Die Wahl bei ARD, ZDF und RTL
„Haben Sie gedacht, Sie laden einen Idioten ein?“

Zahlen, Sprüche, Wutausbrüche: Am Wahlabend im TV wurden „schonungslose“ Analysen angekündigt – doch die Parteien hielten sich zunächst zurück. Bis zu einem Flirtversuch von Trittin und Schäubles Wutausbruch bei Jauch.
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„Das wird möglicherweise ein historischer Wahlabend“: Ulrich Deppendorfs Geheimnistuerei in der ARD-Wahlsendung hat um genau 18 Uhr ein Ende. „Halten Sie sich fest!“, sagt Jörg Schönenborn, der WDR-Chefredakteur und ARD-Umfragen-Fuchs noch, bevor er die erste Wahlausgangs-Prognose mit CDU-Gewinnen und FDP wie AfD knapp unter fünf Prozent bekannt gibt.

„Die nächste halbe Stunde ist wirklich sehr sehr kritisch“, sagt Peter Kloeppel im RTL-Studio, auf dessen Boden ähnliche Balkendiagramme in 3D projiziert sind. Zunächst bestimmen Bilder von erwartungsvollen, bei Bekanntgabe der erste Prognosen dann jubelnden oder bedrückten Wahlkämpfern das Geschehen. Die Sender zeigen sie, wie sie Fußballfans zeigen, bevor und nachdem ihre Mannschaften Tore geschossen oder Gegentore bekommen haben. Für den relativ meisten Jubel sorgt das Ergebnis der FDP - außer bei der FDP selbst.

Vor ZDF-Mikrofonen äußern sich erste Politiker, Armin Laschet (CDU), Andrea Nahles (SPD) und Christian Lindner für die FDP, der wenig später auch in der ARD Wählerinnen und Wählern dankt und sich als kommender Mann positioniert.

Gegen 18.10 Uhr formuliert Thomas Oppermann, Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD, in der ARD die Metapher, die an diesem Wahlabend am häufigsten benutzt werden wird: „Der Ball liegt bei Frau Merkel.“ Es geht um die Frage, wer mit der CDU die nächste Bundesregierung bilden wird.

„Darauf werden wir heute Abend x-mal gucken“, sagt Schönenborn mit Blick auf den 4,9 Prozent-Wert der AfD. Er freut sich auf „ganz neue Rechenspiele“, die er in Kuchendiagrammen präsentiert. Wenig später analysiert er in Grafiken schon „Wählerströme“, wie er „sie noch nie gesehen hat“. So habe die AfD den zweitgrößten Zustrom von der Linkspartei bekommen. „Das nächste Mal acht Prozent“, kündigt ein euphorisierter AfD-Kandidat im ZDF an.

„Den Herren hinter mir kennen Sie noch vom letzten Wochenende“, kündigt Ulrich Deppendorf eine Schaltung nach München zu BR-Fernsehchefredakteur Sigmund Gottlieb an, der sich bei Berichten von der bayerischen Landtagswahl nicht gerade der politischen Neutralität verdächtig gemacht hatte. „Schaun wir mal, was sich noch tut“, strahlt CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt in die Kamera.

In einer Ministerpräsidentenrunde mit Wilfried Kretschmann, Stanislaw Tillich und Klaus Wowereit sagen alle sinngemäß, dass sie die Ergebnisse „jetzt“, aber noch „nicht heute Abend“ „in aller Ruhe“ „kritisch“ bis „schonungslos analysieren“ wollen. Diesen Formulierungen begegnet man am weiteren Wahlabend noch häufig.

Kommentare zu " Die Wahl bei ARD, ZDF und RTL: „Haben Sie gedacht, Sie laden einen Idioten ein?“"

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  • Schäuble bei Jauch laut Handelsblatt:

    „Haben Sie gedacht, Sie laden einen Idioten ein?“

    Da kampft aber vermutlich einer gewaltig mit seinen Minderwertigkeitskomplexen. Was denkt er denn, was viele Menschen in diesem Land, nach dem Pfusch der Eurorettung, ggf. über ihn denken? Denken einige Bürger vielleicht genau das, was er dem Moderator der Sendung in den Mund gelegt hat?

    Zur Definition: "… In psychology, an idiot has the least intelligence on the IQ scale (this now is equivalent to someone who is mentally retarded or the more politically correct “mentally challenged”); an imbecile is not quite as dumb as an idiot and is now considered equivalent to moderate retardation; a moron is then the highest level of intelligence for someone who is mentally retarded, thus considered as being mildly mentally retarded. Specifically, those who have an IQ between 0 and 25 are idiots…"

    Quelle: http://www.todayifoundout.com/index.php/2010/03/the-words-moron-imbecile-and-idiot-mean-different-things/#2Y28xAGXrtculOqQ.99

    http://en.wikipedia.org/wiki/Idiot

  • Na dann träum mal schön weiter! Die Hoffnung stirbt zuletzt!
    Wie können die meisten Wähler eine richtige Enscheidung treffen wenn min. 70% aller Deutschen politische Analphabeten sind?

  • Bist du Murat Dinç?

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