DIW-Studie

Ökonomen zerpflücken CDU-Pläne für Familiensplitting

CDU und FDP wollen das Ehegattensplitting reformieren. In ihren Wahlprogrammen fordern sie höhere Freibeträge für Familien mit Kindern. Ökonomen des DIW haben die Pläne untersucht – und ziehen ein vernichtendes Fazit.
Update: 04.09.2013 - 12:31 Uhr 59 Kommentare
Union und FDP wollen Familien mit Kindern entlasten. Ihre Pläne stoßen bei Ökonomen des DIW jedoch auf Skepsis. Quelle: dpa

Union und FDP wollen Familien mit Kindern entlasten. Ihre Pläne stoßen bei Ökonomen des DIW jedoch auf Skepsis.

(Foto: dpa)

BerlinDie Pläne von CDU, CSU und FDP für eine stärkere steuerliche Förderung von Familien stoßen bei Fachleuten auf Kritik. Das Konzept der Union koste Milliarden, bevorzuge Gut- und Spitzenverdiener und halte Frauen davon ab, nach der Geburt eines Kindes in den Job zurückzukehren, berichtete die „Süddeutsche Zeitung“ am Mittwoch vorab aus einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). In dem Papier widerspricht das DIW auch der Behauptung, in Frankreich würden Familien steuerlich deutlich besser behandelt als in Deutschland. Das Gegenteil sei der Fall.

In ihren Wahlprogrammen sprechen sich Union und FDP dafür aus, das Ehegattensplitting zu einer Art Familiensplitting weiterzuentwickeln. Die Idee stammt aus Frankreich, wo die Finanzämter das Familieneinkommen rein rechnerisch nicht nur auf die Ehepartner, sondern auch auf die Kinder verteilen. Dadurch sinkt für die Familie insgesamt die Steuerlast.

Union und FDP orientieren sich allerdings weniger an diesem Modell, sondern wollen den steuerlichen Grundfreibetrag für Kinder von 7008 Euro im Jahr auf das Erwachsenenniveau von demnächst 8354 Euro anheben. CDU und CSU planen parallel eine Erhöhung des Kindergelds um 35 Euro. Für das erste und zweite Kind würden Eltern damit je 219, für das dritte 225 und für jedes weitere Kind 250 Euro im Monat erhalten.

Das DIW hat in seinem neuen Wochenbericht das Konzept der Union näher untersucht. Wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet, würden demnach Familien durch die Reform im Schnitt um 700 Euro entlastet. Die Verbesserungen wären jedoch sehr ungleich verteilt: Während Geringverdiener nur 300 Euro mehr im Jahr hätten, kämen Bezieher durchschnittlicher und hoher Gehälter auf bis zu 866 Euro. Komplett leer gingen Familien aus, die Hartz IV beziehen.

Sie profitierten naturgemäß weder vom höheren Freibetrag noch von der Anhebung des Kindergelds, weil Letzteres auf ihre Sozialleistungen angerechnet wird. Die Reform würde die öffentlichen Kassen den Angaben zufolge mit mehr als sieben Milliarden Euro im Jahr belasten. Das wäre fast die Hälfte dessen, was der Staat heute für die Subventionierung von Kindertagesstätten ausgibt.

"Die Union ist die Familienpartei Deutschlands"
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59 Kommentare zu "DIW-Studie: Ökonomen zerpflücken CDU-Pläne für Familiensplitting"

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  • Das DIW ist und bleibt in seiner Gesamtheit Neoliberal bis in die Zehenspitzen!
    #Dr.Paul# Steuerberater? Wenn ja, dann begeben sie sich umgehends zur Weiterbildung im Bereich SGBII! Denn da ist getätigte Meinung, vollständig außer Kraft gesetzt!

  • Das DIW ist und bleibt in seiner Gesamtheit Neoliberal bis in die Zehenspitzen!
    #Dr.Paul# Steuerberater? Wenn ja, dann begeben sie sich umgehends zur Weiterbildung im Bereich SGBII! Denn da ist getätigte Meinung, vollständig außer Kraft gesetzt!

  • völlig richtig,
    ein Freibetrag ist eigentlich nur für das allgemein übliche steuerfreie Minimum,
    ALSO FÜR ALLE KINDER gerechtfertigt und auch vom Verfassungsgericht geboten seit 1998
    BVerfG, 2 BvL 42/93 vom 10.11.1998, Absatz-Nr. (1 - 83)

  • Die "Kritiker" sind keine Ökonomen, sondern Kinderfeinde.
    Gemäß Verfassungsgericht entspricht der steuerfreie Mindestbetrag der rechtlichen Gleichbehandlung! Das ist also schlicht ein mehr als überfälliger Auftrag zu Herstellung von Steuergerechtigkeit von 1998
    BVerfG, 2 BvL 42/93 vom 10.11.1998, Absatz-Nr. (1 - 83)
    Es ist mir schleierhaft, warum das Handelsblatt das wichtige Urteil nicht kenn!

    mfG

  • Familiensplitting:
    Das Gesamteinkommen wird geteilt durch die Anzahl der Familienmitglieder. Durch die niedere Progression zahlt die Familie weniger Steuern. Ziel ist ein gerechte Besteuerung im Vergleich zu Singles oder DINKS. Warum soll bei gleichem Einkommen ein Single ungleich besser leben können als ein Familienvater mit 3 Kindern?

  • @Diamant

    Sie haben da was vergessen. Ich meine damit den tiefen Griff der CDU unter Helmut Kohl in die Rentenkasse.

    Blüm: Haltet mir die artfremden Leistungen aus der Rentenkasse.

    Aussiedler , die teilweise nicht eine Mark eingzahlt hatten, wurden hochgerechnet und beziehen Rente. Somit sind die Zuschüsse des Bundes eine Verpflichtung aus der Vergangenheit. Auch die damalige CDU verstand es vorzüglich Probleme auf zukünftige Generationen zu verschieben.

    Schönen Abend noch.

  • Die Union ist die Partei für Besserverdienende, nicht für Familien!

  • "Die Lage der Familien in Deutschland ist schlecht,
    sie wäre noch deprimierender, wenn nicht das
    Bundesverfassungsgericht immer wieder korrigierend
    eingegriffen hätte."
    (Hans-Jürgen Papier)

    Auf Kindergeld besteht kein Rechtsanspruch, auf
    Grundfreibetrag, Betreuungsfreibetrag und
    Erziehungsfreibetrag schon.
    Die Entscheidungen wurden erzwungen.

  • Das Argument "keine Rente für die Kinderlosen" ist ja nun inzwischen ausreichend strapaziert worden.
    Falls aber Ihre Frau zu Hause ist, sich um Haushalt und Kinder kümmert, nicht berufstätig ist und damit nicht in die Sozialsysteme einzahlt - wieso bekommen deren Eltern dann Rente? Dann weigere ich mich demnächst auch, die Rente für die Eltern derjenigen zu bezahlen, die weder Steuern noch Abgaben zahlen.
    Es wird immer vergessen, dass die vielgeschmähten Kinderlosen einen ganzen Batzen dazu beitragen, dass die heutige ältere Generation Rente bekommt. Darunter auch die Elterngeneration der daheimgebliebenen Mütter.

  • "Das Kindergeld ist für Familien lebensnotwendig!"

    Sehe ich völlig anders.
    Frage mich immer wie wir ohne Kindergeld gross werden konnten, zur Schule gehen konnten und studieren konnten.
    Und wie das in Ländern funktioniert in denen es kein Kindergeld gibt. Aus diesen Ländern werden jetzt die Jugendlichen geholt weil die Kindergeldverwöhnten Bälger nicht mal mehr Bäcker werden wollen.

    Kindergeld ist das ungerechteste Gießkannprinzip was es gibt. Wichtiger ist ein ordentliches Familieneinkommen, statt anderen Familien etwas wegzunehmen um es anderen in den Allerwertesten zu schieben.
    Schafft das Kindergeld ab, senkt die Lohnnebenkosten und baut dafür Kindergärten und ordentliche Schulen. Und zwar lebensgerechte Schulen, mit denen Frauen ihre Arbeitszeiten planen können, ihre Kinder erziehen können und die Oma pflegen können.
    Hab selten gehört das dieses die Schwiegersöhne für sich beanspruchen, die Oma und den Opa pflegen z. B.
    Familien sind nicht "nur" Kinder, Familie ist viel mehr. Und viel zu viel als mit einem Subventionsspiel zu agieren.

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