Millionen SPD-Wähler zurückgewinnen Steinbrücks Vorbild heißt Gerhard Schröder

Altkanzler Gerhard Schröder ist der Meister der Aufholjagd. An ihm will sich SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück im Wahlkampf orientieren. Und attackieren. Zum Start wirft er Kanzlerin Merkel einen Bruch des Amtseids vor.
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Altkanzler Gerhard Schröder (li.), Peer Steinbrück: Hilfe im Wahlkampf. Quelle: dpa

Altkanzler Gerhard Schröder (li.), Peer Steinbrück: Hilfe im Wahlkampf.

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DüsseldorfIn der NSA-Abhöraffäre geht SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück in die Offensive und greift die Bundeskanzlerin an. „Frau Merkel hat als Kanzlerin den Amtseid geschworen, Schaden vom deutschen Volke abzuwenden. Jetzt kommt heraus, dass Grundrechte der deutschen Bürger massiv verletzt wurden. Also: Schaden vom Volke abzuwenden – das stelle ich mir anders vor“, sagte Steinbrück in einem Interview mit der „Bild am Sonntag“.

Jeden Monat habe der US-Geheimdienst 500 Millionen persönliche Verbindungsdaten aus Deutschland abgegriffen. Damit könne er Bewegungsprofile erstellen und private Beziehungen, Verhaltensmuster, Konsumneigungen und soziale Netzwerke erkennen. Steinbrück forderte daher eine Untersuchung der Späh-Affäre durch den Bundestag. Das Parlament müsse untersuchen, wie weit es „Pflichtversäumnisse oder sogar Grundgesetzverletzungen aus dem Kanzleramt“ gegeben habe, sagte er. Unter Merkel und ihrem Geheimdienstkoordinator Ronald Pofalla sei „ein riesiger Schaden fürs deutsche Volk entstanden“.

Und weiter: „Der BND hat wissen können und wissen müssen, dass Grundrechte in Deutschland verletzt wurden. Der Geheimdienst wird vom Kanzleramt koordiniert. Wer hinter dem Steuer sitzt, trägt die Verantwortung - und zwar egal, ob er wach oder eingepennt ist.“

Steinbrück attackiert die Kanzlerin. Er wittert die Chance, verloren gegangenes Terrain zurückzugewinnen. Was im Wahlendspurt noch möglich ist, hat ihm Altkanzler Gerhard Schröder vorgemacht. Dieser hatte bei der Bundestagswahl 2005 trotz ernüchternder Umfragewerte seine Kontrahentin Angela Merkel mit einem kämpferischen Wahlkampf auf der Zielgerade fast noch abgefangen.

„Ich werde den gleichen Einsatz zeigen, den Schröder seinerzeit in den letzten Wochen vor der Wahl gebracht hat. Auch er war in Umfragen und in den Medien schon abgeschrieben, und dann kam alles anders. Ich glaube, das erleben wir gerade wieder“, sagte Steinbrück der „Bild am Sonntag“.

Steinbrück lässt sich auch von Schröder im Wahlkampf beraten: „Wir haben in dieser Woche telefoniert und uns verabredet. Er wird mich unterstützen, wo er kann, und ich bin ihm dafür dankbar.“ Um die Bundestagswahl doch noch zu gewinnen, will Steinbrück rund fünf Millionen frühere SPD-Wähler zurückgewinnen. „Da draußen sind zehn Millionen Wähler, die die SPD seit 1998 verloren hat. Wahlforscher sagen uns, dass der überwiegende Teil nicht zu anderen Parteien gewechselt ist, sondern im Wartesaal sitzt. Vier bis fünf Millionen dieser potenziellen SPD-Wähler müssen wir abholen.“

Wie nötig die SPD eine Aufholjagd hat, zeigt die jüngste Emnid-Umfrage. Danach verharrt die SPD bei 26 Prozent der Wählerstimmen. Die Grünen kommen auf unverändert 12 Prozent und die Linkspartei auf 7 Prozent (minus 1). Damit liegt die Opposition einen Prozentpunkt hinter Schwarz-Gelb – die CDU kommt auf 41, die FDP auf 5 Prozent.

Ohne Chance auf den Einzug in den Bundestag scheint die neu gegründete Alternative für Deutschland zu sein. Die AfD verliert einen Prozentpunkt und stürzt damit auf ein Prozent ab. Einen Prozentpunkt hinzugewinnen kann hingegen die Piratenpartei (vier Prozent). Die Sonstigen landen bei fünf Prozent. Emnid befragte vom 4. bis 10. Juli 2013 insgesamt 1838 Personen.

Zwölf Helfer schwören auf Steinbrück
Peer Steinbrück besucht das Saarland
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SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat sein Wahlkampfteam zusammen. Zwölf Männer und Frauen teilen die Themen unter sich auf – nur die Bereiche Finanzen und Außenpolitik sind Chefsache.

Treffen zu Hartz IV
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Manuela Schwesig (Frauen, Familie, Aufbau Ost, Demografie): Die 39-jährige Sozialministerin Mecklenburg-Vorpommerns profiliert sich seit Jahren auch auf der Bundesebene.

IG-BAU-Chef Klaus Wiesehügel
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Klaus Wiesehügel (Arbeit): Der 60 Jahre alte Chef der Gewerkschaft IG BAU war ein Kritiker der Agenda-2010-Reformen von Gerhard Schröder und soll nun als Bindeglied zu den Gewerkschaften fungieren.

German Justice Minister Zypries addresses a news conference during an informal meeting of the Justice and Home Affairs Ministers of the European Union in Dresden
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Brigitte Zypries (Verbraucherpolitik): Die 59-Jährige Juristin war von 2002 bis 2009 bereits Bundesjustizministerin.

Thüringen Wirtschaftsminister Matthias Machnig
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Matthias Machnig (Energie/Umwelt): Der 53-Jährige ist derzeit Wirtschaftsminister in Thüringen und managte den SPD-Wahlkampf 1998.

Florian Pronold
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Florian Pronold (Verkehr/bezahlbares Wohnen): Der 40 Jahre alte Karrierepolitiker ist SPD-Chef in Bayern und Verkehrsexperte der Bundestagsfraktion.

Oppermann: SPD soll Kanzlerkandidaten Anfang 2013 nominieren
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Thomas Oppermann (Innen/Recht): Der 59-jährige Parlamentarische SPD-Fraktionsgeschäftsführer gilt schon lange als ministrabel.


  • rtr
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54 Kommentare zu "Millionen SPD-Wähler zurückgewinnen: Steinbrücks Vorbild heißt Gerhard Schröder"

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  • Elbphilharmonie war aber die CDU.... die haben wir Ole von Beust zu verdanken!

  • "Steinbrücks Vorbild heißt Gerhard Schröder": Genau das ist Steinbrücks Problem, denn damit wird er wohl kaum eine Wahl gewinnen können.

  • Ich fände dann aber auch die Änderung des Wahlslogans in :" Das Ich entscheidet" für absout notwendig. Es ist traurig zu sehen, wie sich die angeblichen 68er Revo`s in staubige sessel..... verwandelt haben, und vor lauter Machtgeilheit die Tradition der SPD innerhalb von zehn Jahren komplett zerstört haben. Die SPD muss sich endlich frei von denen machen, die für den Verdärb dieser tollen Partei verantwortlich sind.

  • Zurück zum Sozialismus der lange Jahre nach dem Krieg Ziel der SPD war.

    http://um-ihnen-mitzuteilen-dass-heute-ihre-ausreise.urlto.name

    http://ho-ecker-sie-sind-raus.urlto.name

  • ........................................
    ..ROT-GRÜNER-WAHLBETRUG..
    ........................................
    nur zusammen mit den linken gibt es eine
    kleine chance, eine mehrheit zu erreichen.
    ..
    rot-grün allein ist viel zu schwach und
    deshalb "wahlbetrug"..
    sie werden auf die linken angewiesen sein,
    als koalitionspartner oder von ihnen gedul-
    det zu werden..
    das passiert bereits im bundesrat, wo die
    linken gesetze blockieren..
    ..
    also regieren die linken bereits auf bundes-
    ebene mit..!!
    ..

  • Sie denken gewiss auch noch an Wolfgang Clement, den heutigen FDPler und früheren SPDler. Er war es, der dem Handwerk das Genick gebrochen hat.

    Die SPD-Basis muss sich diese Vorwürfe anhören und intern bereinigen. Sie müssen die Qualität ihrer Personalpolitik verbessern und intern bereinigen. Ohne einen bereinigenden weiteren Einbruch der Wählerstimmen mit der klaren Abrechnung mit den tatsächlich Verantwortlichen in der SPD wird sich wahrscheinlich dieser Neuanfang nicht bewerkstelligen lassen.

  • @deutschemichel
    Der Kommentar ist nicht fair. Sie werfen SPD-Basis und SPD-Führung in einen Topf.

    Hätte es die Sozialdemokratie nicht gegeben, ginge es uns allen eindeutig schlechter. Der letzte große Wurf war wohl die Schaffung des zweiten Bildungsweges. Aber danach war zugegeben Schluß.

    Helmut Schmidt wird man auch nicht nachsagen können, dass er sich die eigenen Taschen voll gemacht hat (aber danach könnte man sich mit jedem geistig duellieren. Das darf man aber nicht, weil man schnell erkennt, dass sie allesamt unbewaffnet daher kommen. ;-) )

    Wenn Ihre Kritik sich auf die Führungsriege bezieht, teile ich ihre Meinung. Wenn man der Basis einen Vorwurf machen will, dann nur den, dass sie die da oben nicht zur Verantwortung zieht.

    Steinbrück hat jetzt das Treiben gegen die Regierung wegen deren Verwicklungen in die Abhöraktionen und die Kenntnisse aus denselben eröffnet. Sehr schnell wird sichtbar werden, dass auch die regierenden in SPD und GRÜNE involviert waren. Die Bespitzelung der LINKEN ist dabei lediglich ein bereits bekannter Nebenkriegsschauplatz.

    Die SPD-Basis muss aufstehen und sich von dem Klischee, dass Sie ihr augenscheinlich teils berechtigt umhängen , befreien. Dann kann die SPD weder eine ernstzunehmende Kraft werden.

  • Wenn Steinbrück neben seiner verantwortungsvollen Abgeordnetentätigkeit so viel Zeit für Vorträge hatte, dann kann es zwischen einem Politiker und einem Arbeitslosen sachlich kein großer Unterschied sein. Materiell sieht das bei dem erstgenannten Arbeitslosen anders aus. Der erstgenannte ist "Diätenempfänger" mit Pensionsberechtigung, ein Schmarotzer wie Schröder ihn bezeichnete.

    In diesem Sinn verstehe ich den Ausspruch von Gerhard Schröder.

  • http://www.shortnews.de/id/1037643/bei-einer-sonntagsfrage-gewinnt-die-afd-platz-eins-mit-35-prozent

    Bei einer "Sonntagsfrage" gewinnt die AfD Platz eins mit 35 Prozent

    n einer "Sonntagsfrage" zum Wahlverhalten für den nächsten deutschen Bundestag beteiligten sich 2.129 Leser der Baden-Württembergischen online-Plattform "KA-News". Die Abstimmmöglichkeit war ab dem 6.7.2013 für zwei Tage geöffnet.

    Die Teilnehmer katapultierten die neue Partei "Alternative für Deutschland" (AfD) auf den ersten Platz mit 35,98 Prozent.

    Bei der Sonntagsfrage im Juni hatten die Leser noch die SPD auf Platz eins gesetzt - gefolgt von der erstmals zur Wahl stehenden AfD.
    +++++++++++++++++++++++++++++++++++
    Hurra, hurra, hurra ...
    Jubel, jubel, jubel …
    Mehr muss ich dazu nicht äußern!

  • http://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/umfragen/id_63395934/forsa-umfrage-beide-politischen-lager-ohne-mehrheit.html

    UMFRAGE

    Wen würden Sie wählen, wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre?

    Es haben 22743 Besucher abgestimmt
    Stand Montag 15.07.2013 11.29h

    CDU/CSU
    20.3%
    (4606 Stimmen)

    SPD
    10.3%
    (2337 Stimmen)

    Die Grünen
    3.2%
    (738 Stimmen)

    FDP
    2.5%
    (573 Stimmen)

    Piratenpartei
    1.5%
    (330 Stimmen)

    AfD
    50.8%
    (11553 Stimmen)

    Die Linke
    3.5%
    (804 Stimmen)

    Keine Partei
    3.3%
    (746 Stimmen)

    Andere Parteien
    4.6%
    (1056 Stimmen)

    * Diese Nutzerumfrage ist nicht repräsentativ für die Gesamtbevölkerung. Online-Umfragen sind einem hohen technischen Missbrauchsrisiko ausgesetzt, die Ergebnisse dieser Umfrage könnten eventuell von Dritten manipuliert worden sein.

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