Gregor Gysi im Interview
„Die SPD ist nicht besonders glaubwürdig“

Komplimente für die Kanzlerin, harte Kritik für die SPD. Im Interview spricht Linken-Fraktionschef Gysi Klartext. Er skizziert, warum der Euro bleiben muss und Kritiker wie die AfD im Bundestag nichts zu suchen haben.
  • 112

Handelsblatt Online: Herr Gysi, taugt die Griechenland-Debatte zum Wahlkampfthema? Gregor Gysi: Ich bin da skeptisch. Es wird ein zu intellektuelles Thema daraus gemacht.

Die SPD sieht das ein bisschen anders. Ihr Vorsitzender Gabriel hat Merkel schon aufgefordert, anstehende weitere Hilfen vor der Bundestagswahl konkret zu benennen.

Das ist ja auch richtig. Frau Merkel darf jetzt nicht rumeiern, sondern muss konkret sagen, was auf uns zukommt. Aber die SPD ist nicht besonders glaubwürdig. Sie mault rum und kritisiert den Sozialabbau in Griechenland. Dabei wusste sie bei jedem Euro-Rettungsschirm, dass das damit verbunden ist. Und trotzdem hat sie immer zugestimmt. Da hätte die SPD mal Opposition sein und dagegen stimmen müssen.

Das hat sie aber nicht getan. Trotzdem scheint sie mit Griechenland ein Thema gefunden zu haben, mit dem sie Frau Merkel Paroli bieten will.

Man darf nie ausschließen, dass auch mal Wunder geschehen. Daran glaube ich aber nicht. Die SPD wird bei der Bundestagswahl kein gutes Ergebnis erzielen.

Die Euro-Gegner von der Alternative für Deutschland (AfD) haben das Thema auch schon für sich reklamiert. Fürchten Sie, dass die AfD dadurch den nötigen Schub für den Einzug in den Bundestag erhält?

Nein. Die AfD bekommt die Wende nicht mehr hin. Die Partei will raus aus dem Euro. Und ich bin überzeugt, dass die Bürger diesen Weg für falsch halten. Ich halte das ja auch für den falschen Weg.

Warum?

Deutschland ist Vize-Exportweltmeister. Das ist gar nicht so gut wie es klingt. Denn wir sind sehr abhängig von der Kaufkraft anderer Länder. Deshalb plädieren wir immer für eine Stärkung der Kaufkraft in Deutschland, also Lohnerhöhungen und Anhebungen von Renten und Sozialleistungen, um die Binnenkonjunktur anzukurbeln. Damit wir nicht so abhängig sind vom Export. Wenn wir jetzt aber den Euro verließen, dann würden die anderen Währungen ganz stark an Wert verlieren und unsere würde immer wertvoller. Das Ergebnis wäre, dass wir so gut wie nichts mehr exportiert bekämen, weil wir einfach zu teuer sind. Punkt.

Aber der Fall, dass Deutschland den Euro verlässt, wird ja nie eintreten. Wer sollte das wollen. Selbst wenn die AfD in den Bundestag käme. Man hätte dann allerdings eine deutliche Euro-Gegenposition im Parlament.

Richtig. Aber auch eine Gegenposition zu höheren Löhnen und Renten. Die AfD vertritt sehr unsoziale Positionen. Da sitzt einer im Vorstand, der will durchsetzen, dass allen, die Sozialleistungen beziehen, das Wahlrecht entzogen wird. Das ist doch eine abstruse Forderung. So jemanden möchte ich nicht im Bundestag haben.

Kommentare zu " Gregor Gysi im Interview: „Die SPD ist nicht besonders glaubwürdig“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Lieber Marten, Kommunikation ohne Agitation ist ein Fremdwort für Sie? Oder warum betiteln Sie mich mit Schimpfworten? Reichen Ihnen Argumente nicht aus? Müssen Sie andere beschimpfen, weil Sie sich selbst unerträglich finden? Oder können Sie sich selbst einfach nicht annehmen, ohne das Gefühl, etwas Besseres zu sein als andere? Oder sind Sie gar Polizist? Einer von denen, die wollen, dass es einen eigenen Paragraphen fürs Beleidigen von Beamten gibt, die für sich aber die Freiheit beanspruchen alle Nichtbeamten als minderwertigeres Menschenmaterial zu sehen und Rechte nur Reichen zugestehen? Ich werd's wohl nicht rausfinden, aber nun halten Sie sich fest: Ihre Zahlen und Quellen stammen aus 2011, 2012 kam es ans Tageslicht, dass Neonazis ungestört Morden durften. Vielleicht ging das deshalb, weil allen politisch links orientierten wo es nur ging etwas angehängt wurde. Meine Ausführungen zum NSU UAusschuss hingegen sind in der Gegenwart anzusiedeln, Sie leben offenbar lieber in der Vergangenheit und akzeptieren nur die Wahrheiten, die Ihre Ideologie stützen und alles andere negieren Sie. Zur Erinnerung, wir leben in 2013.

  • Was heißt links und rechts? Links steht für eine unnatürliche Gleichmacherei der Gesellschaft, rechts für die natürlichen Unterschiede in einer Gesellschaft. Nazis sind Linke mit nationalistischem Zusatz. Sie wollen wie ihre Brüder, die Linkspartei, die freie demokratische Gesellschaft beseitigen.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%