Forsa-Umfrage

Deutsche bestätigen Merkel im Maut-Streit

Horst Seehofer will sie unbedingt, Angela Merkel auf keinen Fall: Die Pkw-Maut. Knapp die Hälfte der Deutschen will keine Gebühr auf Autobahnen. Doch ein Drittel will Ausländer belasten.
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Die PKW-Maut ist umstritten – in der Politik und bei Europarechtlern. Quelle: dpa

Die PKW-Maut ist umstritten – in der Politik und bei Europarechtlern.

(Foto: dpa)

DüsseldorfEs ist eines der Lieblingsthemen von Horst Seehofer: Die Pkw-Maut. Davon will er künftige Koalitionsverhandlungen abhängig machen, bekräftigte der bayrische Ministerpräsident und CSU-Chef noch direkt nach seinem Sieg bei der Landtagswahl. Die deutschen Autofahrer würden genug für die Benutzung der Straßen bezahlen, sagt er – auch im Ausland, etwa in Österreich oder Frankreich. „88 Prozent der Bayern sind für diese Autobahnmaut für Ausländer“, sagt der CSU-Chef. Auch deshalb ist er sich sicher: „Die Pkw-Maut für Ausländer muss und wird kommen.“ Egal, was die Bundeskanzlerin sagt.

Die ist jedenfalls erst mal dagegen. „Mit mir wird es eine Pkw-Maut nicht geben“, sagte Merkel im TV-Duell kurz vor der Wahl. Auch wenn sie hinzufügt: „Wir haben immer eine Lösung gefunden.“ Doch was wollen die Deutschen?

Eine exklusive Forsa-Umfrage für Handelsblatt Online unter 1.001 Befragten ergibt: 41 Prozent der Deutschen lehnen eine Pkw-Maut ab. Doch 35 Prozent sind für eine Pkw-Maut nur für Ausländer. Und weitere 22 Prozent würden gerne alle Autofahrer auf Autobahnen zur Kasse bitten. Insgesamt ist die Anzahl derjenigen, die eine Pkw-Maut generell befürworten würden, groß. Allerdings ist unklar, ob die generellen Befürworter sich auch auf eine eingeschränkte Lösung für Ausländer einlassen würden.

Meinungen zu einer Autobahn-Maut für PKW nach Parteien

Soll eine Autobahn-Maut für Pkw eingeführt werden?

in Prozent


In der Maut-Frage gibt es deutliche Unterschiede zwischen den Anhängern der Parteien. Während bei der CDU nur jeder fünfte Befragte (21 Prozent) für eine gesamte Pkw-Maut ist, wollen 38 Prozent nur eine Maut für ausländische PKW. 39 Prozent sind gegen eine Gebühr. Die CSU-Anhänger reagieren bei dem Thema parteikonform. Jeder Dritte (37 Prozent) ist für eine Maut für alle, fast die Hälfte (48 Prozent) befürwortet für eine Pkw-Maut für Ausländer und nur 14 Prozent sind gegen eine Pkw-Maut. Anders sieht das Bild unter den FDP-Anhängern aus. 45 Prozent sind gegen eine Pkw-Maut, 23 Prozent für eine Abgabe für alle, 31 Prozent für eine Maut für Ausländer.

Meinungen zu einer Autobahn-Maut für PKW insgesamt

Soll eine Autobahn-Maut für PKW eingeführt werden?

in Prozent


( mit der Maus über die Grafik fahren)


Während bei SPD- und Grünen-Anhängern etwa die Hälfte gegen eine Pkw-Maut sind (jeweils 47 Prozent), weichen die Antworten der Linken-Anhänger ab: Mehrheitlich sind sie gegen eine Autobahn-Maut (56 Prozent).

Die Befragung zeigt: In Sachen Pkw-Maut für Ausländer gibt es keine großen Unterschiede zwischen den Altersstufen. 37 Prozent der 18 bis 29-Jährigen sind für diese Abgabe. 33 Prozent der 30 bis 44-Jährigen, 36 Prozent der 45 bis 59-Järhigen und 34 Prozent der Über-60-Jährigen wollen, dass Ausländer für die Benutzung der deutschen Autobahnen zahlen. Bei denen, die für eine allgemeingültige Pkw-Maut sind, sind die 30 bis 44-Jährigen mit 25 Prozent am stärksten vertreten. Mit nur 16 Prozent ist die Gruppe der 18 bis 29 Jährigen am geringsten.

Meinungen zu einer Autobahn-Maut für PKW nach Altersgruppen

Soll eine Autobahn-Maut für Pkw eingeführt werden?

in Prozent


„Entweder zahlen alle, oder keiner“
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36 Kommentare zu "Forsa-Umfrage: Deutsche bestätigen Merkel im Maut-Streit"

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  • Das große Prolem sehe ich in der Tatsache, dass das Thema durch die bayrische Brille gesehen wird und deshalb extrem südlästig ist. Ich als Nordlicht fahre aber öfter durch Skandinavien und durch die Niederlande, wo ich keine Maut zahle (außer auf der Öresundbrücke). Wenn Deutschland eine Maut für Ausländer einführen würde, würden diese Länder bald nachziehen, was ich sehr bedauern würde.

  • Deutsche bestätigen Merkel? Laut Ihrem eigenen Artikel sind 41 % der Deutschen GEGEN eine Maut und insgesamt 57 % DAFÜR. Wo liegt denn jetzt hier die Bestätigung???

  • Nein, man will es nicht nur, sondern man macht es mit saus und braus. Mithilfe der deutschen Schreiberzunft und einer verlogenen Presselandschaft wird das ganz einfach durchgezogen. Wer dieser Frau und ihrem Schranzentum ein Wort glaubt, ist selber schuld. Welche Ansage, welches Statement hat sie nicht verdreht oder gebrochen?
    Schreibt mal über getürkte Wahlen, über verlogene Wahlberichterstattung, über gebrochene Wahlversprechen, über ein Volk was sich seine Enteignung und Plünderung gerade selbst eingebrockt hat. Das währen Themen. Aber ein Lippenbekenntnis unserer Erika zu einem Vorhaben, was über irgendwelche Wege doch eingeführt wird, ist keine Zeile wert.

  • würde zu gern wissen, wie die das mit moslemischen autofahrern machen?

  • seien Sie still :-)) Und eine luftsteuer gibt es eh schon

  • Erst kommt die Maut für Ausländer, dann wird sie vom EuGH gekippt und dann wird die von unseren lieben Freunden aus Bayern initiierte Maut nicht etwa bageschafft, sondern für alle eingeführt und zwar ohne jede Vergünstigung für Inländer über z.B. Verrechnung mit der KFZ-Steuer (da ebenfalls europarechtswidrig).

    Eine chrittweise Steuererhöhung für alle. Das weiss man bei den CSU`lern doch jetzt schon. Aber die Ausländermasche zieht halt immer wieder.

  • "Die Kfz-Steuer ist doch ein Jahresticket für die Autobahn. Es ist also keine Benachteiligung, wenn sich Reisende aus anderen Länder ebenfalls angemessen beteiligen."

    Da liegen Sie falsch! Die Kfz-Steuer wird hierzulande als Jahresgebühr und Schutzgeld für den öffentlichen Parkraum erhoben. Denn auf die Autobahn darf mitnichten jedes Fahrzeug, für das auch Kfz-Steuer erhoben wird. Da gilt als "Vignette" eine legal erreichbare Mindestgeschwindigkeit von 65km/h. Deshalb bleiben z.B. Traktoren der Autobahn fern.

    Daß die Kfz-Steuer tatsächlich ein jährlich erhobenes Schutzgeld für den öffentlichen Parkraum ist, kann man ganz simpel im Selbstversuch überprüfen. Einfach die jährliche Zwangs-Lastschrift der Kfz-Steuer widerrufen, ohne das Fahrzeug auf einem Privatgrundstück abgestellt zu haben. Dann wird Ihnen mit dem unweigerlich folgenden "Verwaltungsakt" nicht etwa nur das Autobahnfahren untersagt, sondern gleich das ganze geparkte Fahrzeug von Amts wegen von der Straße geklaut. Selbst dann, wenn's noch immer ein Vielfaches der Kfz-"Steuerschuld" wert ist. Der Differenzwert wird dann einfach schrittweise für Verwaltungs- und Stellgebühren kassiert.


  • das große Problem Maut.
    Wir haben es heute mit einer kränkelnden USA zu tun, die uns Schritt für Schritt überwacht. Der Schutz sollte Thema Nr.1 sein.
    http://www.youtube.com/watch?v=HKAkSGdRzP8

  • Diese Form der Überwachung kann aber auch Vorteile haben. Nachteilig (verkehrstechnisch betrachtet) ist es nur für denjenigen, der bestehende Vorschriften nicht ummaßgeblich übertritt...

  • Und warum verzichten die EU-Länder nicht im Gegenzug auf die Erhebung einer Gebühr z.B. für mich als "Normalo"-Autofahrer? Ich fühle mich da als Gast in deren Ländern "benachteiligt"...

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