Bundestagswahl: Die Linken: Die lachenden Dritten

Bundestagswahl
Wie konnte das nur passieren?

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Die Linken: Die lachenden Dritten

Selten war ein so deutlicher Verlust für die Linken so leicht als Sieg zu verkaufen wie nach dieser Bundestagswahl. Linken-Fraktionschef Gregor Gysi, ohnehin selten um markige Worte verlegen, bringt das Ergebnis seiner Partei auf den Punkt: „Wer hätte 1990 gedacht, dass wir mal die drittstärkste Kraft der Bundesrepublik Deutschland werden?“ rief er am Abend im Kesselhaus der Berliner Kulturbrauerei den Parteianhängerin zu. Der Rest ging im Jubel der Genossen unter.

Es ist zweifelsohne ein Sieg. Obwohl die Linken das Rekordergebnis von 2009 (11,9 Prozent) verfehlt und auch das erklärte Ziel von zehn Prozent nicht erreicht haben – am Ende ist es völlig egal, ob es 8,4 oder 8,7 Prozent werden. Es ist egal, dass sie in Bayern nicht im Landtag sitzen und nach einer Legislaturperiode auch in Niedersachsen wieder herausgeflogen sind. Es ist egal, dass der Partei lange die Spaltung drohte. Vergessen ist der Göttinger Parteitag im Mai vergangenen Jahres, bei dem Gysi in seiner berühmt-berüchtigten „Hass“-Rede genau davor warnte.

Ihre Anhänger haben sich von allen kleinen Parteien am wenigsten von Merkels Nicht-Wahlkampf einschläfern lassen. Im Lichte der großen Schwäche der anderen Kleinen erscheint die Linke nach dieser Bundestagswahl so groß wie nie. Auch das ist eine Erkenntnis an diesem Wahlabend.

Bedingungsloses Grundeinkommen, Austritt aus der Nato, Rückzug aus allen Auslandseinsätzen, Verstaatlichung aller deutschen Banken – so lange die Linken solche Thesen vertreten, will keiner mit ihnen. Frühestens 2017 könnte sich das ändern. Aber bitte nur, wenn die Linken sich ändern, wiederholten die potenziellen Koalitionspartner. Dabei hörten sich die Radikalthesen aus dem Mund von Gysi schon im Wahlkampf weichgespült an. Da wurden zum Beispiel aus den generalstabsmäßig verteufelten Auslandseinsätzen, die diskussionslos beendet werden sollen, nur noch Kampfeinsätze. Doch genau das ist die Gefahr für die Linken.

Denn die Frage ist längst (noch) nicht, wie salonfähig die Linken für ein rot-rot-grünes Regierungsbündnis wären, sondern wie salonfähig sie es überhaupt sein wollen. Und, wie klug diese Salonfähigkeit für sie überhaupt wäre. Geben sie ihre Radikalpositionen auf, geben sie auch ihren Status als Protestpartei auf.

Als vermutlich stärkste Oppositionspartei – bei einer Großen Koalition – oder aber zumindest erstmalig als drittstärkte Kraft im Bundestag, mit der keiner will, kann sie ihrem Image als Protestpartei weiter pflegen – ganz die Bürde der Regierungsverantwortung. Die Champagnerkorken dürften im Karl-Liebknecht-Haus besonders heftig hinter verschlossenen Türen knallen. Ein besseres Wahlergebnis ist für die Linken nicht denkbar.

Kommentare zu " Bundestagswahl: Wie konnte das nur passieren?"

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  • Das wurde auch mal Zeit. Danke an den Moderator.

  • http://antilobby.wordpress.com/2013/09/09/bewiesen-wahlfalschung-im-vereintem-deutschland-normal/

    ...sicher, nur eine "Verschwörungstheorie".

  • Komischer Weise sehen die Spitzenpolitiker der anderen Parteien das nicht so. Die AfD hat durchaus Beachtung gefunden.

    Wir werden sehen was aus ihr wird.

    Ich hoffe, dass die AfD eine neue Kraft der politischen Mitte wird, eine Kraft für den Mittelstand, eine Bastion für Freiheit (!) und Recht.

    Woher kommen denn die Merkel stimmen? 50% der Wähler sind laut Anlayse von gestern 60 Jahre als und mehr.

    Das heißt, dass die uninformierten oder desinformierten Alten die gute Frau Merkel gewählt haben, weil sie dieser Dame blind vertrauen.

    Spätestens wenn die ohnehin oft mageren Renten für "das europäische Projekt" zusammengestrichen werden, werden diese Menschen begreifen, dass das Vertrauen nicht gerechtfertigt gewesen ist.

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