Koalition steht

Wer schluckt die größte Kröte?

Union und SPD haben sich auf den Koalitionsvertrag geeinigt. In einer 17-Stunden-Sitzung lösten die Parteispitzen die großen Streitpunkte. Zehn Kröten lagen auf dem Teller – wir sagen, wer welche schlucken musste.
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Die Suche nach Kompromissen ist nicht appetitlich. Quelle: Getty Images

Die Suche nach Kompromissen ist nicht appetitlich.

(Foto: Getty Images)

DüsseldorfKurz vor Sonnenaufgang machte die Meldung im Willy-Brandt-Haus die Runde: Die Parteispitzen sind sich einig, die Große Koalition steht. Die Abstimmung in großer Runde mit mehr als 70 Unterhändlern war nach einem 17-Stunden-Verhandlungsmarathon nur noch Formsache. Anschließend blieben nur wenige Stunden Schlaf – denn schon am Mittag stellten die Parteichefs den Vertrag offiziell vor. Die gemeinsame Pressekonferenz von Angela Merkel, Horst Seehofer und Sigmar Gabriel war auf 12 Uhr angesetzt. Die drei präsentierten das Vertragswerk, das sie kurz zuvor unterzeichnet hatten.

Der Kampf um die Deutungshoheit hatte aber schon vorher begonnen. SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles äußerte sich nach den Schlussverhandlung betont zufrieden. Man könne diesen Vertrag den SPD-Mitgliedern zur Abstimmung vorlegen, sagte sie. Nahles hob besonders den vereinbarten flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro ab 2015 hervor, ebenso die abschlagsfreie Rente mit 63 nach 45 Beitragsjahren.

Ihr Pendant auf Seiten der CSU, Alexander Dobrindt, betonte in seinem Statement, die für seine Partei wichtigen Punkte wie die Pkw-Maut. Nach seinen Worten spiegelt der neue schwarz-rote Koalitionsvertrag das Wahlergebnis wider. Er enthalte eine deutliche Handschrift der Union, sagte er. Eine Sichtweise, die auch CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe für sich reklamierte: Die Vereinbarung trage „eine christsoziale und eine christdemokratische Handschrift“.

Fakt ist, sowohl Union als auch SPD mussten schmerzliche Zugeständnisse machen. Zu festgefahren waren die Positionen im Wahlkampf bei Themen wie Maut, Mindestlohn und Rente. Auch über die Finanzierung der zahlreichen Wahlversprechen wurde gestritten. Doch wer musste die größeren Kröten schlucken? Handelsblatt Online macht den Check.

Kröte Mindestlohn
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80 Kommentare zu "Koalition steht: CDU, CSU oder SPD – Wer schluckt die größte Kröte?"

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  • Sind wir mit dem aktuellen Koalitionsvertrag eigentlich näher am Endsieg, oder am Kollektiv?

    Warum nennt man es nicht einfach SED 2.0 und macht Werbeslogans wie "Besser für da Volk!" ... o.ä.

    „Das Wir entscheidet“ ist gar nicht mehr großartig entfernt vom damaligen SED-Slogarn „Vom Ich zum Wir“

    Ich empfinde das alles wie Zwangskollektivierung wie vermutlich damals auch schon in der DDR.


    Jetzt passt plötzlich das Gesamtbild „Europa“ wie Topf und Decken zusammen.

    http://de.ibtimes.com/articles/25816/20120620/nigel-farage-barroso-und-seine-gef-hrten-sind-kommunisten.htm

    http://en.wikipedia.org/wiki/Portuguese_Workers'_Communist_Party

    http://de.wikipedia.org/wiki/Mao_Zedong

  • Nun, wenn man es mag, dass jetzt Wahlverlierer nicht nur in Amt und Würden kommen, sondern obendrein auch noch die Richtung vorgeben, dann haben Sie natürlich Recht.
    Und: Mit dem Genießen haben Sie natürlich auch Recht - denn viele Punkte des Koalitionsvertrages sehen vor, dass damit bald (zumindest für viele Arbeitnehmer und Otto Mittelschicht) Schluss sein dürfte.

  • Doppelte Staatsbürgerschaft? Endlich müssen diese Leute doppelte die gesamten Steuer zahlen, oder? Wieso will man die Kriminalisieren? Z.B. Griechen und Türken mobilisieren. Ein Mann kann nur in einer Armee dienen, außer man ist deutscher Politiker. Forscher bei Daimler und BMW? Islamist und Jude gleichzeitig? In einem Staat Millionär und in Deutschland arm. Also fordert er Unterstützung in Deutschland! Dies geht nur bei deutschen Politikern?

  • @faktgeo
    Der Irrsinn vieler Kommentatoren ist kaum zu glauben: Koalitionsverhandlungen bedeuten immer Kompromisse. Auch wenn die Ergebnisse teurer werden, kommen sie doch Vielen zu Gute.
    Deshalb wieder zurück zum realen Leben: Das Konsumklima ist so gut wie seit langen nicht mehr. Genießt das Leben in einem sicheren und insgesamt wohlhabenden Land (vor allem bei uns in Bayern) und werdet nicht grün, rot oder schwarz vor Ärger, Neid oder Jammern.
    Genau so ist es.
    Immer wenn meine Stimmung im Keller ist, lese ich die Leser-Kommentare im HB. Dann kann ich vor lachen kaum noch schnaufen. 80 % sind die reinste Slapstik. Bei den "Zuallemschreibern" kann man zu 100% voraussagen was drin steht.

  • @fakzgeo
    Der Irrsinn vieler Kommentatoren ist kaum zu glauben: Koalitionsverhandlungen bedeuten immer Kompromisse. Auch wenn die Ergebnisse teurer werden, kommen sie doch Vielen zu Gute.
    Deshalb wieder zurück zum realen Leben: Das Konsumklima ist so gut wie seit langen nicht mehr. Genießt das Leben in einem sicheren und insgesamt wohlhabenden Land (vor allem bei uns in Bayern) und werdet nicht grün, rot oder schwarz vor Ärger, Neid oder Jammern.

    Genau so ist es!
    Immer wenn meine Stimmung im Keller ist lese ich die Leser-Kommentare im HB. Dann kann ich vor lachen kaum noch schnaufen. 80 % sind die reinste Slapstik. Bei den "Zuallemschreiber" kann man mit 100% voraussagen was drin steht.

  • Mutig, dass sie sich offen zur SPD bekennen! Wenn sie den Wandel wollen , wählen sie doch bitte etwas anderes!!

  • Der Irrsinn vieler Kommentatoren ist kaum zu glauben: Koalitionsverhandlungen bedeuten immer Kompromisse. Auch wenn die Ergebnisse teurer werden, kommen sie doch Vielen zu Gute.
    Deshalb wieder zurück zum realen Leben: Das Konsumklima ist so gut wie seit langen nicht mehr. Genießt das Leben in einem sicheren und insgesamt wohlhabenden Land (vor allem bei uns in Bayern) und werdet nicht grün, rot oder schwarz vor Ärger, Neid oder Jammern.

  • faistmeister
    das sagen Sie so einfach
    Nur den meisten Deutschen wird das wohl gar kein Begriff sein, wer liest denn den Koalitionsvertrag?
    Wer befaßt sich damit, dass die Sozialvers. teurer werden wird?
    So lange der dumme deutsche Michl nicht aufwacht, können die in Berlin tun was sie wollen und das wissen sie.
    Den Deutschen fehlt ein kleines bißchen von der Revolutionskulur der Franzosen

  • Wolfsfreund
    mir geht es ähnlich.
    Deswegen schreibe ich zur doppelten Staatsbürgerschat auch lieber gar nichts

  • Mehr direkte Demokratie nach dem Vorbild der Schweiz wäre eine Alternative.

    Schauen Sie sich bitte um in der Welt. Die Politik blockiert sich größtenteils selbst. Wo sie sich nicht blockiert, wird Geld von unten nach oben verschoben.

    Laut GINI-Koeffizient ist die Ungleichheit vor allem in Deutschland und vor allem in den letzten 10 Jahren zunehmend gestiegen.
    Aber fortwährend wird über weitere Freihandelsabkommen diskutiert, während immer mehr Menschen (im Westen) verarmen. Die Arbeitgeber sprich Großunternehmen spielen ihre Interessen gnadenlos aus - und wundern sich teils über ausbleibende Konsumenten und daraus resultierenden härteren Wettbewerb. Wodurch wieder bei den Löhnen gespart werden "muss" ...

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