brauchen Sie schlecht ausgebildetet Poltiker wie Mutti und die Abnickkasper die die einfachsten witschaftlichen Zusammenäne nicht verstehen.

    Henkel nennt sie Euromantiker. Der Euro wird scheitern, weil er die Ursche der Krise ist.

    Gabor Steigart wurde gestern von Henkel auch für seine u Unbelehbarkeit "gelobbt", aber auch dafür, dass er hier schreiben darf. "Tough Love" würde Steigart sagen ;-))

  • Ich habe auch eine E-Mail bekommen und zwar einen Ausschnitt aus einer schweizerischen Zeitung. Und so ist die Außenansicht der Schweizer:
    Kommen eine Ossi-Frau, ein Rollstuhlfahrer, ein Vietnamese und ein Schwuler in eine Kneipe. Sagt die Wirtin: "Ihr seid aber eine lustige Truppe." Entgegnet die Ossi-Frau: "Wir sind keine lustige Truppe - Wir sind die Bundesregierung."

    Noch Fragen?

  • Meine lieben Herrschaften, Ihre Kommentare zu lesen zeigt mir, wie arm unser liebes Deutschland ist ("Krieg bevorzugen","Stinkefinger sind toll"). Falls Sie es alle noch nicht mitbekommen haben, wir stecken mitten in einer Globalisierung, und diese ist unaufhaltsam. Vermutlich wird es in einigen Jahren sogar eine europäische Regierung geben und dann steht es nicht mehr zur Debatte, ob Deutschland aussteigt oder nicht. Gehen Sie wählen, tun Sie es, was Sie wählen ist zum Glück die Freiheit jeden Bürgers.
    Aber einen Krieg oder sonstiges zu bevorzugen ist lächerlich. Denn Krieg hat noch nie was gutes hervorgebracht.

  • Beim Euro ging es also darum, aus Europa eine wirtschaftlich starke, und damit weltweit einflussreiche und unabhängige Macht zu machen - als Gegenpol und Absicherung gegen Nordamerika und China und Rest-Asien. Aber es zeichnet sich ab, dass der Euro zum Vehikel für eine EUSSR wird bzw. geworden ist...

    Dass wir Deutschen, die an den Grundprinzipien des Euro festhalten wollen, jetzt als Nazis mit Allmachtsanspruch in Europa gesehen und diffamiert werden zeigt mir, dass es in Europa im Grunde überhaupt keine klare und einvernehmliche Vereinbarung darüber gibt (trotz der Verträge usw.), was der Euro eigentlich sein soll und wohin Europa in Zukunft gehen soll. Und genau das ist das eigentliche Problem, was den Euro-Raum spaltet! Und wenn sich DAS nicht ändert, dann WEG DAMIT! Raus aus dem Euro! Die Entscheidung naht, weil Frankreich den Euro auf einmal umdeutet, reform-unwillig ist, in tiefe Rezession abgleitet...
    Wenn die Franzosen die Kurve zurück zum Ursprungsgedanken des Euro nicht kriegen, dann war's das endgültig für mich... Und genau das verlange ich in Zukunft von der deutschen Politik. KON-SE-QUENZ!!!

  • @kuac
    Das ist mir ein bisschen zu einfach. Japan (Immoblienblase, Staatsschulden, teurer Yen, nun künstlich biller Yen um Export anzuheizen) und Russland (äußerst abhängig vom Kapitalmarkt, also Geld für Investitionen usw.) sind Sonderfälle. Dafür reicht der Platz hier lange nicht aus.

    Nordamerika und Asien werden und sind die Zentren des weltwirtschaftlichen Wachstums. Die USA kommen jetzt sehr schnell auf die Beine und sind nach wie vor Spitzenreiter in Wachstumsbranchen wie IT (Internet usw.) und Weltmarken (Cola, Holywood, Sport und Lifestyle usw.). Und Nordamerika besitzt einen riesigen und konsumfreudigen Binnenmarkt und ist damit unabhängig von Exporten, Währungseffekten usw.

    Gleiches gilt für China (als Spezialfall für Asien). Export sicherlich basierend auf irrsinnige Investitionen (durch Staat, aber auch Kapitalmärkte und Investitionen von Auslands-Firmen) und billige Arbeitskräfte. Aber China, zeigt sich an den irrsinnigen Absatzzahlen deutscher Autobauer, hat einen irrsinnig großen Binnenmarkt - und eine wachsende, immer reicher werdende, konsumfreudige Mittelschicht...

    Der Ursprungsgedanke des Euro's war, in Europa ebenfalls einen starken Binnenmarkt aufzubauen. Hauptziel also: wirtschaftliche Prosperität. Die Politik hat daraus innerhalb weniger Jahre Schuldenwahn, Staatspleiten, Umverteilungspolitik, Rettungs-Mechanismen, horrende Arbeitslosigkeit, Rezession (jetzt wird Frankreich zum größten Euro-Problemfall, da vor allem in Frankreich die Euro-Ziele konsequent umgedeutet werden: kein Wachstum sondern Umverteilungsprinzipien usw.), Belastungen für den Konsum (der Bürger durch Steuererhöhungen, des Staates durch Sparprogramme) usw.
    Der Euro hat uns also, dank der hohen Kompetenz in Brüssel und der Skrupellosigkeit der Politik, nicht nach vorn gebracht, sondern um Jahrzehnte zurückgeworfen! Deshalb wichtig: Sparprogramme und Rückkehr zu solider Haushaltspolitik! Nur dann hat Euro-Europa eine Chance (und andere treten ein)...

  • Also ich wähle nach Farbe: schwarz wie der Tod, rot wie das Blut, grün wie die Wälder, blau wie das Meer, gelb wie der Neid, aber nur orange ist positiv und verschwestert uns mit den Niederlanden.

    Nebenbei gesagt ist jede RentnerIn, die weniger als €700,- Rente bekommt und mit Hartz gegängelt wird, selbst schuld, wenn sie noch schwarz oder rot wählt!

    Nur orange Brillengläser stimmen froh und optimistisch!

    Und wenn man das orange Manifest liest, wird einem richtig warm ums Herz und man fühlt sich als Bürger ernst genommen!

  • @VerstandIstGluecksache
    Japan kommt nicht auf die Beine, USA nicht und auch nicht Russland. Sie alle haben kein Euro. Alleine wo die Wirtschaft funktioniert ist China. Das hat aber mit der staatlichen Kontrolle und Billiglohn zu tun.

  • Um die Motive der AfD-Wähler zu verstehen, benötigt es schon etwas ökonomischen Sachverstand...

    Zu allermindest sollte man in Ansätzen begriffen haben, wohin die Euro-Phantasien Europa in 12 Jahren geführt haben: skrupellose Verschuldungspolitik, Staatspleiten (verschleppte und latent drohende), Massenarbeitslosigkeit, horrende Schuldenumverteilung entgegen geltender Ursprungsvereinbahrungen mit Gesetzescharakter (also Gesetzesbruch), horrende zukünftige Belastungen für Deutschland (Rentner, Steuerzahler), schleichende Vermögensvernichtung durch Niedrigzinsen (Sparer), offene und unverholene Schmarotzer-Mentalitäten in Südeuropa, Lügen- und Verschleierungspolitik (Brüssel) usw. usw.

    Außerdem verstehen die meisten noch immer nicht, dass im Euro nur 50% der europäischen Länder verbunden sind (wovon die Hälfte ihren Eintritt erschwindelt hat und heute pleite oder ruinös verschuldet ist), die andere Hälfte Europas (England, Schweiz, Schweden, Norwegen, Dänemark, Finnland, Tschechien, der komplette Balkan usw.) NIEMALS IN DEN EURO EINTRETEN wird, weil dieser zu einer Schmarotzer- und Umverteilungswährung verkommen ist! Sie wären ja schön blöd! Zu behaupten, eine Euro-kritische Haltung wäre europafeindlich ist also dümmlich...

    Aber das alles ist den meisten schon zuviel, sie kapieren es schlichtweg nicht. Stimmvieh und Dummfang. Und genau bei denen ziehen auch die Nazi-Diffamierungskampagnen am besten...

  • Dazu paßt folgender aktueller Artikel:

    http://www.handelsblatt.com/politik/international/afghanistan-taliban-erschiessen-leiter-der-wahlkommission-/8808566.html

    Die Taliban spielen einfach nicht mehr mit!

  • Was das Ausland wählen würde ist doch scheißegal. Das Ausland wird nach dem 22.9. merken was Deutschland gewählt hat. Dann wird ein neuer Wind durch Deutschland, Europa und vielen Regionen der Welt wehen. Dann wird unser charismathischer Führer Herr Professor Doktor Bernd Lucke mit absoluter Mehrheit regieren und mit seinem Professorenkabinett Deutschland vor dem Untergang bewahren und in eine glorreiche Zukunft führen. Die europäischen Regierungschefs werden sich wundern, wenn Herr Professor Lucke sie einbestellt und denen die neuen Bedingungen diktiert zu denen Deutschland bereit wäre in der EU zu bleiben. Auch das Lavieren von Obama und Putin wird ein Ende haben. Professor Lucke würde diese selbsternannten Großmannstypen öffentlich bloß stellen. Aber liebe Freunde der AfD, alles hängt natürlich davon ab, wie wir die sich abzeichnenden Wahlfälschungen verhindern oder zumindest eindämmen können. Daher sollte wir in allen Wahllokalen präsent sein und ein waches Auge auf die Abläufe haben.
    Im Interesse einer Deutschen Zukunft in Wohlstand und Ordnung AfD wählen.

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