Gabriel-Wortgefecht im ZDF

„Lassen Sie uns diesen Quatsch beenden“

Die Debatte um die Mitgliederbefragung der SPD zum Koalitionsvertrag ist live im Fernsehen eskaliert. In einem konfusen Interview reagierte SPD-Chef Gabriel sichtlich genervt auf verfassungsrechtliche Zweifel.
Update: 29.11.2013 - 00:17 Uhr 80 Kommentare


BerlinSPD-Chef Sigmar Gabriel hat die verfassungsrechtlichen Bedenken zum Mitgliederentscheid über die große Koalition als „Quatsch“ bezeichnet – und sich darüber ein heftiges Wortgefecht mit der ZDF-Moderatorin Marietta Slomka geliefert. Gabriel rechtfertigte die Abstimmung der 475.000 SPD-Mitglieder am Donnerstagabend im Interview des „heute-journals“ damit, dass das Parteiengesetz zur innerparteilichen Demokratie verpflichte. Auf die Frage, ob er sich vorab verfassungsrechtliche Gedanken über den Basis-Entscheid gemacht habe, sagte Gabriel: „Nee, weil es ja auch Blödsinn ist.“

Einige Verfassungsrechtler – allen voran der Leipziger Staatsrechtler Christoph Degenhart – hatten bei Handelsblatt Online eine Debatte darüber angestoßen, ob es legal sei, dass SPD-Mitglieder einen größeren Einfluss auf die Politikbildung in Deutschland hätten als die Nicht-Parteimitglieder – also Millionen Wähler.

Gabriel sagte im Interview: „Wieso soll eigentlich direkte Demokratie in einer Partei verboten sein? Den Verfassungsrechtler, der sowas behauptet, den würde ich gerne mal kennenlernen.“ In der CDU entscheide nur der Vorstand, führte der SPD-Chef an: „Dann entscheiden ja noch weniger Menschen über das Schicksal der deutschen Demokratie. Seien Sie mir nicht böse, Frau Slomka, aber ich kann die Argumente nicht wirklich ernst nehmen.“

Auch die Frage, ob die SPD-Basis ihren Abgeordneten jetzt vorschreibe, wie sie abzustimmen haben, und ihnen damit die Wahlfreiheit nehme, tat Gabriel ab: „Das ist völlig falsch, was Sie sagen.“ Nachdem sie sich gegenseitig mehrmals ins Wort gefallen waren, sagte Gabriel zu Slomka: „Tun Sie mir einen Gefallen: Lassen Sie uns den Quatsch beenden.“ Durch den SPD-Basisentscheid werde etwas ganz anderes passieren: „Was die SPD jetzt macht, das wird nicht nur gut gehen, sondern es wird Schule machen.“

Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter wurde das Interview schnell zum Gesprächsthema Nummer eins. Je nach parteilicher Gesinnung ging Gabriel oder Slomka als Sieger aus dem Wortgefecht hervor, doch worin sich die Kommentatoren einig waren: „Das ist schon ein sehr bemerkens- und sehenswertes Interview“, wie es Journalist Hanning Voigts ausdrückte.

Wirtschaft kritisiert Koalitionsvertrag

  • dpa
Startseite

Mehr zu: Gabriel-Wortgefecht im ZDF - „Lassen Sie uns diesen Quatsch beenden“

80 Kommentare zu "Gabriel-Wortgefecht im ZDF: „Lassen Sie uns diesen Quatsch beenden“"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • DrynZi
    ruediriyadh

    vorweg 2 Feststellungen :
    1. ich bin kein SPD Wähler, fand Herrn Gabriel bislang nicht so toll
    2. die Sachlage an sich ist klar wie Klossbrühe : wer da Verfassungs-Bedenken äussert hat nicht nur eine Meise, sondern einen ganzen Vogelschwarm.

    Also : hier hat jemand offensichtlichen Blödsinn gefragt und immer wieder darauf rumgehackt. Das hat nichts zu tun mit investigativem Journalismus, das war einfach Scheisse. Und wenn Frau S. einfach weitermacht mit diesem Quatsch, die Antworten dabei völlig ignorierend, so ist das eben Scheisse. Herr G. hat das Wort "Blödsinn"gewählt, das klingt besser. Er hat sich getraut, das beim richtigen Namen zu nennen. Chapeau dafür ! Wir brauchen Politiker, die ab und zu auch ihre Meinung äussern, auch wenns im Moment nicht so elegant aussieht. Es gibt genügend andere, die einfach alles weglächeln und Worthülsen absondern. An denen lässt sich natürlich nicht "einhaken", weil man Gelee nicht zu fassen kriegt. Diese Sorte von Politikussen ist dann allerdings auch nicht in der Lage "Schluss jetzt" zu sagen, wenn der Onkel aus Amerika mal wieder wünscht, man möge mit ihm in den Krieg ziehen. Da sind mir solche Typen lieber, die sich sagen trauen, man möge mit dem Quatsch jetzt aufhören.
    Also Frau Slomka, Ihr Interwiew war einfach Scheisse. Und das muss deutlich gesagt werden !

  • Das war keine Quelle. ... hätte "in Medien" darüber geschrieben. Hörensagen. Nicht ihr eigenes. Und bei 100 Experten finden sich 101 Meinung.

  • Ich bin kein SPD Wähler und schätze Hr. Gabriel auch nicht besonders. Er hat auf die Fragen eine klare Antwort gegeben und als Frau Slomka bewusst/oder unbewusst seine Meinung nicht verstanden hatte musste er eben etwas deutlicher werden. Das ist ehrlich und macht Ihn sympatisch.
    Wenn sich Frau Merkel bei jedem zweiten Interview windet wie ein Aal sich selber widerspricht und sich alle Optionen offenhält um nicht noch mehr als Lügebkanzlerin darzustehen sollten Journalisten mal nachfragen, hier was das ganze konstruiert und Gabriel hat das gut gemacht.

  • Frau Slomka hat einen Angriff schön einstudiert und Herr Gabriel hat glänzend pariert. Die Wendung war genial, die Angreiferin wurde zur Bissgurke und der Verteidiger blieb sehr souverän, auch wenn manche eine Dünnhäutigkeit sehen. Man bedenke das Szenario: Die Angreiferin hat sich in Ruhe vorbereitet und sitzt im ruhigen Studio. Der Angegriffene befindet sich mitten im Trubel und hat sicherlich viele Emotionen seiner "Basis" "im Kreuz". Summa summarum ein Beispiel für üblen Journalismus
    LO

  • Herr Gabriel hat doch Recht, der Argumentationsgang von Fr. Slomka ist nonsens und so, wie sie weiter auf dem Thema beharrt, ist es auch kein Wunder, dass er die Unterhaltung als Quatsch bezeichnet..
    Das einzige Problem ist hier mal wieder eine übermotivierte Journalistin/Moderatorin, die ihren Interviewpartner lieber mal ausreden lassen sollte, als stur ihrem Musterplan zu folgen.

  • @ petervon bremen @ Der Sprecher

    Selbstverständlich hat Sigmar Gabriel sehr
    dünnhäutig reagiert; er sollte sich schon vor
    Augen führen, was er sich geleistet hat.

    Allerdings hat auch Frau Slomka ihren Anteil
    an einem legendären Interview.

  • Ich verstehe Frau Slomkas Argumentation überhaupt nicht. Wieso wird der SPD ein Strick aus dieser Sache gedreht, wenn andere Parteien in der Tat ihre Programme mit noch weniger Menschen abstimmen? Slomkas Einwände klingen sehr gezwungen.

  • Lt. H.Gabriel stärkt die SPD Mitgliederbefragung die Demokratie, weil mehr als nur der Vorstand abstimmt. Groß nach klein.

    Wie gut hätte es dann erst der Demokratie nach dieser Logik getan, wenn ALLE Wähler erneut abgestimmt hätten?
    Es ist sonst UNDEMOKRATISCH H.G., wenn eine kleinere Gruppe später über eine Große abstimmt!

  • Gabriel hat vollkommen recht. Er hat klar und sachlich argumentiert!
    Fr. Slomka ist auch hier schwer erträglich.1
    J.S.
    FDP- Mitglied seit 40 Jahren


















    8Fr. Slomka ist schwer erträglich

  • Wer, wie Frau Slomka, die notorischen Nichtssagenwoller und Nebelkerzenwerfer aus der Politik, wie z. B. Herrn Schäuble und hier jetzt Herrn Gabriel, vorführt, aus der Reserve lockt und dazu bringt, die Hosen runter zu lassen,verdient höchsten Respekt. Respekt, den der Berufsstand des gängigen, gemainstreamten Polit- und Gefälligkeitsjournalisten leider nicht mehr verdient, je weiter sich dieser Typus des journalistischen, unkritischen Speichelleckers der Politik epidemisch weiter verbreitet. Was hilft, ist nur der aufrechte Gang, die aufrechte Haltung vor der Verlogenheit der selbsternannten Elitenpolitiker mit verlorener Bodenhaftung. Wer sich das im und beim ÖRR&F/GEZocke noch getraut, verdient, auch für den Fall der Wiederholung, Respekt für Mut, für Angstfreiheit vor der Parteien- und Meinungsoligarchenmacht.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%