Interview mit Sahra Wagenknecht

„Sonst ist Deutschland auch bankrott“

Sahra Wagenknecht fürchtet eine Zuspitzung der Euro-Krise, sollte die nächste Regierung nicht gegensteuern. Im Interview sagt die Linksfraktionsvize, was sich ändern muss. Und warum Rot-Rot-Grün gut für Deutschland wäre.
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Die Linke Sahra Wagenknecht genießt in Geld-Angelegenheiten das Vertrauen des Hauptgeschäftsführers des deutschen Bankenverbands. Quelle: dpa

Die Linke Sahra Wagenknecht genießt in Geld-Angelegenheiten das Vertrauen des Hauptgeschäftsführers des deutschen Bankenverbands.

(Foto: dpa)

Handelsblatt Online: Die meisten Experten oder Unternehmen sind zuversichtlich, wenn man sie fragt, wie es mit der Konjunktur weitergehen wird. Eine bessere Wahlkampfhilfe für Kanzlerin Merkel kann es nicht geben, oder? Sahra Wagenknecht: Ich teile diese Zuversicht nicht, weil es gleichzeitig auch ganz andere Signale gibt. Vor kurzem gab es eine Umfrage, dass jeder zehnte Mittelständler ums Überleben kämpft. Dass vor allem kleine Unternehmen mit wenig Eigenkapital große Probleme haben, günstige Kredite zu bekommen und teilweise auf Dispokredite mit horrenden Zinsen ausweichen müssen. Es steht in den Sternen, ob die jetzt so gefeierten positiven Konjunkturerwartungen auch wirklich eintreten.

Der Index der Mannheimer ZEW-Forscher sprang aber zuletzt deutlich – von 42 auf 50 Punkte. Das ist schon ein beeindruckender Wert.

Auch der Ifo-Index hat oft genug super Konjunkturwetter prognostiziert, oft ist es dann aber nicht so gekommen. Mich interessieren vielmehr die harten Zahlen. Die Auftragseingänge aus dem Euro-Land steigen nicht, sie stagnieren, teilweise brechen sie sogar weg. Und in Deutschland haben wir zwar Beschäftigtenzahlen, die sich auf dem Papier gut lesen. In Wahrheit haben wir viele schlecht bezahlte Jobs, und die Nettolöhne pro Arbeitnehmer sind im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahr gerade mal um 1,3 Prozent gestiegen.

Immerhin.

Das ist aber wieder ein Reallohnverlust, weil die Inflation höher war. Wenn die Menschen langfristig weniger im Geldbeutel haben, schlägt das auf die Binnenkonjunktur durch. Darauf zu setzen, dass die Leute immer mehr konsumieren, weil sie kaum noch Zinsen für ihr Erspartes bekommen, ist zynisch und gefährlich. Auf Dauer kann dieser Effekt keine Konjunktur tragen.

Wenn so viele Menschen unzufrieden sind, warum wählen dann nur wenige die Linkspartei?

So wenige sind es ja nicht. Derzeit liegen wir in Umfragen bei etwa 10 Prozent. Ein großes Problem ist, dass die SPD die einzige realistische Regierungsoption, die nicht auf Frau Merkel als Regierungschefin hinausläuft, ausschließt. Deshalb haben viele Leute das Gefühl, es lohnt sich nicht zur Wahl zu gehen, weil sie nur darüber zu entscheiden haben, mit wem Frau Merkel weiter regiert. Aber es ist natürlich ein Irrtum, wenn man deshalb die Wahl für bedeutungslos hält: Die Stärke der Linken wird wesentlich darüber entscheiden, ob sich die nächste Regierung trauen wird, erneut soziale Leistungen zu streichen oder weitere Milliarden für angebliche Euro-Rettungspakete, die nur den Banken dienen, zu verschleudern.

"Bei der jetzigen Politik hat der Euro keine Perspektive"
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  • Wagenknecht ist eine exzellente Analytikerin und trifft den Nagel auf den Kopf. In Bezug auf ihre Sachkenntnis kann ihr kaum jemand das Wasser reichen.
    Mit ihrer Prognose den Euro betreffend wird sie wohl recht behalten. Wir dürfen uns auf eine dicke Rechnung freuen.
    Ich werde die Konkurrenz wählen, die nicht in den Bundestag kommt. Falls sie es aber doch schaffen sollte, könnte man die etablierten Parteisoldaten richtig in die Zange nehmen.

  • "Links =Kommis= schlecht" bla bla bla bla. Einfach mal EIGENSTÄNDIG informieren und sich nicht von den Propagandamedien berieseln lassen. Unglaublich wie die Leute auf jede Hetze gegen die Linke reinfallen.

  • Sinn hält die Agenda 2010 übrigens für richtig. Und er ist alles andere als unabhängig

  • Wenn man nichts kapiert, dann sollte man sich auch nicht an einer politischen Diskussion beteiligen. Dass die Löhne rauf müssen liegt doch auf der Hand, der deutsche Binnenmarkt schwächelt schon längst. Aber seien Sie weiter dafür, dass die Aktionäre die fetten Gewinne einfahren, die die Leiharbeitnehmer und Werksverträgler erwirtschaftet haben; da sind Sie ja in Deutschland in bester Gesellschaft

  • Die Frau hat einen Doktor in VWL also schön Bal flach halten, ja?

  • schon wieder jemand, der nur dummes Zeug redet und nicht selbst nachforscht. Die Linke ist EINZIGE demokratische Partei im Bundestag und entgegen dem Glauben der dummen Masse ist sie nicht eine SED Nachfolgepartei, sondern ein Zusammenschluss aus WASG (abtrünnige SPDler, die unter Schröder aus der SPD weggegangen sind) und PDS. Wenn man sich etwas mit Politik in den letzten Jahren befasst hat, dann müsste klar sein, dass die Linke die einzige ist, die Rückgrat bewiesen hat. Die SPD und Grüne schreiben sich jetzt zwar die Forderungen der Linken auf die Fahnen, haben aber brav mit der Regierung mitgestimmt. Wer den Beweis braucht, dass die 4 anderen Partei (CDU;SPD, FDP Grüne) eben gar nicht für das Volk regieren können, weil sie bei jemand anderem in der Pflicht stehen, der möge sich die Parteispendenliste aus der Wirtschaft mal anschauen. BMW (Familie Quandt) war ganz schlau und hat sich sogar bei CDU, SPD UND der FDP eingekauft, so dass sie überall ihre Finger im Spiel haben können.



  • Wieso "retten" wir eigentlich im "Jahre 5n.Lehman" immer noch mit gigantischen Beträgen Banken ? Oder Staaten ?

  • Je mehr ich von Ihrem Gedankengut lese, Frau Wagenknecht, desto sympatischer werden Sie mir.
    Ich fand Oskar schon immer gut - viele seiner Voraussagen haben sich bewahrheitet. Zusammen ein Super Gespann - leider ein paar Jahre zu spät.
    Am Sonntag werde ich Sie wählen. Meine Zweitstimme bekommt allerdings die AfD.

  • @jstm

    Die Druckorgien verdünnen letztlich das Geld bis es nichts mehr wert ist.

    Und damit der Dummmichel es nicht merkt haben wir ja die offizielle Preissteigerungsrate. Dieser variable Warenkorb erlaubt Manipulation im großen Stil.
    M. E. nach sind wir noch am Anfang, es kommt noch viel besser.

    Frau Wagenknechts Analyse ist völlig richtig. Die Begrenzung des Niedriglohnsektor müßte sofort beginnen, aber bedächtig. Die Wettbewerbfähigkeit D sollte dabei nicht ausser acht gelassen werden.
    Ein weiter so a la Minister für Ungefähres kann nur zum Knall führen, auch in D.

    Schönen Tag noch.

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