Liberale in der Krise

Sanierungsfall FDP

Wären die Liberalen ein Unternehmen, käme der Stimmenverlust einer plötzlichen Absatzkrise gleich. Welche Werkzeuge aus der Firmensanierung lassen sich anwenden, um nicht unterzugehen? Ein Gedankenspiel.
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FDP-Schlappe war nur Frage der Zeit

DüsseldorfBei einem angeschlagenen Unternehmen gilt meist dasselbe wie jetzt bei der FDP: Schnell fragen die Gläubiger nach der Verantwortung der Geschäftsleitung. Bei der FDP gilt das für das Vertrauen der Wähler in die Führung der Liberalen. Der Rücktritt von Parteichef Philipp Rösler ist ein Weg, die Wiedergesundung der FDP einzuleiten – wenn man sich die Parallelen zur Unternehmenswelt anschaut. Auch bei einer Firmensanierung sind solche Veränderungen üblich.

Aus Expertensicht ist damit aber eigentlich der zweite vor dem ersten Schritt geschehen. „Bei angeschlagenen Firmen stellt man zuerst die Frage: abwickeln oder sanieren?“, so ein erfahrener Berliner Unternehmensberater. Im politischen Spielfeld bedeutet das: Gibt es für die Grundprämisse der Partei genügend Anhänger?

In Hessen konnte sich die FDP knapp im Landtag halten, ein Lichtblick. Vor allem für die Wirtschaft. Im Unternehmerlager finden sich viele Anhänger der Partei. So zeigte sich Industrie-Präsident Ulrich Grillo enttäuscht, dass die FDP im neuen Bundestag mehr vertreten sein wird. „Liberales Gedankengut hat uns in den vergangenen Legislaturperioden vorangebracht“, ist er überzeugt.

Den Niedergang der Partei auf Bundesebene konnte das aber nicht stoppen. „Es mangelt an einer klaren Positionierung und Strategie“, sagt ein Düsseldorfer Unternehmensberater. Die Partei sei als Mehrheitsbeschaffer wahrgenommen worden. Ein zweitägiger Workshop zur Neupositionierung mit externem Sachverstand sei als erste Reaktion angemessen, um dieses Problem anzugehen, schlägt der Experte vor.

Doch wie ist die Partei in die Falle gelaufen? Ein anderer Restrukturierungsexperte sagt: „Die FDP hatte ein klassisches Wachstumsproblem. Der plötzliche Erfolg 2009 zeigte, dass es einen Mangel an gestandenem Personal gegeben hat.“ Für den Neuanfang steht jetzt allerdings ein interner Kandidat bereit, der auch bei den Gläubigern – den Wählern – Vertrauen genießt: Der nordrhein-westfälische FDP-Chef Christian Lindner hatte in seiner „Abteilung“ erfolgreich gearbeitet. Ihm ist das Kunststück gelungen, seine Partei im Düsseldorfer Landtag zu halten – trotz widriger Rahmenbedingungen, vorgegeben durch die bereits schwächelnde Bundespartei.

Nächste Bewährungsprobe im Mai 2014
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31 Kommentare zu "Liberale in der Krise: Sanierungsfall FDP"

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  • Na, die Europawahl - da fällt mir die Wahl richtig leicht !

  • Und jetzt stellen sie mit Lindner die nächste Gurke vornean. Der hat ja nun gar nichts zu bieten (siehe eigene Pleiten). Nein, diese Truppe braucht keiner mehr.

  • Bei der Wahl zum Europäischen Parlament besteht die Gelegenheit, die FDP-Mitglieder Koch-Mehrin, Chatzimarkakis, Alexander Graf Lambsdorff und ihre Kollegen ebenfalls nach Hause zu schicken.

    Wir sollten diese Gelegenheit nicht ungenutzt verstreichen lassen. Rückbesinnung in der außerparlamentarischen Opposition tut auch diesen FDP - Mitgliedern des Europaparlaments gut. Herr Chatzimarkakis könnte darüber hinaus die frei gewordene Zeit nutzen, an seiner nächsten Dissertation zu arbeiten ....

  • Na ja, linksgerichtet würde ich die FDP der vergangenen Jahre auch nicht nennen.

    Wirtschaftsliberal mit Worten und dann aber reine Klientelpolitik ! Das hat ja nix mit Wettbewerb und Leistung zu tun. Sonst wäre Korruption auch leistungs- und wettbewerbsorientiert.

    Der Westerwelle war der Totengräber, wahrscheinlich hat der gar nicht begriffen, was liberale Partei bedeutet. "Wir halten Kurs!" und eine dumme, strategische völlig unsinnige Ausrichtung haben die FDP jetzt gekillt. Dass er die FDP "unter" die CDU/CSU geführt hat und damit die Daseinsberechtigung verwirkt hat, ist dem Westerwelle wahrscheinlich bis heute nicht klar. Dafür hat er Aussenminister gespielt und lauter Platitüden von sich gegeben "Wir sind für den Frieden !" ... ja, für was denn sonst ? GottseiDank war der nicht am Ruder als Jugoslawien oder Irak auf der Agenda war. Leichtmatrose halt, da hat der Stoiber wieder mal völlig Recht.

    Gesellschaftspolitisch habe ich die FDP nicht ausserhalb der CDU/CSU wahrgenommen. Ein paar Rangeleien beim Datenschutz, aber nicht etwas Ernsthaftes. Die CSU-Innenminister haben dann im Stillen ihre law&order-Politik durchgezogen. Aber ernsthaft Freiheitsrechte verteidigt ? Fehlanzeige - am krassesten beim Thema NSA Abhören.

    Wissenschaftspolitik wurde im Sinne von "Elitenpolitik" betrieben, wobei "Elite" nicht Elite bedeutet, sondern vermögend. Wettbewerbstechnisch eine Todsünde, denn so wird ja der Wettbewerb ausgehebelt.

    ... und die "Bubis" waren karriereorientiert, aber wirklich nicht links.

  • Oh jeh Herr Kammschott
    "...ehemalige Stammklientel teilweise verschreckt, die normalerweise für 8-10% ausgereicht hätte"

    Da kann ich Ihnen nur eines sagen:
    Die F.D.P ist von vielen Ihrer 2009er Wähler voll durchschaut worden - denn Sie hatten geliefert! An profitierende Hoteliers (UST), profitierende Hochverdiener (Kindergeld 40€ statt der 20€ für Normalos), profitierende Rechtsanwälte (neue Gebührenordnung), profitierende Zahnärzte (neue Gebührenordnung), profitierende Ärzte (vieleicht nicht Landärzte) (Mangelärztezuschlag ohne Gegenfinazierung innerhalb des Sytems zu Lasten der überversorgten Ballungsgebietsärzte), profitierende PKV-Vorstände (Massive Senkung der Wechselhürden und Einführung unlimitierter Zusatzbeiträge für die GKV-versicherten), profitierende Apotheker (Schutzklauseln wie Rabattverbote und Konzentrationshindernisse, die endlich Markt schaffen würden), Wegfall/Senkung der EEG Abgaben und Netzdurchleitungsgebühren für Strom für die Großindustrie zu Lasten der privaten Verbraucher und der kleineren Betriebe, die nun die Zeche allein bezahlen, Senkung der Mindestlöhnen für den Zugang von Arbeitskräften aus Nicht-EU-Ländern zum besseren Lohndumping - zu Lasten der gutausgebildeten jungen Menschen in Deutschland und aus der EU und so weiter und so fort. Alle Anderen zahlen die Zeche dafür, die Profiteure der FDP Politik in Bund und Ländern machen so 2 bis 3 % der Wähler aus. Alle alle anderen hatten von der FDP nichts zu erwarten außer vielleicht von denen dazu herangezogen zu werden die Einkommen und Hosentaschenfüllungen der vorgenannten zu erwirtschaften und zu bezahlen. Deshalb brauchts diese Gurkentruppe wirklich nicht mehr - und es ist gut dass die nicht mehr im Bundestag sitzen!
    Sollten Sie also nicht zu den Vorgenannten gehören, ist Ihr Beitrag völlig unverständlich!

  • Wenn eine FDP, die Freiheit und Demokratie aus ihrem realen Programm streicht, sich dem europäischen Sozialismus Merkels beugt, hat sie keine Existenzberechtigung mehr! Der Wähler hat sie genommen. Ein Neuanfang wird sicherlich schwierig, weil die FDP ihre Glaubwürdigkeit verloren hat. Nichts hat sie in den 4 Jahren Verantwortung von ihren Vorhaben umgesetzt, man hat den Normalbürger übersehen und Lobbyisten gedient. Wenn die AfD clever ist, besezt sie schnellstens die Themen einer echten FDP. Dann wird es für einen FDP-Neustart noch schwerer. Der erste Fehler ist ja mit Lindner bereits gemacht worden. Dieser Looser kann die Partei nicht retten, seine persönliche Vergangenheit zeigt das deutlich.

  • https://www.youtube.com/watch?v=6m0kFgf3m9Q

  • "Das Schicksal der FDP ist der Beweis dafür, dass es Parteien, die ihre eigenen Wähler betrügen, an den Kragen geht."

    ... nein, denn das Abschneiden der CDU ist der Gegenbeweis.

  • wer ist "die Deutschen"?

  • Meines Erachtens ist das politische System in Deutschland selbst ein Sanierungsfall.

    Ein Volk sollten von den Besten geführt werden, intellektuell wie moralisch. Bei diesem System kommt das Gegenteil an die Spitze.

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