Bundestagswahl
Gysi glaubt an Rolle des Königsmachers

Einen Regierungswechsel wird es nach Ansicht von Linkspartei-Fraktionschef Gregor Gysi nur mit Hilfe seiner Partei geben. Dabei will SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück von den Linken nichts wissen.
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BerlinWenige Wochen vor der Bundestagswahl ist die Debatte über ein rot-rot-grünes Bündnis wieder entbrannt. "An uns scheitern die Gespräche nicht", sagte der Fraktionsvorsitzende der Linkspartei, Gregor Gysi, am Sonntag im Deutschlandfunk. "Die SPD muss sich darüber klarwerden: Ohne uns wird sie keinen Kanzler stellen", sagte er zudem der "Bild am Sonntag". Dagegen schloss die Grünen-Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt ein Bündnis mit der Linkspartei aus. "Auch wenn sich einige Vertreter der Linken uns immer wieder anbiedern, die Linke hat einfach kein regierungsfähiges Programm", sagte sie dem "Tagesspiegel" (Sonntagausgabe). Sie nannte als Beispiel die Sozial- und Außenpolitik.

Auch SPD-Spitzenkandidat Peer Steinbrück hatte die Linkspartei als nicht regierungsfähig bezeichnet. Nach Ansicht von Gysi hat Steinbrück aber "so gut wie keine Chance", Bundeskanzlerin Angela Merkel abzulösen. "Er wirkt arrogant und verkehrt für einen Sozialdemokraten in falschen Kreisen", sagte Gysi der "Bild am Sonntag".

Koalitionspolitiker warnten dagegen erneut davor, dass SPD, Grüne und Linkspartei nach der Wahl doch ein Bündnis eingehen oder eine rot-grüne Minderheitsregierung unter Duldung der Linkspartei formen würden. "Wenn es nach Sigmar Gabriel und Hannelore Kraft geht - und das werden die tonangebenden Kräfte in der SPD sein - dann machen sie auch Rot-Rot-Grün", sagte CSU-Chef Horst Seehofer dem "Focus". Auch FDP-Spitzenkandidat Rainer Brüderle warnte erneut vor einem Linksbündnis.

Hintergrund der Debatte sind Umfragen, nach denen Union und FDP keine eigene Mehrheit haben. Steinbrück beurteilte zudem im ZDF-Sommerinterview die Aussicht auf eine große Koalition als gering. "Das halte ich für sehr unwahrscheinlich, weil die SPD nicht nochmal der Steigbügelhalter sein will einer großen Koalition mit Frau Merkel", sagte er laut einer vorab auf der ZDF-Homepage veröffentlichten Interview-Passage.

Seehofer warnte unterdessen nach einem "Spiegel"-Bericht, dass es bei der Bundestagswahl eine ungewollte Leihstimmenkampagne für die FDP geben könne. Falls die Liberalen bei der am 15. September stattfindenden bayerischen Landtagswahl nicht ins Parlament kämen, stehe der Union "eine unberechenbare Woche" bevor, soll der bayerische Ministerpräsident nach dem Bericht im CSU-Parteivorstand gewarnt haben. Möglicherweise würden dann etliche Unionsanhänger die FDP wählen, um deren Einzug in den Bundestag bei Wahl am 22. September zu sichern.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Bundestagswahl: Gysi glaubt an Rolle des Königsmachers"

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  • GüntherSchmutat
    Genau so ist es.
    Die schlimmsten Kommunisten sind doch ohnehin die Grünen

  • Wenn die AfD immer stärker wird, kann sie noch alles über den Haufen werfen. Warten wir es mal ab! Im wahl-0-meter ist sie bereits bei 10,6 % angekommen. Die Union ist massiv rückläufig. Es kann Überraschungen geben, denn die schweren Affären belasten die Merkelregierung: Trend abwärts!

  • Zitat Freidenker:
    PARTEIEN GEHÖREN ABGESCHAFFT

    Wahlen sind sinnlos und nutzlos.....

    _______________________

    Genau das dachten Stalin, Hitler, Pol Pot etc. auch. So ein Satz macht deutlich, wofür Sie wirklich stehen.

    Sie gehören zu der Art Blender, die Kritik üben, aber wenn sie dann selbst etwas auf die Füsse stellen, dann wird es totalitär.

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