Bundestagswahl

Vom Kampf gegen die Teflon-Kanzlerin

Nein, die SPD gibt nicht auf. Der Schlussspurt vor der erfolgreichen Niedersachsen-Wahl ist ihr großes Vorbild. In der Kampa wird der Gegner unter Beschuss genommen. Ein Besuch im Maschinenraum des SPD-Wahlkampfes.
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SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles in der Wahlkampfzentrale „Kampa 2013“ im Willy-Brandt-Haus in Berlin. Der „War Room“ der Kampa ist der Maschinenraum des SPD-Wahlkampfes. Quelle: dpa

SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles in der Wahlkampfzentrale „Kampa 2013“ im Willy-Brandt-Haus in Berlin. Der „War Room“ der Kampa ist der Maschinenraum des SPD-Wahlkampfes.

(Foto: dpa)

BerlinAndrea Nahles dreht sich vor Raum 3.16 noch einmal kurz um, schaut einen spannungsfroh an und sagt: „Hier geht's los.“ „Kampa“ hat ja bei der SPD seit 1998 einen fast magischen Klang. Auch wenn einige Spitzengenossen meinen, man hätte damals gegen Helmut Kohl auch gewonnen, wenn die Wahlkampfzentrale (kurz: Kampa) keine Telefonanschlüsse gehabt hätte. Nahles öffnet die Tür. Drinnen erblickt man als erstes einen großen gelben Föhn.

„Merkels heiße Luft“, steht da drauf - er wurde jüngst vor das Kanzleramt geschleppt, um die Maßnahmen der Kanzlerin gegen die enorm hohe Jugendarbeitslosigkeit in Spanien und Griechenland aufzuspießen. „Aufspießen“, ist gerade ein Lieblingswort von Andrea Nahles. Die Generalsekretärin und oberste Wahlkampfmanagerin hat vor ein paar Tagen selbst am eigens aufgebauten Herd vor dem Kanzleramt gestanden - aus Protest gegen den Start des Betreuungsgeldes für Eltern, die ihr Kind nicht in die Kita schicken. Im SPD-Jargon firmiert die Leistung nur als „Herdprämie“. Dass Angela Merkel gar nicht da war, sondern im Urlaub in Südtirol, scheint egal zu sein. „Wir wollen Merkels Agieren aufspießen“, lässt Nahles wissen.

1998 war die Kampa aus dem Willy-Brandt-Haus ausgelagert worden, doch Nahles will sie anno 2013 lieber im Haus haben. „Das vermeidet Reibungsverluste“, sagt sie. Die Kampa ist die Kreativwerkstatt, dumm nur, dass Merkel bisher wie Teflon-beschichtet alles an sich abperlen lässt. Sie setzt auf das Prinzip „Luft“ - den Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück ignoriert sie einfach. Sie zu packen, sie zum Duell auf die Straße zu zerren, das ist auch Aufgabe der 80 Kampa-Leute. Daran dürfte auch Nahles nach dem 22. September gemessen werden.

Der SPD-Wähler ist ein schwieriges Wesen. Ohne Polarisierung und die Überzeugung, dass die Partei eine klare, bessere Alternative zu bieten hat, ist er schwer zu mobilisieren. Steinbrück hat daher schon hundertfach betont, Merkel klebe nur Etiketten auf leere Flaschen. Stichwort Lohnuntergrenze statt flächendeckender Mindestlohn oder Lebensleistungsrente statt 850 Euro Solidarrente. Er muss verhindern, dass Merkels Schwammigkeit das eigene Lager demobilisiert - denn bei geringer Wahlbeteiligung schneidet die SPD in aller Regel schwach ab.

Für Nahles ist es die bisher wohl schwierigste Mission ihrer politischen Karriere. Die 44-Jährige ist schon oft um 7 Uhr im Willy-Brandt-Haus, manchmal knipst sie erst um 24 Uhr das Licht aus. Doch sie ist gut drauf. Von Resignation in einem bisher suboptimalen Wahlkampf keine Spur. Das einzige was ihr gerade fehlt, ist mehr Zeit für die Familie daheim in der Eifel, ihre Tochter Ella bekommt die Mutter gerade nicht so oft zu Gesicht.

In Raum 3.16, der sogenannten Galerie I, sind rechts neben dem Föhn ein paar graue Schreibtische zu einem Viereck zusammengestellt worden, hier findet immer um 8.45 Uhr die Morgenlage mit 20 Leuten statt. An der Wand hängt eine mehrere Meter lange weiße Tafel, sie ist eine Art Zeitleiste. Dort ist unter anderem aufgeführt, wo an welchem Tag die rote Dialog-Box ist - drei Meter lang, vier Meter hoch -, in der Bürger mit SPD-Kandidaten vor Ort diskutieren können.

SPD-Deutschlandfest am Brandenburger Tor
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17 Kommentare zu "Bundestagswahl: Vom Kampf gegen die Teflon-Kanzlerin"

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  • Schröder und Clement haben den Niedergang der SPD zu verantworten und Steinbrück ist ein Ziehsohn Schröders. Nur zu willig hat Steinbrück gegen die Interessen der Arbeitnehmer agiert, als er noch Regierungsverantwortung trug. Und wenn man das Leben dieser Herrschaften nach ihrer politischen Karriere betrachtet, muss man erkennen, wir haben es durchweg mit Egomanen zu tun. Deshalb hat die SPD nun schon seit Jahren ein Glaubwürdigkeitsproblem, das Nahles als -in meinen Augen- politisches Leichtgewicht vor der Wahl ganz bestimmt nicht ausräumen kann.

  • Frank3 IN SELBSTZENSUR WEGEN FASCHISTEN = WIRTSCHAFTSDIENFASCHISTEN DIE VATERLAND VERNICHTEN . . . NENNEN und Kaiser WOLLTE und ZIONS HABEN sie . . . IN SELBSTZENSUR ZENSIERT , DA WAHRHEITEN NICHT GEWOLLT SIND .

    Frank Frädrich

    http://www.youtube.com/watch?v=pnmGTENBrzM&feature=fvwp&NR=1
    Niemann - Wir sind das Volk

  • Eddie:
    Endlich hat der Redakteur ein Einsehen und löscht Ihren Mist! Gut. so.

  • Ich arbeite bei EMNID. Intern sehen die Umfragen ganz anders aus, als in der Staatspresse veranschaulicht wird. Es wird ein böses Erwachen geben!

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Wie das Institut Infratest dimap im Auftrag der Zeitung „Welt am Sonntag“ ermittelte, können sich 24 Prozent der Deutschen vorstellen, bei der Bundestagswahl die neue Partei zu wählen: Auf eine entsprechende Frage antworteten 7 Prozent mit „Ja, sicher“ und 17 Prozent mit „Ja, vielleicht“.

  • Experten sprechen schon von zweistellig!

    Wer sind diese EXPERTEN?????
    Auf welchen Gebieten sind sie EXP.....?????

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Eddie:
    Die AfD können Sie doch übersehen, wenn sie nur 1 % bekommt, oder? Warum machen Sie sich die Mühe des vielen Unsinnschreibens? Oder wissen Sie mehr über die wirkliche Akzeptanz der AfD? Experten sprechen schon von zweistellig! Aber bitte, helfen Sie uns, schreiben Sie weiter viel über die AfD. Es erhöht die Marken-Bekanntheit. Eddie: Und warum prangern Sie nicht die Rechtsbrüche, Affären, Raubzüge an den privaten Sparrücklagen, privaten Rentenvorsorgen und Lebensversicherungen durch die Blockparteien an? Sind Sie doch ein bezahlter Schreiberling? Wie kann man sich so in einer Demokratie verhalten, die auch neuen Parteien geöffnet bleiben muss, vor allen Dingen wenn das Programm kurz, verständlich und bürgernah ist? Und wie kann man auf so einem niedrigen Niveau schreiben? Haben Sie sich mal selbst hinterfragt? Ich wünsche jedenfalls der AfD noch mehr Erfolg als sich bereits ankündigt. Deutschland braucht wieder Gegengewicht zum Murks der Altparteien.

  • Kein Grund aggressiv zu werden mein lieber Eddie.
    Die AfD steht bei 10,7 % und wächst im Gegensatz zur CDU.
    Auch ein Mitgliederschwund ist kein Thema bei der AfD, bei der CDU berechtigterweise schon.
    Mehr Facebook-Likes hat die AfD schon lange.
    Die CDU profitiert nur von ihren Gewohnheitswählern, welche das Parteiprogramm sowieso nicht interessiert, sondern nur, dass sie sich an den Parteitagen mit Bier vollaufen lassen können.
    Bei der CDU-Zeitung bild.de kommt die AfD in der aktuellen Umfrage übrigens schon auf 19%.

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