Koalitionsgespräche – das große Finale
Siggi gibt, Angela hört, Horst reizt

Jetzt schlägt die Stunde der Parteichefs: Angela Merkel, Horst Seehofer und Sigmar Gabriel machen die letzten Streitpunkte unter sich aus. Wie? Autor Dirk Roß ahnt, wie die letzte Nachtsitzung ablaufen wird.
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Angela Merkel, Horst Seehofer und Sigmar Gabriel haben sich zurückgezogen. Endlich allein, in kleiner Runde. Sie sitzen zusammen, öffnen einen Rotwein. Jeder hat zehn Spielkarten in der Hand, zwei Karten liegen in der Mitte. Das Pokerspiel getarnt als Skat beginnt.

Gabriel: So, liebe Spielgenossen. Alexander, Hermann und Andrea sind im Bett, jetzt können wir uns um die Erwachsenen-Themen kümmern. Ich hab gegeben, Angela hört, Horst reizt.

Merkel: Warum muss ich mich immer von Horst reizen lassen?!

Gabriel: Ruhig Blut, Angela, musst doch nicht gleich sauer werden!

Merkel: Lass meinen Mann aus dem Spiel!

Gabriel und Horst verdrehen genervt die Augen. Horst übernimmt die Initiative.

Seehofer: 18

Merkel: Bin ich dabei.

Seehofer: 20

Merkel: Geh ich mit.

Seehofer: 22

Merkel: Kein Problem!

Seehofer: Null.

Merkel zögert.

Seehofer: Angie? Was ist denn? 23?

Merkel: Ach so, 23. Ja, gut.

Seehofer: Dann bin ich raus.

Gabriel: War ja klar, dass mit einem bayerischen Schafskopf nicht gut Skat spielen ist.

Merkel: Du musst mehr sagen.

Gabriel: Mehr.

Merkel: Das ist nicht der Zeitpunkt für schlechte Witze, Siggi! Es geht hier um …, na, wie heißt das noch mal, ach Gott, ich komm' nicht drauf.

Seehofer: Es geht um Deutschlands Zukunft.

Merkel: Richtig, Horst. Also bitte, Siggi, etwas mehr Konzentration. Für mich ist das hier auch die achte Stunde.

Gabriel: Ja, ja. Also dann: 24.

Merkel: Ja.

Gabriel: 27?

Merkel: Allmählich wird die Luft dünner.

Seehofer: Soll ich mal lüften?

Gabriel: Moment! Lüften fällt in mein Ressort! Das hatten wir doch schon geklärt. Die Energiewende wird meine Angelegenheit im Wirtschaftsministerium!

Seehofer: Ich wollte nur behilflich sein ...

Gabriel: … sagte der Mann zu seiner Frau, als sie erfuhr, dass die Geliebte ihres Mannes schwanger ist.

Merkel lacht laut auf. Horst guckt verärgert auf seine zwei Handys.

Merkel: Der war gut, Siggi! Aber das Thema Ehegattensplitting steht jetzt nicht auf der Nachtordnung.

Gabriel: Okay, also 30.

Merkel: Passt.

Gabriel: 33?

Merkel: Passe.

Seehofer: Pässe, Angela, Pässe!

Gabriel: Das Spiel geht also an mich. Mit 30. Doppelte Staatsbürgerschaft …

Seehofer: Auf Zeit!

Gabriel: … auf Zeit. Bis 30. Dann muss ein Pass abgegeben werden.

Merkel: Müssen sich die Bayern dann mit 30 auch entscheiden, ob sie Deutsche sein wollen?

Gabriel: Auch nicht schlecht, Angela! Ich habe schon immer gesagt, du bist viel lustiger, als es dein Gesicht erahnen lässt.

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Kiffen? Wieder so eine bayerische Tradition?

Kommentare zu " Koalitionsgespräche – das große Finale: Siggi gibt, Angela hört, Horst reizt"

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  • Zitat : Siggi gibt, Angela hört, Horst reizt

    - Und alle strittige Punkte werden verwischt und in den Koalitionsvertrag aufgenommen :
    Maut : ja wenn die EU ja sagt ( und nach Feststellung, dass es ohne Inlandsmaut erst gar nicht geht, wird die EU für Ausländer nie einer Maut zustimmen ).


    Mindestlohn : ja, wenn keine Arbeitsplätze gefährdet sind ( und das werden wir ohne Mauteinführung auch nie erfahren ).

    Und so weiter. Mit anderen Worten. Die SED ( Sozialistische Einheitsdiktatur Deutschlands, CDU/CSU/SPD ) hat monatelang rumgelabert, nichts abgesprochen und vernebelte Formulierungen in den Vertrag eingebracht.
    Die Häuptlinge verwischen das ganze noch und es ist Ruhe im Karton.

    Die naechsten 4 Jahre !!!!!

  • Die Verlierer stehen auch schon fest: der deutsche Steuerzahler, Rentner und Sparer.

  • Frankreich hat Hollande, Italien Berlusconi.
    Da sind wir mit dieser Truppe gar nicht so schlecht bedient. Das Finanzministerium in erfahrenen Händen, Steinmeier als Außenminister und im Wirtschaftministerium kann es ja nicht mehr schlimmer werde. Und manche Kröte muss man halt schlucken. Also kein Grund zu jammern.

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