Gabriel-Wortgefecht im ZDF
„Lassen Sie uns diesen Quatsch beenden“

Die Debatte um die Mitgliederbefragung der SPD zum Koalitionsvertrag ist live im Fernsehen eskaliert. In einem konfusen Interview reagierte SPD-Chef Gabriel sichtlich genervt auf verfassungsrechtliche Zweifel.
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BerlinSPD-Chef Sigmar Gabriel hat die verfassungsrechtlichen Bedenken zum Mitgliederentscheid über die große Koalition als „Quatsch“ bezeichnet – und sich darüber ein heftiges Wortgefecht mit der ZDF-Moderatorin Marietta Slomka geliefert. Gabriel rechtfertigte die Abstimmung der 475.000 SPD-Mitglieder am Donnerstagabend im Interview des „heute-journals“ damit, dass das Parteiengesetz zur innerparteilichen Demokratie verpflichte. Auf die Frage, ob er sich vorab verfassungsrechtliche Gedanken über den Basis-Entscheid gemacht habe, sagte Gabriel: „Nee, weil es ja auch Blödsinn ist.“

Einige Verfassungsrechtler – allen voran der Leipziger Staatsrechtler Christoph Degenhart – hatten bei Handelsblatt Online eine Debatte darüber angestoßen, ob es legal sei, dass SPD-Mitglieder einen größeren Einfluss auf die Politikbildung in Deutschland hätten als die Nicht-Parteimitglieder – also Millionen Wähler.

Gabriel sagte im Interview: „Wieso soll eigentlich direkte Demokratie in einer Partei verboten sein? Den Verfassungsrechtler, der sowas behauptet, den würde ich gerne mal kennenlernen.“ In der CDU entscheide nur der Vorstand, führte der SPD-Chef an: „Dann entscheiden ja noch weniger Menschen über das Schicksal der deutschen Demokratie. Seien Sie mir nicht böse, Frau Slomka, aber ich kann die Argumente nicht wirklich ernst nehmen.“

Auch die Frage, ob die SPD-Basis ihren Abgeordneten jetzt vorschreibe, wie sie abzustimmen haben, und ihnen damit die Wahlfreiheit nehme, tat Gabriel ab: „Das ist völlig falsch, was Sie sagen.“ Nachdem sie sich gegenseitig mehrmals ins Wort gefallen waren, sagte Gabriel zu Slomka: „Tun Sie mir einen Gefallen: Lassen Sie uns den Quatsch beenden.“ Durch den SPD-Basisentscheid werde etwas ganz anderes passieren: „Was die SPD jetzt macht, das wird nicht nur gut gehen, sondern es wird Schule machen.“

Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter wurde das Interview schnell zum Gesprächsthema Nummer eins. Je nach parteilicher Gesinnung ging Gabriel oder Slomka als Sieger aus dem Wortgefecht hervor, doch worin sich die Kommentatoren einig waren: „Das ist schon ein sehr bemerkens- und sehenswertes Interview“, wie es Journalist Hanning Voigts ausdrückte.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Gabriel-Wortgefecht im ZDF: „Lassen Sie uns diesen Quatsch beenden“"

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  • DrynZi
    ruediriyadh

    vorweg 2 Feststellungen :
    1. ich bin kein SPD Wähler, fand Herrn Gabriel bislang nicht so toll
    2. die Sachlage an sich ist klar wie Klossbrühe : wer da Verfassungs-Bedenken äussert hat nicht nur eine Meise, sondern einen ganzen Vogelschwarm.

    Also : hier hat jemand offensichtlichen Blödsinn gefragt und immer wieder darauf rumgehackt. Das hat nichts zu tun mit investigativem Journalismus, das war einfach Scheisse. Und wenn Frau S. einfach weitermacht mit diesem Quatsch, die Antworten dabei völlig ignorierend, so ist das eben Scheisse. Herr G. hat das Wort "Blödsinn"gewählt, das klingt besser. Er hat sich getraut, das beim richtigen Namen zu nennen. Chapeau dafür ! Wir brauchen Politiker, die ab und zu auch ihre Meinung äussern, auch wenns im Moment nicht so elegant aussieht. Es gibt genügend andere, die einfach alles weglächeln und Worthülsen absondern. An denen lässt sich natürlich nicht "einhaken", weil man Gelee nicht zu fassen kriegt. Diese Sorte von Politikussen ist dann allerdings auch nicht in der Lage "Schluss jetzt" zu sagen, wenn der Onkel aus Amerika mal wieder wünscht, man möge mit ihm in den Krieg ziehen. Da sind mir solche Typen lieber, die sich sagen trauen, man möge mit dem Quatsch jetzt aufhören.
    Also Frau Slomka, Ihr Interwiew war einfach Scheisse. Und das muss deutlich gesagt werden !

  • Das war keine Quelle. ... hätte "in Medien" darüber geschrieben. Hörensagen. Nicht ihr eigenes. Und bei 100 Experten finden sich 101 Meinung.

  • Ich bin kein SPD Wähler und schätze Hr. Gabriel auch nicht besonders. Er hat auf die Fragen eine klare Antwort gegeben und als Frau Slomka bewusst/oder unbewusst seine Meinung nicht verstanden hatte musste er eben etwas deutlicher werden. Das ist ehrlich und macht Ihn sympatisch.
    Wenn sich Frau Merkel bei jedem zweiten Interview windet wie ein Aal sich selber widerspricht und sich alle Optionen offenhält um nicht noch mehr als Lügebkanzlerin darzustehen sollten Journalisten mal nachfragen, hier was das ganze konstruiert und Gabriel hat das gut gemacht.

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