DIW-Forscher schlagen Alarm
Deutschlands gespaltene Demokratie

Stellen Sie sich vor, es gibt eine Demokratie und kaum jemanden interessiert es. Dieser Umstand trifft auf Deutschland zu. Abgehängte der Gesellschaft wenden sich zunehmend ab, warnt eine DIW-Studie.
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BerlinDer Trend einer sozial gespaltenen Demokratie in Deutschland verschärft sich. Das ist das Ergebnis einer Handelsblatt Online vorliegende Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Demokratische Teilhabe sei zwar generell in Demokratien nicht gleich verteilt und falle oftmals besonders gering bei Menschen aus, die sich in einer prekären wirtschaftlichen Situation befinden, schreiben die Experten in der Untersuchung auf Basis von Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP).

Allerdings zeigten die Analysen für Deutschland, „dass in den vergangenen dreißig Jahren keineswegs von einem Rückgang der ungleichen politischen Beteiligung die Rede sein kann und der Grad der politischen Ungleichheit in Deutschland sogar höher ausfällt als in vielen vergleichbaren europäischen Demokratien“.

Insbesondere im Vergleich zu seinen direkten Nachbarländern wie Frankreich, Österreich, Dänemark und den Niederlanden zeichne sich Deutschland durch eine „vergleichsweise hohe Ungleichheit“ der politischen Teilhabe aus. „So liegt die Beteiligungsquote für die Mitarbeit in Parteien und politischen Organisationen bei erwerbstätigen Personen in Deutschland um 91 Prozent über der der Arbeitslosen“, konstatieren die Experten und fügen hinzu: Nur in einigen Ländern Ost- und Mitteleuropas wie der Slowakei und Polen sei dieser Unterschied „noch wesentlich ausgeprägter“.

Für ihre Studie hatten die Forscher neben Angaben aus dem Sozio-oekonomischen Panel (SOEP) auch Daten des European Social Survey (ESS) ausgewertet. Für den ESS wurden in insgesamt 34 europäischen Ländern zwischen 2002 und 2010 alle zwei Jahre jeweils zwischen 1.000 und 3.000 Menschen in den einzelnen Ländern befragt.

Mit ihrer Studie stellen die Autoren die weit verbreitete Annahme in Frage, dass eine prekäre Wirtschaftslage sich direkt auf die politische Teilhabe auswirkt: „Weder der Verlust des Arbeitsplatzes noch ein Einkommensrückgang führen dazu, dass Menschen ihr politisches Engagement einschränken“, sagt der Politikwissenschaftler Martin Kroh, einer der Autoren der Studie. „Viel mehr prägt die soziale Herkunft den Grad der politischen Teilhabe in Deutschland.“
Die Forscher sehen angesichts der Befunde die Politik in der Pflicht gegenzusteuern. Da das geringere Niveau der politischen Teilhabe „im Durchschnitt bereits vor der Arbeitslosigkeitserfahrung beziehungsweise dem Einkommensverlust zu beobachten war und im Fall des Interesses für Politik nachhaltig durch die soziale Herkunft bestimmt wird, sind vor allem Maßnahmen, die auf die Reduzierung von ungleichen Startchancen in der Bevölkerung abzielen, zur Reduzierung der ungleichen politischen Teilhabe besonders geeignet“, schreiben die Experten.

Kommentare zu " DIW-Forscher schlagen Alarm: Deutschlands gespaltene Demokratie"

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  • Janine77 schreibt nochmals den Text, dass man es besser begreifen kann. Ich wurde abgeführt, ja abgeführt, durch einen CDU-Stadtrat und Polizei, weil meine Meinung nicht zu seinem Thema passte. Alles dies in einer Gemeinde mit 21ts.Einwohnern und vielen anwesenden (ca.500) Gutmenschen. Und alle anwesenden Lokalmedien schauten weg!! Hatten wir da nicht schon einmal ein Staatengebilde gegen welches das Volk aufstand und ganz gewisse Worte jeden Montag den Oberen zuschrie ???

  • Hier in meiner Stadt in 61184 Karben, wurde ich am 13. Juni.d.J., durch einen Stadtrat und Polizei abgeführt,
    weil ich in einer öffentlichen Veranstaltung nach Art.5 GG, meine Meinung sagen wollte. Dieses verfassungswidrige Verhalten von Stadtoberen, war es nicht ein Wort in Medien Wert erwähnt zu werden.

  • "Demokratie? Na und! Vor allem einkommensschwache und bildungsferne.."

    "Abgehängte der Gesellschaft wenden sich zunehmend ab.."


    Ein billiger, abstoßender Versuch, die Situation in unserem LAND herunterzuspielen !

    Es ist schlimmer als ich dachte, der LOBBYISMUS in D !

    Fragwürdige, durchsichtige "STUDIE" !!!


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