Hoffen auf Rot-Rot-Grün
Linke prophezeit Scheitern einer Großen Koalition

Auch wenn am Ende die Große Koalition drohen könnte: Die Linke hat den Glauben an Rot-Rot-Grün noch nicht verloren. Linksfraktionsvize Wagenknecht sieht sogar mögliche Gemeinsamkeiten mit der SPD in der Euro-Frage.
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BerlinDie Vize-Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, Sarah Wagenknecht, hat die Möglichkeit einer Koalition mit SPD und Grünen noch nicht abgeschrieben. „Je besser unser Ergebnis, desto größer ist die Chance, dass die SPD zur Besinnung kommt und sich daran erinnert, was sozialdemokratische Politik von Bebel bis Brandt einmal ausgemacht hat“, sagte Wagenknecht im Interview mit Handelsblatt Online. „Ich hoffe, dass sich in der SPD irgendwann die durchsetzen, die dieses Land ohne unsoziale Agenda-Politik gestalten wollen und es satt haben, als Mehrheitsbeschaffer einer Großen Koalition unter einer CDU-Kanzlerin zu dienen.“

Insbesondere in der Euro-Frage hält Wagenknecht Gemeinsamkeiten mit der SPD für möglich. „Wenn sich die Meinung in der SPD durchsetzt, dass Wachstum in den Krisenländern nicht durch brachiale Spardiktate erzeugt wird und Banken für ihre Verluste gefälligst selber haften sollen und nicht der Steuerzahler, dann hätten wir Gemeinsamkeiten“, sagte sie. „Wenn die SPD allerdings mit Herrn Schäuble und der EU-Kommission meint, dass der Euro-Schutzschirm ESM zu einem gigantischen Bankenrettungsschirm umfunktioniert werden soll, dann kommen wir mit Sicherheit nicht zusammen.“

Wagenknecht hält es auch für denkbar, dass beim ESM-Thema eine mögliche Große Koalition scheitert. „Je stärker wir als Linke werden, desto stärker ist im Falle einer Großen Koalition der Druck, speziell auf die SPD, ob man solche Entwicklungen weiter mitträgt“, sagte sie. Die SPD-Wähler seien mit Sicherheit nicht begeistert, wenn ihre Steuergelder für Bankverluste herhalten müssten, während gleichzeitig in Deutschland Städte und Gemeinden überschuldet sind und für höhere Renten und bessere Bildung angeblich kein Geld da ist. „Je höher unser Wahlergebnis, desto eher wird eine Regierung an dieser Frage scheitern, selbst wenn es eine Große Koalition ist“, sagte Wagenknecht.

SPD-Chef Sigmar Gabriel versuchte derweil die Spekulationen über eine Bereitschaft seiner Partei zu einer Großen Koalition einzudämmen. „Unsere Überzeugung ist, dass wir ausschließlich mit den Grünen eine verlässliche Grundlage haben“, sagte Gabriel am Donnerstagabend in einer gemeinsamen Sendung von ARD und ZDF. Zu Berichten über SPD-interne Planungen für eine Koalition mit der Union sagte Gabriel: „In der SPD ist es üblich, zu allen möglichen Dingen Papiere zu schreiben. Ich bin mir nicht mal sicher, ob das stimmt. Mir ist das egal.“

Kommentare zu " Hoffen auf Rot-Rot-Grün: Linke prophezeit Scheitern einer Großen Koalition"

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  • Freidenker,
    ich muss staunen, wie geduldig Sie immer wieder versuchen etwas Vernünftiges an Leute zu bringen, die es ganz einfach nicht verstehen wollen.
    Es ist doch so leicht und so praktisch die Schuld von Allem an Andere, bevorzugt im Ausland zu sehen.
    Wenn ich nur die Klischees von Manchen, zum Beispiel angeblich an eine gemeinsamen Projekt mit Franzosen beteiligt, lese, dann muss ich immer wieder schmunzeln. Wie würden die nur schauen, wenn sie wussten, wie Einfach-Denkende bei uns, im Elsass, die Deutsche sehen : faul, stur, verwöhnt und unfähig sich zu adaptieren...
    WIe esbei uns heisst : ein Esel sagt dem Anderen Langohr...
    Sie haben schon damit recht, dass ein Teil der wirtschaftlichen Probleme der Franzosen, aber auch anderer Europäer, den Lohndumping aus Deutschland als Ursache haben.
    Als Schröder die Agenda brachte, hatte er sich zuvor die Sicherheit bei seinen Partnern geholt, dass sie damals keine Maßnahmen ergreifen würden, die in die selbe Richtung gehen, um Deutschland nicht dazu zu zwingen, noch schlimmer zu deregulieren. Sie sagten zu. Das Ergebnis haben wir heute.
    Was damals eine Schock-Therapie sein sollte, um die Wirtschafts-Lage wieder aufzubauen, wird nun als Mindest-Zustand für eine gesunde Ökonomie dargestellt.
    Die Deutschen scheinen noch nicht verstanden zu habe, wie sehr diese Einstellung ihre soziale Kohäsion vernichtet.
    Ich glaube nicht, dass in Frankreich die Bevölkerung das annehmen wird, ich hoffe es wenigstens.
    Es gibt andere Lösungen, die nicht zurück ins soziale Mittelalter führen.

  • Was die deutsche Politik in den letzten 40 Jahren zu bieten hatte, war für mich zunehmend und absolut verabscheuungswürdig.

    http://marc-doll.de/index.php?option=com_content&view=article&id=51:negative-zitate&catid=41:buchtipp-zitate&Itemid=61

    Diese rasante Zunahme der Verachtung gegenüber der deutschen Bevölkerung und Deutschlands war schon richtig Abartig!
    Sogar im Ausland wurde es bemerkt, die Krönung war dann der Bericht des CIA-Chefs Hyaden.

    „Die renommierte “Washington Post” zitierte den Boss des amerikanischen Geheimdienstes CIA, Hayden, mit den Worten, dass Deutschland spätestens im Jahre 2020 nicht mehr regierbar sei.“

    Google: CIA prophezeit Bürgerkrieg in Deutschland und EU



    Vor ca. 4 Monaten wurde ich dann zu meinem Erstaunen überrascht, „Alternative für Deutschland“.

    Es hat mich nicht mehr losgelassen.

    Neugierig geworden, fing ich an zu recherchieren.
    Es verging fast kein Tag mehr ohne wachsende Begeisterung.

    Das Unglaubliche kam zum Vorschein „DEMOKRATIE“

    Ich konnte es nicht fassen ...

    So sicher wie das Amen in der Kirche werde ich AfD wählen!

    AfD-Spitzenkandidat Jörn Kruse über demokratische Entscheidungsfindung
    http://www.youtube.com/watch?v=dlj_suYrZzc&feature=c4-overview&list=UUwyiPnNlT8UABRmGmU0T9jg

    Demokratie und Menschenachtung müssen in Deutschland wieder durch die AfD eingeführt werden.

    Das Glück liegt in unseren Händen, am 22.09.2013!

    Kein Bleistift zum ankreuzen benutzen!

  • Aber aber, ruhig bleiben...

    Meine Frage bezog sich nicht auf die ideologischen Hintergründe einzelner Akteure, sondern auf die Ausschliesseritis der Etablierten und die Verweigerung sachlich argumentativer Diskussionen. Auf die Verweigerung der Mehrheitsmeinung Respekt entgegenzubringen.
    Es geht mir nicht um Weltanschauungsmodelle oder Verschwörungstheorien.

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