Merkel vs. Steinbrück
Duell reloaded

Das zweite Duell zwischen der Kanzlerin und dem SPD-Herausforderer im Bundestag hat einen klaren Sieger: Peer Steinbrück. Argumentativ und mit Angriffslust punktet er. An einigen Stellen gerät Merkel ins Schwimmen.
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Düsseldorf, BerlinJetzt fühlt es sich endlich nach Wahlkampf an. 19 Tage vor der Bundestagswahl am 22. September kam es zum zweiten und letzten Duell zwischen SPD-Herausforderer Peer Steinbrück und Kanzlerin Angela Merkel. Doch dieses Mal fuhr Steinbrück das große Geschütz auf und teilte in seiner knapp 30-minütigen Rede vor den gefüllten Rängen des Plenums im Bundestag ordentlich aus. Nach dem weichgespülten Aufeinandertreffen vor den TV-Kameras am Sonntagabend war dies ein echter Schlagabtausch. Einer, von dem die Mehrheit der Deutschen aber im Gegensatz zum TV-Duell am Sonntag nur wenige Sequenzen in der Tagesschau sehen wird. Umso bitterer für Steinbrück, denn er stieg als Sieger vom Podium.

Merkels große Stärke ist in dieser Rede vor dem Hohen Haus in Berlin auch gleichzeitig ihre große Schwäche und Steinbrücks einzige Chance – und die nutzt er. Die Kanzlerin verwischt mit Formulierungen wie „Da sind wir uns einig“ und „Es gibt einen gesellschaftlichen Konsens“, etwa bei der Energiewende, mal wieder erfolgreich die Unterschiede zwischen den Parteilinien.

Sie setzte bei ihrer Rede auf das typische Merkel-Wohlfühlgefühl, sprach von einer Regierung, die alles im Blick habe, die Probleme angehe und löse, die nicht verschweige, wo noch Handlungsbedarf besteht. Ein Risiko ging sie damit nicht ein. Auch in dieser Rede nicht. Das war auch weder zu erwarten, noch unklug. Denn die mangelnde Wechselstimmung und das Umfragehoch für die CDU reichen vermutlich aus.

Tatsächlich gibt es Momente in ihrer Rede, in denen sogar die Opposition schweigt. Etwa als sie ein schleppendes Tempo bei der Regulierung von Hedgefonds bemängelt. „Wir kommen leider zu langsam voran bei der Regulierung von Schattenbanken. Wenn wir hier keine Fortschritte erleben, machen sich die G20 lächerlich.“ Der Gipfel findet am Donnerstag und Freitag in St. Petersburg statt. Doch solche Momente sind in der Debatte die Ausnahme.

Die wirtschaftliche Lage ist der Punkt, der ihr am meisten Rückenwind bringt und auf den sie daher immer wieder Bezug nimmt. Es ist ihr Hauptargument, das sich durch ihre Rede zieht. Als sie die Erfolge der Regierung anpreist – etwa der Mindestlohn in der Pflege – entsteht Unruhe im Plenum.

Sie geht nicht darüber hinweg, wie sonst so oft: „Ich trag' hier nur Fakten vor und schon ist so ein Geschrei“, kommentiert sie süffisant. Und später in ähnlicher Situation: „Es ist eines Ihrer Probleme, dass Sie sich dauernd nicht freuen können über die Erfolge in Deutschland. Das mögen die Deutschen nicht.“ Da ist es wieder: der von Merkel in den vergangenen Jahren immer wieder geförderte Eindruck, dass sie alles im Griff hat.

Genau da setzt Steinbrück an: Er wirkt bei seinen Angriffen ruhig, ruhiger als in der TV-Debatte – ganz ohne die lästigen Nachfragen der Journalisten. Er hat das Glück, nach der Kanzlerin zu sprechen, kann so auf Merkel reagieren.

Kommentare zu " Merkel vs. Steinbrück: Duell reloaded"

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  • Allianz im Sinne von Lebensversicherung vermutlich,
    die können billigstes Geld gut gebrauchen.

    Mir ist allerdings auch aufgefallen, dass das Publikum der AfD eine graue und alte Schaar ist. Nicht für Ungut, aber hier kann man wohl schneller auf Wählerfang gehen. Vorwiegend auch mit Parolen, man bräuchte keine Energiewende, sondern sollte das Geld in die Rente stecken.

    Hier freuen sich die Lebensversicherungen und Finanzverwalter. Ob sich die Renter darüber freuen, insbesondere in dem Alter im Hier und Jetzt dürfte stark bezweifelt werden.

    Das Problem Generationengerechtigkeit und auch Fachkraftemängel-Geschwafel bzw. frühe Rausschmeißen der erfahrenden Leute ist jedenfalls ein Thema, dass sich die Parteien mal annehmen sollten. Denn wenn mehr Leute in Arbeit sind, ist das Volk zufriedener und die Rente - finanziert über mehrere Säulen - auch besser gewährleistet. Agenda2010 war jungendfeindlich, aber auch Rentnerfeindlich: http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/bundestagswahl-2013/piratin-gegen-juso-die-agenda-2010-ist-einfach-jugendfeindlich/8737112.html

    Da gibt es auch nichts schön zu reden nach dem Angriff der Rentner im TV-Duell zwischen Bundeskanzlerin und Herausforderer Steinbrück.

  • Politik sei die Kunst des Möglichen, heißt es. Falsch! Seit Steinbrück Kanzlerkandidat ist, ist Politik der Versuch durch formelhafte Wiederholung gleicher politischer Aussagen die Bevölkerung so zu penetrieren, dass sie glauben sie leben im Armenhaus Europas. Unfähig aus der Rille zu kommen und wenigsten hin wieder eine andere Perspektive zu seinen Argumenten einzunehmen, produziert er ständig fast wortgleich die gleichen Botschaften.
    Sein gebetsmühlenhaft vorgetragener Vorwurf Merkel bevorzuge den politischen Kreisverkehr, sie habe keine Visionen, wolle die Menschen einlullen, stelle nur bunte Schachteln in Schaufenster und werfe Nebelkerzen zeigt nur zu deutlich, dass er nicht ein Deut besser ist. Als unverbesserlicher Rillenschleifer merkt er offenbar nicht wie er selber dem Kreisverkehr seiner eigenen immer gleichen Argumente verfallen ist. Wer ihn einmal gehört hat, kann sich sämtliche weiteren Vorträge von ihm sparen.

  • hafnersp
    ich war auch sehr erstaunt.
    Es ist aber eine Frechheit Ihren Namen anonym zu benutzen

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