Der Wahltag im Liveblog
„Wir haben's toll gemacht“

Die Hochrechnungen werden stabiler: Die Union fährt einen hohen Sieg ein, die absolute Mehrheit ist in Sichtweite. Die Liberalen fliegen aus dem Bundestag, damit ist Schwarz-Gelb Geschichte. Der Wahlabend zum Nachlesen.
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Berlin/DüsseldorfDeutschland hat abgestimmt: In unserem Liveblog haben wir über den Wahltag berichtet. Hier die aktuellen Ergebnisse, Trends und Entwicklungen.

+++ Die aktuelle Hochrechnung +++

  • Die schwarz-gelbe Koalition ist abgewählt: Die FDP verpasst erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik den Einzug in den Bundestag. Es ist ein Debakel für die Liberalen. Personelle Konsequenzen wurden bereits angedeutet.
  • Die Union ist der große Wahlsieger: Deutlich über 40 Prozent erreichen CDU und CSU. Gesucht wird ein Koalitionspartner für Kanzlerin Angela Merkel – sofern es nicht doch noch für eine absolute Mehrheit reicht.
  • Verluste müssen Grüne und Linke hinnehmen – wobei Letztere noch mehr Prozent holen. Damit wird Gregor Gysi wohl der neue Oppositionsführer im deutschen Bundestag
  • Die Euro-Kritiker von der AfD haben die Parteienlandschaft aufgerüttelt, scheitern aber dennoch an der Fünf-Prozent-Hürde. Schon schielen sie auf die nächste große Abstimmung: die Europa-Wahl 2014.

+++ Die Ergebnisse in den Wahlkreisen +++


+++ Bei Twitter wird die #btw13 wild diskutiert +++

Der Absturz der FDP bei der Bundestagswahl hat zahlreiche User beim Kurznachrichtendienst Twitter beschäftigt. Nach Veröffentlichung der ersten Hochrechnungen schossen die Zahlen der Tweets mit FDP-Bezug in die Höhe. Die meisten Nutzer äußerten Spott und Hohn über das Abschneiden der Liberalen. „Hoteliers machen keine fünf Prozent aus“ und „Bye bye Philipp“ war unter anderem zu lesen. Übel stößt vielen Nutzern offensichtlich die mögliche Aussicht auf eine Alleinregierung der Union auf. Unter dem Hashtag #auswandern wurden blitzschnell zahlreiche Tweets zusammengefasst, die sich kritisch mit dem guten Abschneiden von CDU und CSU beschäftigen. Zahlreichen Usern war auch die Kette von Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihrem Auftritt in der CDU-Zentrale aufgefallen - diese war schwarz-grün. Viele Unterstützer eines solchen Bündnisses lassen sich aber auch bei Twitter nicht finden. Hier die aktuellen Tweets:

+++ 21:00 Uhr: Von Tränen der Freude und Trauer +++

Unsere Reporter haben die Wahlpartys von CDU, FDP und AfD besucht. Hier ihre Eindrücke:

+++ 20:55 Uhr: Steinbrück verliert Wahlkreis, Ströbele siegt +++

Der SPD-Kanzlerkandidat hat kein Direktmandat für den Bundestag gewonnen. Im Wahlkreis Mettmann unterlag er wie vor vier Jahren der CDU-Kandidatin Michaela Noll. Steinbrück erhielt 33,3 Prozent der Erststimmen, für Noll stimmten 50,6 Prozent der Wähler. Als Nummer eins auf der nordrhein-westfälischen Landesliste der SPD hat Steinbrück ein Bundestagsmandat aber sicher. Dagegen hat der 74-jährige Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele zum vierten Mal in Folge das Direktmandat im Berliner Wahlkreis Friedrichshain-Kreuzberg geholt. Ströbele büßte nach den Zahlen der Landeswahlleiterin am Sonntag aber Stimmen ein. Der Grüne erhielt 36,7 Prozent der Erststimmen – zehn Prozentpunkte weniger als vor vier Jahren. Ströbele behält in seinem Wahlkreis aber großen Abstand zu den Kandidaten von Linkspartei, SPD und CDU.

+++ 20:45 Uhr: Van Rompuy freut sich auf Zusammenarbeit +++

EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu ihrem Erfolg gratuliert. „Ich bin sicher, dass die Bundesrepublik Deutschland und ihre neue Regierung weiterhin engagiert zum Aufbau eines friedlichen und wirtschaftlich erfolgreichen Europas beitragen werden, das allen Bürgern dient“, sagt Van Rompuy. „Ich gratuliere Angela Merkel zum heutigen Wahlergebnis. Ich freue mich darauf, meine enge Zusammenarbeit mit Angela Merkel weiterzuführen.“

+++ 20:22 Uhr: Glückwünsche aus Paris +++

Der französische Präsident Francois Hollande hat Bundeskanzlerin Angela Merkel bereits zu ihrem Wahlsieg gratuliert. Gleichzeitig habe er sie zu Gesprächen nach Paris eingeladen, sobald sie die Regierungsbildung abgeschlossen habe, erklärte das Präsidialamt in Paris. Hollande und Merkel hätten telefonisch vereinbart, ihre enge Kooperation fortzusetzen, um die neuen Herausforderungen beim Aufbau Europas anzunehmen.

+++ 20:15 Uhr: Berliner Runde ohne die FDP +++

Die Liberalen werden dem neuen Bundestag nicht angehören. Die Hochrechnungen schreiben ihnen höchstens 4,5 Prozent zu. Erste Quittung: Bei der Berliner Runde der ARD mit den Spitzenkandidaten ist die FDP nicht dabei. Die Enttäuschung in Bildern:

+++ 20:08 Uhr: Juli-Chef fordert Neuanfang +++

„Es bringt einfach nichts, ganz den Bettvorleger zu machen. Schon der komplette Koalitionsvertrag war ein Problem“, sagt der Vorsitzende der Jungen Liberalen, Lasse Becker, zu Handelsblatt Online. „Jetzt müssen wir uns zuerst inhaltlich und strategisch neu aufstellen, und dann sprechen wir über Köpfe. Unsere Wiederauferstehung gelingt nicht, wenn wir die gleichen Fehler noch einmal machen.“

Kommentare zu " Der Wahltag im Liveblog: „Wir haben's toll gemacht“"

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  • Buerge-r - "Niemand außer Deutschland möchte (auf der Flucht vor sich selbst?) in Groß-Europa aufgehen. Alle anderen bekennen sich explizit im meist konstruktiven/unchauvinistischen Sinne zu sich selbst." Sehr treffend ausgedrückt. Habe heute in der FAZ geschrieben: Die Griechen haben sich mit falschen Zahlen in die Währungsunion „gemogelt“, weil es auch der unbedingte Wille der deutschen Politik war: Man - wer auch immer ist doch egal, denn politische Verantwortung trägt man nur, hat sie aber nicht– war und ist der Meinung, daß Griechenland als "Kultur-Wiege" Europas nicht draußen bleiben kann. Das wäre, europapolitisch, nicht zu beanstanden, wenn dieses Modell nicht in allen Schwachwährungsländern schnell Nachahmer gefunden hätte, die einen sicheren Weg gesehen haben, ihre ökonomischen und finanziellen Probleme über eine starke Gemeinschaft lösen zu können: Eine Haftungs- und Schuldenunion haben wir gedanklich schon lange, zumindest seit 2005, als die PIIGS+F-Länder angefangen haben, ihr Füllhorn auszuschütten, während Deutschland unter der Agenda 2010 gestöhnt hat: Aber eines ist sicher: Zu einer Europaunion, eventuell noch mit dem Operettenkabinett des Barroso, will bestimmt kein anderer europäischer Staat. Im Geiste, also außerhalb der Vorteilsgewährung, haben die alle nur ein Europa der Vaterländer, was auch außerordentlich wünschenswert ist.
    Mit freundlichen Grüßen auch von der AfD
    Klaus Peter Kraa

  • @Humanist

    Sehe ich ähnlich. Offenbar bemerken viele, die in der AfD den Teufel persönlich sehen (wollen), nicht, dass der Mutti-Mainstream, der den Totalen Euro und damit logisch folgernd den planwirtschaftlich-zentralistisch-politbürokratischen (Um-)Verteilungsstaat Europa fordert, viel eher dem von Ihnen beschriebenen Untertanengeist und passend zu "Mutti" einer gewissen "Unerwachsenheit" mit ihrem (potentiell regressiven) Streben nach Aufgehen in der Masse/Undifferenziertheit entspricht, als die Bürger(liche)bewegung AfD.

    Ganz abgesehen davon wird der deutsche "Europa-Nationalismus" in dieser Form meines Wissens nach (zumindest noch) von keiner anderen Volksgruppe (um das in Deutschland nicht verwendbare Wort "Nation" zu meiden) in Europa geteilt. Niemand ausser Deutschland möchte (auf der Flucht vor sich selbst?) in Groß-Europa aufgehen. Alle anderen bekennen sich explizit im meist konstruktiven/unchauvinistischen Sinne zu sich selbst. Aus dieser Isolation/Illusion hilft auf Dauer kein Über- oder Nebensichstehen und auch kein permanentes Freundschaft/Frieden kaufen heraus, sondern nur ein zu sich stehen mit allen Macken, Makeln und Potentialen.

    @Handelsblatt
    wo sind denn ca. 16 der (nicht mehr als üblich anstössigen) Kommentare hin? Heute morgen waren hier noch 121 Kommentare jetzt 107, obwohl 2 dazu gekommen sind.

  • Von der preußischen Verfassung von 1871 bis zum Grundgesetz 1949 gilt, dass die Deutschen nie ein Kuschel-Verhältnis zu einer basisdemokratischen Staatsform hatten. Die Deutschen waren und sind geprägte Preußen: Die Mentalität der Bürger war immer schon von den Maximen der abgelösten Ständegesellschaft geprägt und vom Prozess der Demokratisierung weitgehend unberührt geblieben, autoritären Normen wurde gern enthusiastisch Beifall gezollt, sich fügen fällt ihnen leichter als der Protest. Dies hat ihren Autoritäten die Auslösung zweier Weltkatastrophen vom deutschen Boden leicht gemacht. Dies macht es ihnen auch leicht, sich in die total antidemokratischen Formen der EU-Bürokratie zu fügen - Mütterchen Alternativlos von der Berliner Museumsinsel ist ihnen dafür Garant. Aber der große Erfolg der AfD ist ein deutliches Zeichen einer langsamen Umkehr und selbst wenn sie den Einzug ins Parlament jetzt nicht schafft, wird diese Stimme hoffentlich nicht mehr verklingen. Das ist unsere Hoffnung.
    Mit freundlichen Grüßen an alle Menschen guten Willens, außer Eddi natürlich, den Euthanasiefritzen,
    Klaus Peter Kraa

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