Gabriel vs. Slomka

„Selbstdarsteller rasen im ICE-Tempo aufeinander zu“

Das Wortgefecht von Sigmar Gabriel und Marietta Slomka sorgt für Diskussionen: Kommunikationsprofis loben das Interview, vor allem der SPD-Chef erntet Kritik. Doch ausgerechnet Unionspolitiker springen Gabriel zur Seite.
Update: 29.11.2013 - 16:46 Uhr 77 Kommentare


DüsseldorfDer Schlagabtausch dauert schon 5:20 Minuten, da zieht SPD-Chef Sigmar Gabriel die Notbremse: „Lassen Sie uns diesen Quatsch beenden“, schlägt er Marietta Slomka vor, die ihn für das „heute journal“ interviewt. Doch zu diesem Zeitpunkt sind die Disputanten schon zu heiß gelaufen, um das Gespräch noch zu einem vernünftigen Ende führen zu können. So mündet Gabriels Versuch einer Annäherung („Es wird ja nicht besser, wenn wir uns so behandeln“) in einen persönlichen Angriff auf Fragestellerin Slomka: „Es ist ja nicht das erste Mal, dass Sie in Interviews mit Sozialdemokraten versuchen, ihnen das Wort im Mund rumzudrehen.“

Für den Kommunikationsberater Christian Frommert war zu diesem Zeitpunkt nichts mehr zu retten: Beide hätten das Interview gegen die Wand gefahren, „weil da zwei Selbstdarsteller im ICE-Tempo aufeinander zugerast sind“, schreibt Frommert auf seiner Facebookseite. „Keiner wollte sich zurücknehmen, die beiden haben eine Art Wettstreit ausgetragen.“ Frommert – ehemals Telekom-Sprecher und künftig Mediendirektor der TSG Hoffenheim – empfiehlt das Interview für jede journalistische Schulung.

Frommert ist der Meinung, es wäre die Aufgabe der Moderatorin gewesen, für mehr Gelassenheit zu sorgen. Für Gabriel stehe derzeit viel auf dem Spiel. „Ich denke, ein guter Interviewer hätte mal die Luft rausgenommen“, schreibt er. „Aber Frau Slomka war angefasst und hat sich zum Mitmachen hinreißen lassen.“

Gabriel scheint nervlich angeschlagen – diesen Schluss zieht Politik-Berater Michael Spreng, der 2002 als Wahlkampfleiter Edmund Stoiber beinahe den Weg ins Kanzleramt ermöglicht hätte. „Er war dünnhäutig und hat gleich mit seiner ersten Antwort den Ton vorgegeben. Seine Nerven scheinen ziemlich blank zu liegen“, sagt Spreng. Dazu passten auch die Bemerkungen „Quatsch“, „Blödsinn“ und „Wort im Mund herumdrehen“. „Frau Slomka hat konsequent und hartnäckig nachgehakt, hätte aber das Gespräch früher beenden oder auf andere Fragen umsteigen müssen. So war es am Ende inhaltlich wenig ergiebig.“

Der Mediendienst Meedia.de fordert dagegen: „Frau Slomka, bitte machen Sie so weiter!“ In seinem Kommentar schreibt Stefan Winterbauer: „Slomka hat den Ruf, ihre Gesprächspartner hart anzupacken. Gut so! Das sollten viel mehr Journalisten tun. Nun traf sie auf einen bis an die Grenze der Arroganz mit Selbstgefälligkeit aufgeladenen Sigmar Gabriel. Das Ergebnis war ein selten harter Schlagabtausch, bei dem die Moderatorin am Ende zu Unrecht schlechter aussah als der Politiker.“

„Ich wünsche mir mehr solcher Interviews“
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77 Kommentare zu "Gabriel vs. Slomka: „Zwei Selbstdarsteller rasen im ICE-Tempo aufeinander zu“"

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  • Die Vorstellung Slomka vs. Gabriel war wohl für beide recht unrühmlich und ein Ausrutscher. Die Welt wartet auf so etwas, Infotainment erster Güte. Tatsächlich war die Debatte wohl ein zufälliges, nicht geplantes Ergebnis der Sendung. Tatsächlich geraten zwei hochprofessionelle öffentliche Personen aneinander und reagieren, nun ja, menschlich und eben nicht professionell. Die politische Diskussion ist gerechtfertigt, aber in der Debatte ging es am Ende nicht um die Sache, sondern hier haben sich zwei emotional hochgeschaukelt. Hier gewinnt das ZDF auf ganzer Linie - zumindest was Publicity angeht.
    In Medientrainings lernt man immer als erstes: Die Medienvertreter können alles Fragen. Aber die Interviewten haben auch Rechte und in den Medientrainings lernt man, wie man mit unterschiedlichsten Interviewtechniken umgeht. U.a. auch mit Fragen mit denen man überhaupt nicht rechnet. Hier ist dem Herrn Gabriel offensichtlich der Gaul durchgegangen.
    Vor einem Millionenpublikum wird es immer viel Menschen geben, die sich mehr für die emotionale Komponente ("Entgleisungen") interessieren, als um die Ratio (das Politikum).
    Mein Fazit:
    Herr Gabriel: Die Diskussion ist kein quatsch!
    Frau Slomka: Sie haben die Kurve nicht hinbekommen. Das Thema ist eher etwas für ein Format wie Maybrit Illner als für ein ZDF-heute-journal. Das haben Sie sich nach der Sendung bestimmt auch gedacht.

  • Danke Frau Slomka,
    endlich wird bei klaren Fragen nachgefragt wenn diese nicht beantwortet wird. Das ZDF mit Frau Slomka ist auf jeden Fall politisch Neutraler. Das kennt die SPD oft nicht so, da in vielen Medien der Parteianteil der SPD über 60% geht. Da wird natürlich nur nach Genossenansicht berichtet und es gibt wirklich keine Neutrale Nachrichten.
    Wie ist das denn beim WDR, müssen da Mitarbeiter nicht sogar SPD Mitglieder sein um weiter zu kommen?
    Der hohe SPD Anteil in vielen großen Zeitungen und Medien ist meiner Meinung nach schon sehr fragwürdig.

  • GroFaZ oder GroKo - am Ende wird das Deutsche Volk erlöst werden. :-)

  • Sehe ich ganz anders. Klar, Gabriel benötigte die wertvolle Sendezeit natürlich, um den SPD Mitglieder zu diktieren wie sie abstimmen sollen und sich als lupenreiner Demokrat zu kaprizieren. In Wahrheit ist die SPD Abstimmung eine reine Farce, weil er als Parteivorsitzender noch nicht einmal die Verantwortung für seine eigene Machtpolitik übernehmen möchte, sondern die Schuld für das nächste Wahldebakel bei den SPD Mitglieder abladen will. Und Frau Slomka hat ihm nur den Spiegel vorgehalten.

  • Marietta Slomka hat ihre Arbeit gemacht. Sehr Gut. Überhaupt finde ich das Heute-Journal in der letzten Zeit erfrischender als je zuvor. Das gilt insbesondere auch für Klaus Kleber. Die Fragestellungen der beiden Profis sind gut durchdacht und versuchen den Gesprächspartner auf den Punkt zu bringen, was nicht leicht ist.
    Da es keine Aufzeichnung war, konnte man Gabriel's "mutiges", staatsmännisches Verhalten besonders gut einschätzen. Er konnte nicht auf vorgefertigte Antworten zurückgreifen, obwohl diese Fragen doch seit Wochen ein Dauerbrenner sind.

    Und dass Seehofer & Co. jetzt dem "Verbündeten" (das Wort wird arg strapaziert) zur Seite springen muß...... Offenbar tatsächlich eine eingeschworene Clique, die wahrscheinlich berät, wie man geschickt unbequemen journalitischen Fragen ausweicht, anstatt sich um die Sorgen und Bedürfnisse ihrer Wähler zu kümmern.
    Natürlich ist diese angedachte Regierung ein Treppenwitz, der nie und nimmer gewählt wurde.
    Seit ESM haben wir genug von den ewigen Abnickern - aus Sorge, sie könnten mal - gegen die noch Mächtigeren - mit nicht vorgefertigeten Fragen und Antworten konfrontiert werden - wie durch Slomka, Kleber, Illner.
    Nicht nur die magere, sogenannte Koalition ist zu bedauern, sondern das Wahlvolk, das machtlos ist gegen diese großkopferten Politfunktionäre. Wenn die AfD ins Parlament gekommen wäre, hätten wir vielleicht eine Perspektive.
    Aber diese passen nun mal nicht zu der Laienspielgruppe. Die würden ja vielleicht aufpassen, dass man uns nicht das letzte Hemd vertickt.
    Ich bin gespannt, ob die SPD-Basis einen klareren Durchblick hat und sich für demokratische Verhältnisse einsetzt - gegen die GroKo-Vereinbarung.

    Bei all dem Hickhack wären Neuwahlen angesagt!!!!

  • Das beste Interview im Staatsfernsehen seit Jahrzehnten. Keine von Kommunikationsberatern weichgespülte Hofberichterstattung. Entweder bekommt Slomka in einem Jahr die Kündigung, um keinen kausalen Zusammenhang herstellen zu können, oder sie kann sich mit Hilfe eines Journalisten-Preises noch retten. Denn wenn der Demokrat Gabriel "Vize-Kanzler" wird, kann Slomka bald nur noch das Nachtjournal oder den Fernsehgarten moderieren.

  • So wie bereits verschiedentlich Klaus Kleber hat sich jetzt auch Marietta Slomka als rechthaberische Selbstdarstellerin mit der Aura eines Eisbergs selbst demontiert. Das Sigmund Gabriel bei einem extrem konstruierten Thema nervös wurde ist verständlich, vor allem bei der Penetranz und Sturheit von Frau Slomka ohne jeden inhaltlichen Nachrichtenwert. Auch ein Parteichef ist ein Mensch. Er hätte sicherlich professioneller reagieren müssen (als künftiger Vizekanzler), um entweder den Eisberg zum Schmelzen zu bringen oder frühzeitig zu umschiffen. So gab es eine Kollision von Dampfschiff und Eisberg, bei der meistens das Schiff untergeht oder arg zerbeult ist und der Eisberg munter weiterschwimmt bis er(sie) sich dann in wärmeren Gewässern völlig auflöst. Ich kann nur hoffen, dass Frau Slomka beim ZDF demnächst nur Nachrichten spricht oder eine Beschäftigung ausserhalb der Fernsehmoderation findet.

  • Wenn es Slomka darum ging, die Dünnhäutigkeit von Gabriel zu zeigen, hat sie ihr Ziel erreicht. Wenn sogenannte Medienprofis Slomka dafür loben, dann gute Nacht! Inhaltlich hat Slomka das Interview völlig gegen die Wand gefahren. Ihre Argumente waren hanebüchen, eher schon peinlich, die Erklärungen Gabriels hat sie einfach ignoriert. Wenn es schon darum geht, den Interviewpartner "hart anzupacken", dann bitte schön mit Argumenten, die inhaltliche Substanz haben. Diese inhaltlich Substanz sehe ich bei Slomka nach diesem Interview beim besten Willen nicht mehr.

  • Sie teilt einem Piloten während der Landung mit, (fragen kann man ihre Äußerungen ja nicht nennen) dass es besser wäre, mit dem Schiff unterzugehen. Er erklärt, er mache weiter.
    Sie sagt, doch, sie habe in anderen Medien jemanden etwas sagen hören.

    Schlecht.
    Gabriel braucht den Beschluss und steht in der Ecke. Erwartet sie, dass er die ganze Sache abbläst, was er überhaupt nicht kann???

  • Frau S. hat auf die Argumente des Herrn G. nicht geantwortet, sondern ihre Eingangsworte (SPD-Mitglieder haben mehr Einfluss als.. ) wiederholt. Das ist keine Gesprächsführung.
    Die Worte (der und der hat in Zeitungen ...) sind keine echten Zeugen. Sie hätte selbst Verafssungsrechtler befragen können, aber das hat sie nicht.
    (P.S. Bin nicht in der SPD)

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