Jeder Dritte ist ein Nichtwähler
Wahl? Mir doch egal!

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„Wir haben keine Chance, gewählt zu werden“

Er erinnert sich noch heute an eine Diskussion mit dem damals noch beinahe unbekannten Wolfgang Schäuble. Der, so erzählt Peters, setzte sich damals mit voller Leidenschaft und Lautstärke für alles ein, was Peters eigenen Vorstellungen von guten und gerechten Gesetzen zur Parteienfinanzierung widersprach.

Wolfgang Peters trat aus der CDU aus. Wolfgang Schäuble wiederum legte eine steile Karriere hin: Nur ein Jahr nach der Diskussion machte Helmut Kohl ihn zu seinem Chef des Bundeskanzleramtes, er verhandelte für die Bundesrepublik den Einigungsvertrag mit der DDR und wurde schließlich unter Angela Merkel erst Innenminister und schließlich Finanzminister.

Ein Leben für die Politik, ein Leben in der Berliner Glaskugel, das sieht Werner Peters im Lebenslauf von Wolfgang Schäuble. „Er ist für mich der typische Fall von Politiker, den wir aus der Welt schaffen sollten“, sagt der 71-Jährige. Berufspolitiker, das sind in seinen Augen Menschen, die die eigene Karriere über die Botschaften stellen, die den Kontakt zur Realität – und letztendlich auch zum Wähler verloren haben. „Die können sich einfach nicht gegen ihre Partei stellen, weil die Partei mit ihren Hierarchien Teil ihrer Lebensplanung ist“, sagt er.

Werner Peters hingegen will alles anders machen. „Wir sind eine Partei, die die totale Freiheit propagiert“, sagt er. Sollten die Nichtwähler jemals in ein Parlament kommen, gäbe es dort keinen Fraktionszwang. Doch das ist höchst unrealistisch: Nur 6827 Menschen wählten die Partei der Nichtwähler, als diese 1998 in Nordrhein-Westfalen zur Bundeswahl antrat. Umgerechnet sind das 0,014 Prozent. 2005 wurden die Nichtwähler nicht einmal zur Wahl zugelassen. Zu wenig Inhalte, zu wenig Mitglieder, hieß es in der Begründung des Bundeswahlausschusses. Danach löst sich die Partei auf. Erst 2011 gründet Werner Peters die Bewegung wieder neu.

Diesmal hofft die Partei, nicht nur in Nordrhein-Westfalen, sondern auch in Berlin und Schleswig-Holstein antreten zu können. „Ich weiß, wir haben keine Chance, gewählt zu werden“, sagt Peters. Das will er auch nicht. Er will ein bestimmtes Bewusstsein schaffen. Damit sich vielleicht irgendwann einmal die Millionen Nichtwähler in Deutschland zusammenschließen, um ihren Protest nicht nur durch die verweigerte Stimmabgabe zu äußern.

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Viele Nichtwähler sind Opportunisten

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Jacqueline Goebel
Jacqueline Goebel
WirtschaftsWoche / Redakteurin

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  • Um es einmal ganz klar zu stellen: Die 'Partei der Nichtwähler' will, dass die Bürger zur Wahl gehen. Sie nennt sich im Untertitel: 'Die Alternative zur Stimmenthaltung.' Also, klar das Gegenteil von Nichtwählen gehen!Viele haben hier darauf hingewiesen, dass ungültige Wahlzettel automatisch an die gewählten Parteien gehen.Zum ersten Mal würden die Nichtwähler beim Ankreuzen der 'Partei der Nichtwähler' ein klares Zeichen setzen, dass sie nicht wahlmüde sind , sondern sich nicht mehr von den herrschenden Parteien vertreten sehen.Zudem fordert die Partei eine Reform des Parteiensystems: 1. keinen Fraktiionszwang, 2. keine Koalitionsverträge, 3. Abgeordnete nur noch für zwei Legislaturperioden wählbar. Wenige Mächtige haben in Deutschland das Sagen.Warum:Weil das politische Parteien-System es ihnen erlaubt.

  • Ich werde die “Neue Mitte” wählen

    http://www.neue-mitte.net/pdf/neue-mitte_wahl_2013_kurzprogramm.pdf

  • Es in Deutschland immer volksnahe Politiker und Parteien gegeben.

    Diese werden von der überwiegendenen Mehrheit der Medien, die mit den etablierten Parteien verquickt sind, entweder totgeschwiegen oder als "rechtsextrem" diffamiert.

    Zudem wird über Themen und Gefahren, die die Bevölkerung wirklich interessieren müssten, und auch eine Änderung des Wahlverhaltens herbeiführen könnten, z. B. der demographische Entwicklung hin zur islamischen Mehrheitsgesellschaft,
    http://korrektheiten.com/2009/05/01/demographischer-djihad-und-der-selbstmord-des-deutschen-volkes/

    die asoziale Lobbypolitik für Großbanker beispielsweise in Form der Euro-Rettung,
    http://schwertasblog.wordpress.com/2013/04/09/merkel-und-der-euro-dienen-beide-der-internationalen-hochfinanz-was-sie-uber-den-eurobetrug-wissen-mussen/

    die Lobbyhinteressen hinter den Kriegen der US und ihrer Verbündete im Irak, Syrien, Lybien usw.
    http://schwertasblog.wordpress.com/2011/08/08/wie-die-israel-lobby-zum-irakkrieg-drangte/

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