Deutschland-Dinner mit Katrin Göring-Eckardt
„Wir entlasten einen Großteil der Mittelschicht“

Beim Handelsblatt Deutschland-Dinner verteidigt die Grüne-Spitzenkandidatin die Steuerpläne ihrer Partei. Sie fordert ein staatliches Investitionsprogramm und mehr soziale Gerechtigkeit.
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LeipzigWenn es um das Thema Gerechtigkeit geht, ist Katrin Göring-Eckardt schwer zu bremsen. Sie kritisiert mangelnde Aufstiegsmöglichkeiten und schlechte Bildungschancen, warnt vor wachsender Altersarmut und einem ausufernden Niedriglohnsektor, „in dem viele auf Dauer hängen bleiben“. Ihr Resümee ist eindeutig:  „75 Prozent der Deutschen sagen, in unserem Land geht es nicht gerecht zu. Ich gehöre dazu“, sagt Göring-Eckardt.

Es ist „Handelsblatt Deutschland Dinner“, diesmal in Leipzig. Die Resonanz ist beeindruckend. Im „Steigenberger Grandhotel Handelshof“ ist kein Platz frei geblieben, im Gegenteil: zusätzliche Stühle müssen her, ein weiterer großer runder Tisch findet am Rande des Saales Platz. Nach der Vorspeise, einem Salat à la Caesar, tritt Göring-Eckardt -  champagnerfarbenes Sakko, weißes Shirt, weiße Hose –  auf die Bühne und stellt sich den Fragen von Handelsblatt-Chefredakteur Hans-Jürgen Jakobs und der Handelsblatt-Leser.

Wofür stehen die Grünen, welche Ziele verfolgt Katrin Göring-Eckardt? Mit dem Gerechtigkeitsthema hat die Grünen-Politikern gleich die Begründung für die Steuerpläne ihrer Partei geliefert: Mit mehr Geld wollen die Grünen für mehr Gerechtigkeit sorgen. Die Steuerpläne stellten gleichwohl entgegen der Darstellung in den Medien „keine wirkliche Belastung für die Bezieher guter Einkommen dar“, betont die Grünen-Politikerin. Im Gegenteil: „Wir entlasten einen Großteil der Mittelschicht mit unseren Steuerplänen.“ Der geplante Spitzensteuersatz von 49 Prozent greife schließlich erst ab 80000 Euro, der durchschnittliche Steuersatz steige lediglich von 31 auf 32 Prozent. Und die ebenfalls geplante Vermögensabgabe sei so gestrickt, dass eine Substanzbesteuerung ausgeschlossen sei. In den Betrieben, die sie in den vergangenen Wochen besucht habe, sei das Verständnis für die Pläne der Grünen groß gewesen, sagt die Politikerin.

Was tun mit den zusätzlichen Einnahmen? Die Spitzenfrau der Grünen wirbt für das Investitionsprogramm ihrer Partei, das Arbeit schaffen und die Infrastruktur des Landes nachhaltig verbessern soll. 65 Prozent der dafür benötigten Mittel sollen aus Einsparungen und Subventionsabbau generiert werden,  der Rest über höhere Steuern. In der Frage der Euro-Schuldenkrise macht Göring-Eckardt deutlich, dass ihr der Kurs von Kanzlerin Angela Merkel völlig gegen den Strich geht. Eine reine Sparpolitik werde den Krisenstaaten nicht auf die Füße helfen, sagt sie. Und spricht sich für die Vergemeinschaftung der Schulden in Europa aus.

Göring-Eckardt beherrscht das niveauvolle Plaudern, unaufdringlich, unprätentiös, mit Hang zur Selbstironie. Die Handelsblatt-Leser in Leipzig mögen das, lachen mit, als sie zu Beginn des Abends Fotos von ihr aus den vergangenen Jahren kommentieren soll. Die Schuhe, die sie auf dem vor einigen Jahren in der Berliner Gedächtniskirche entstandenen Foto trägt, findet sie heutzutage scheußlich. Und auf dem vor einigen Jahren entstandenen Bild, das sie mit Joschka Fischer zeigt, sei sie etwas korpulenter als Fischer. Heute sei es wohl eher umgekehrt.

Die gute Stunde mit der Grünen-Politikerin und dem Handelsblatt-Chefredakteur vergeht wie im Fluge. Die Gäste genießen nach einem gebackenen Maishuhn in Thymianjus als Hauptgang zum Ausklang gebrannte Schokoladencreme und Campari-Sorbet.

Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent

Kommentare zu " Deutschland-Dinner mit Katrin Göring-Eckardt: „Wir entlasten einen Großteil der Mittelschicht“"

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  • Jetzt will ich noch mal versuchen, meinen zensierten Kommentar in gereinigter Form einzustellen. Ich war etwas verärgert, daß die Grünen immer mehr die Meinungshoheit zu Themen übernehmen von denen sie nach meiner Einschätzung nicht viel verstehen. So erkennen wir beispielsweise, wie grüne Theologen, Soziologen, Grundschullehrer usw. der Kanzlerin, Physikerin ihres Zeichens, die Marschrichtung in der Energiepolitik vorgeben. Nun schaut es so aus, als ob Frau Göring-Eckhard (Theologin ohne akademischen Abschluß) auch in der Wirtschafts- und Finanzpolitik beginnt , Kandidat Peer um den Finger zu wickeln. Wen soll man da noch wählen?

  • Es tut mir leid, wenn das als Beleidigung empfunden wird. Ich ziehe den Kommentar zurück.

  • An sich könnte man ja die Grünen als weltfremde Phantasten solche noch ertragen. ...

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