Bundestagswahl

Wie konnte das nur passieren?

Angela Merkel bleibt auch im Moment ihres größten Triumphs auf dem Teppich. Hut ab! – auch vor der AfD. Grüne und SPD geschlagen, die FDP ganz am Boden – jetzt muss Christian Lindner ran. Die Parteien in der Analyse.
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Zum Wohl: Angela Merkel trinkt auf der Wahlparty ein Glas Wein. Quelle: dpa

Zum Wohl: Angela Merkel trinkt auf der Wahlparty ein Glas Wein.

(Foto: dpa)

Berlin/DüsseldorfKanzlerin Angela Merkel hat einen großen Sieg eingefahren – und hat doch die Sensation verpasst: die absolute Mehrheit für die Union, die am Sonntagabend für einige Stunden möglich schien. So geht Merkel mit Glücksgefühlen, aber nicht als neue Alleinherrscherin in die Nacht.

Nach dem beispiellosen Absturz des bisherigen Partners der Union – der FDP – unter die Fünf-Prozent-Hürde, müssen CDU und CSU ein neues Bündnis eingehen. Merkel hat die Karten in der Hand – und wird wohl zuerst mit der SPD das Gespräch suchen. Die Kanzlerin versicherte noch am Wahlabend, „dass man sich um eine stabile Mehrheit bemüht“. Sie werde „keine Vabanquespiele eingehen“. Erleichtert wird sie daher auch zur Kenntnis nehmen, dass sie sich auch die nächsten vier Jahre im Parlament nicht mit den Euro-Kritikern von der Alternative für Deutschland wird herumschlagen müssen.

Auch die Grünen kämen als Koalitionspartner für die Union infrage. Doch Merkel wiegelt ab, verschiebt jegliche Annäherungsversuche auf die kommenden Tage. Auch die anderen Parteien halten sich bedeckt – bei Koalitionsgesprächen wie personellen Konsequenzen. Bei den Wahlverlieren von der FDP dürfte kaum ein Stein auf dem anderen bleiben, die Spitzenleute Rainer Brüderle und Philipp Rösler deuteten zumindest an, Verantwortung für die krachende Niederlage übernehmen zu wollen.

Ein Problem hat Merkel trotz des überragenden Wahlergebnisses: Egal, welches Bündnis sie schmiedet, ihr droht ein rot-rot-grüner Gegenpol. „Die Linkspartei ist für uns nicht koalitionsfähig“, sagt SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück zwar. Der SPD-Politiker schränkt aber ein: „Ich weiß nicht, was 2017, 2018, 2020 ist. Insofern gibt es von mir keine ultimativen Festlegungen über einen Zeitraum von einer Dekade.“ Das klingt so, als sollten Erpressungsversuche zumindest schon einmal angedeutet werden.

Welche Folgen der Ausgang der Bundestagswahl noch hat? Handelsblatt Online analysiert Zustand und Zukunft der großen Parteien.

Die Union: Merkel ist in ihrer Macht am Zenit
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41 Kommentare zu "Bundestagswahl: Wie konnte das nur passieren?"

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  • Das wurde auch mal Zeit. Danke an den Moderator.

  • http://antilobby.wordpress.com/2013/09/09/bewiesen-wahlfalschung-im-vereintem-deutschland-normal/

    ...sicher, nur eine "Verschwörungstheorie".

  • Komischer Weise sehen die Spitzenpolitiker der anderen Parteien das nicht so. Die AfD hat durchaus Beachtung gefunden.

    Wir werden sehen was aus ihr wird.

    Ich hoffe, dass die AfD eine neue Kraft der politischen Mitte wird, eine Kraft für den Mittelstand, eine Bastion für Freiheit (!) und Recht.

    Woher kommen denn die Merkel stimmen? 50% der Wähler sind laut Anlayse von gestern 60 Jahre als und mehr.

    Das heißt, dass die uninformierten oder desinformierten Alten die gute Frau Merkel gewählt haben, weil sie dieser Dame blind vertrauen.

    Spätestens wenn die ohnehin oft mageren Renten für "das europäische Projekt" zusammengestrichen werden, werden diese Menschen begreifen, dass das Vertrauen nicht gerechtfertigt gewesen ist.

  • Ja - nur unter falschen Versprechungen.

    Die Politik belügt das Volk.

  • Sarkasmus?

    Weshalb denn? Weil Ihr so schön spart? Die Schulden steigen aber dennoch. Oder weil weiter Geld fließt? Davon bleibt aber leider gar nichts bei Euch hängen, das geht postwendend wieder zurück an die Banken.

    Ihr seid ein Protektorat geworden.

  • "In den Euro-Krisenländern Griechenland, Spanien und Portugal geht es aufwärts"

    Was denn? Das Leid der Bevölkerung?

  • Habe bei der öffentlichen Auszählung in meinem Wahlbezirk (als einziger) zugeschaut und glaube auch, dass alles korrekt ablief.
    Ob die Briefwahlstimmen korrekt ausgezählt wurden, entzieht sich natürlich der Kontrolle.

    Ich finde es auch schade, dass noch weniger €-kritische Stimmen im Parlament vertreten sind. Aber vielleicht lässt sich die ausserparlamentarische Opposition der €-Kritiker auch als Chance begreifen.

  • Wenn der Schreiber dieses Artikels meint, die Euro-Krise würde sich in 2014 erledigen, dann hat er sich geschnitten. Der Euro wird auch in 2014 DAS Thema schlechthin sein. Das ganze Eurokonstrukt ist derart fragil, die komplette Finanzierung auf äußerst wackeligen Beinen, sodaß das kleinste negative Ereignis das Ganze zum Einsturz bringen kann. Man will es nicht hoffen, aber möglich ist es allemal. Wer es natürlich schon als positives Ergebnis des Euroraumes wertet, daß die Wirtschaften Griechenlands, Italiens und Frankreichs weniger stark schrumpfen als in den vergangenen Jahren, für den ist alles in bester Butter. Es ändert aber nichts an der Tatsache, DASS sie immer noch schrumpfen. Klar ist auch: Genauso wie sich der Wert eines Altwagens gegen Ende nicht mehr stark verändert, genauso verlangsamt sich der Schrumpfungswert der genannte Volkswirtschaften.

  • Ich versteh die Deutschen nicht.
    Born stupid.
    Sie protestieren und demonstrieren monatelang und jahrelang wegen einem Bahnhof.
    Sie regen sich auf und ziehen vor Gericht, wenn der Nachbar eine Zaunlatte beschädigt.
    Wenn ihnen aber am helllichten Tage von Merkel, Schäuble und Co. mit List, Tücke und gezielter Täuschung ungeheuerliche Vermögenswerte aus der Tasche gezogen und (alternativlos) verpfändet und verschleudert werden, erhöht sich ihr Pulsschlag nicht im Geringsten.
    Im Gegenteil sie wählen auch noch Ihren eigenen Untergang.
    Das erinnert mich irgendwie an 1934, damals bekam Hitler in einer „Volksabstimmung über das Staatsoberhaupt“ knapp 90% Ja-Stimmen.
    Wohin dieser Kanzler-Kult geführt hat, wissen wir alle.

  • Gisi - Sie haben die Situation richtig erfasst. Auch ich würde mir wünschen, dass die Mehrwertsteuer auf sämtliche Güter gleich hoch ist - warum nicht 25%.

    Ist ihnen bewusst, dass in der Gastronomie auf Speisen und Getränke der volle Mwst.-Satz lastet ? M.a.W.: Sie essen und trinken für 10 € und bekommen Waren / Dienstleistungen für 8,40€.

    Ist ihnen bewusst, dass die Belastung von Dienstleistungen (dazu gehört auch das Übernachtungsgewerbe, das Handwerk, die Gastronomie, die Reinigungsdienstleistungen) dazu führt, dass diese für Private nur dann bezahlbar bleiben, wenn die Löhne gedrückt bleiben oder der Privatkunde über volle Taschen verfügt ?

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