Bundestagswahl Wie konnte das nur passieren?

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Die Linken: Die lachenden Dritten
Die Vorsitzenden der Partei Die Linke, Bernd Riexinger und Katja Kipping, und der Vorsitzende der Linke-Bundestagsfraktion Gregor Gysi (von lins nach rechts) feiern ihr Wahlergebnis. Quelle: dpa

Die Vorsitzenden der Partei Die Linke, Bernd Riexinger und Katja Kipping, und der Vorsitzende der Linke-Bundestagsfraktion Gregor Gysi (von lins nach rechts) feiern ihr Wahlergebnis.

(Foto: dpa)

Selten war ein so deutlicher Verlust für die Linken so leicht als Sieg zu verkaufen wie nach dieser Bundestagswahl. Linken-Fraktionschef Gregor Gysi, ohnehin selten um markige Worte verlegen, bringt das Ergebnis seiner Partei auf den Punkt: „Wer hätte 1990 gedacht, dass wir mal die drittstärkste Kraft der Bundesrepublik Deutschland werden?“ rief er am Abend im Kesselhaus der Berliner Kulturbrauerei den Parteianhängerin zu. Der Rest ging im Jubel der Genossen unter.

Es ist zweifelsohne ein Sieg. Obwohl die Linken das Rekordergebnis von 2009 (11,9 Prozent) verfehlt und auch das erklärte Ziel von zehn Prozent nicht erreicht haben – am Ende ist es völlig egal, ob es 8,4 oder 8,7 Prozent werden. Es ist egal, dass sie in Bayern nicht im Landtag sitzen und nach einer Legislaturperiode auch in Niedersachsen wieder herausgeflogen sind. Es ist egal, dass der Partei lange die Spaltung drohte. Vergessen ist der Göttinger Parteitag im Mai vergangenen Jahres, bei dem Gysi in seiner berühmt-berüchtigten „Hass“-Rede genau davor warnte.

Handelsblatt-Autorin Désirée Linde

Handelsblatt-Autorin Désirée Linde

Ihre Anhänger haben sich von allen kleinen Parteien am wenigsten von Merkels Nicht-Wahlkampf einschläfern lassen. Im Lichte der großen Schwäche der anderen Kleinen erscheint die Linke nach dieser Bundestagswahl so groß wie nie. Auch das ist eine Erkenntnis an diesem Wahlabend.

Bedingungsloses Grundeinkommen, Austritt aus der Nato, Rückzug aus allen Auslandseinsätzen, Verstaatlichung aller deutschen Banken – so lange die Linken solche Thesen vertreten, will keiner mit ihnen. Frühestens 2017 könnte sich das ändern. Aber bitte nur, wenn die Linken sich ändern, wiederholten die potenziellen Koalitionspartner. Dabei hörten sich die Radikalthesen aus dem Mund von Gysi schon im Wahlkampf weichgespült an. Da wurden zum Beispiel aus den generalstabsmäßig verteufelten Auslandseinsätzen, die diskussionslos beendet werden sollen, nur noch Kampfeinsätze. Doch genau das ist die Gefahr für die Linken.

Denn die Frage ist längst (noch) nicht, wie salonfähig die Linken für ein rot-rot-grünes Regierungsbündnis wären, sondern wie salonfähig sie es überhaupt sein wollen. Und, wie klug diese Salonfähigkeit für sie überhaupt wäre. Geben sie ihre Radikalpositionen auf, geben sie auch ihren Status als Protestpartei auf.

Als vermutlich stärkste Oppositionspartei – bei einer Großen Koalition – oder aber zumindest erstmalig als drittstärkte Kraft im Bundestag, mit der keiner will, kann sie ihrem Image als Protestpartei weiter pflegen – ganz die Bürde der Regierungsverantwortung. Die Champagnerkorken dürften im Karl-Liebknecht-Haus besonders heftig hinter verschlossenen Türen knallen. Ein besseres Wahlergebnis ist für die Linken nicht denkbar.

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AfD: Ade AfD
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41 Kommentare zu "Bundestagswahl: Wie konnte das nur passieren?"

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  • Das wurde auch mal Zeit. Danke an den Moderator.

  • http://antilobby.wordpress.com/2013/09/09/bewiesen-wahlfalschung-im-vereintem-deutschland-normal/

    ...sicher, nur eine "Verschwörungstheorie".

  • Komischer Weise sehen die Spitzenpolitiker der anderen Parteien das nicht so. Die AfD hat durchaus Beachtung gefunden.

    Wir werden sehen was aus ihr wird.

    Ich hoffe, dass die AfD eine neue Kraft der politischen Mitte wird, eine Kraft für den Mittelstand, eine Bastion für Freiheit (!) und Recht.

    Woher kommen denn die Merkel stimmen? 50% der Wähler sind laut Anlayse von gestern 60 Jahre als und mehr.

    Das heißt, dass die uninformierten oder desinformierten Alten die gute Frau Merkel gewählt haben, weil sie dieser Dame blind vertrauen.

    Spätestens wenn die ohnehin oft mageren Renten für "das europäische Projekt" zusammengestrichen werden, werden diese Menschen begreifen, dass das Vertrauen nicht gerechtfertigt gewesen ist.

  • Ja - nur unter falschen Versprechungen.

    Die Politik belügt das Volk.

  • Sarkasmus?

    Weshalb denn? Weil Ihr so schön spart? Die Schulden steigen aber dennoch. Oder weil weiter Geld fließt? Davon bleibt aber leider gar nichts bei Euch hängen, das geht postwendend wieder zurück an die Banken.

    Ihr seid ein Protektorat geworden.

  • "In den Euro-Krisenländern Griechenland, Spanien und Portugal geht es aufwärts"

    Was denn? Das Leid der Bevölkerung?

  • Habe bei der öffentlichen Auszählung in meinem Wahlbezirk (als einziger) zugeschaut und glaube auch, dass alles korrekt ablief.
    Ob die Briefwahlstimmen korrekt ausgezählt wurden, entzieht sich natürlich der Kontrolle.

    Ich finde es auch schade, dass noch weniger €-kritische Stimmen im Parlament vertreten sind. Aber vielleicht lässt sich die ausserparlamentarische Opposition der €-Kritiker auch als Chance begreifen.

  • Wenn der Schreiber dieses Artikels meint, die Euro-Krise würde sich in 2014 erledigen, dann hat er sich geschnitten. Der Euro wird auch in 2014 DAS Thema schlechthin sein. Das ganze Eurokonstrukt ist derart fragil, die komplette Finanzierung auf äußerst wackeligen Beinen, sodaß das kleinste negative Ereignis das Ganze zum Einsturz bringen kann. Man will es nicht hoffen, aber möglich ist es allemal. Wer es natürlich schon als positives Ergebnis des Euroraumes wertet, daß die Wirtschaften Griechenlands, Italiens und Frankreichs weniger stark schrumpfen als in den vergangenen Jahren, für den ist alles in bester Butter. Es ändert aber nichts an der Tatsache, DASS sie immer noch schrumpfen. Klar ist auch: Genauso wie sich der Wert eines Altwagens gegen Ende nicht mehr stark verändert, genauso verlangsamt sich der Schrumpfungswert der genannte Volkswirtschaften.

  • Ich versteh die Deutschen nicht.
    Born stupid.
    Sie protestieren und demonstrieren monatelang und jahrelang wegen einem Bahnhof.
    Sie regen sich auf und ziehen vor Gericht, wenn der Nachbar eine Zaunlatte beschädigt.
    Wenn ihnen aber am helllichten Tage von Merkel, Schäuble und Co. mit List, Tücke und gezielter Täuschung ungeheuerliche Vermögenswerte aus der Tasche gezogen und (alternativlos) verpfändet und verschleudert werden, erhöht sich ihr Pulsschlag nicht im Geringsten.
    Im Gegenteil sie wählen auch noch Ihren eigenen Untergang.
    Das erinnert mich irgendwie an 1934, damals bekam Hitler in einer „Volksabstimmung über das Staatsoberhaupt“ knapp 90% Ja-Stimmen.
    Wohin dieser Kanzler-Kult geführt hat, wissen wir alle.

  • Gisi - Sie haben die Situation richtig erfasst. Auch ich würde mir wünschen, dass die Mehrwertsteuer auf sämtliche Güter gleich hoch ist - warum nicht 25%.

    Ist ihnen bewusst, dass in der Gastronomie auf Speisen und Getränke der volle Mwst.-Satz lastet ? M.a.W.: Sie essen und trinken für 10 € und bekommen Waren / Dienstleistungen für 8,40€.

    Ist ihnen bewusst, dass die Belastung von Dienstleistungen (dazu gehört auch das Übernachtungsgewerbe, das Handwerk, die Gastronomie, die Reinigungsdienstleistungen) dazu führt, dass diese für Private nur dann bezahlbar bleiben, wenn die Löhne gedrückt bleiben oder der Privatkunde über volle Taschen verfügt ?

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