„Mir standen die Haare zu Berge“
Müntefering zerreißt SPD-Kampagne

„Keine Bühne, keine Mitarbeiter, nichts“: Der frühere SPD-Chef Franz Müntefering lässt kein gutes Haar an der Kampagne seiner Partei für Kanzlerkandidat Peer Steinbrück. Mit seiner Kritik steht er nicht allein
  • 49

BerlinDer frühere SPD-Chef Franz Müntefering hat der aktuellen Parteiführung schwere Versäumnisse im Wahlkampf vorgeworfen. „In dem Moment, in dem der Kandidat auftritt, muss die Kampagne stehen“, sagte Müntefering der Wochenzeitung „Die Zeit“. Das sei bei der legendären Kampa 1998 so gewesen und bei allen anderen Wahlkämpfen auch. „Für Steinbrück gab es keine Kampagne, keine Bühne, keine Mitarbeiter, da gab es nichts“, so Müntefering weiter.

Wenn intern klar gewesen sei, dass von drei möglichen Kandidaten zwei gar nicht wollten, frage er sich, wie so etwas passieren könne, sagte Müntefering weiter. „Der Start war misslungen.“, sagte er. Umso bemerkenswerter sei es, wie Steinbrück jetzt kämpfe: „Ich bin bei ihm.“  

Müntefering warnte die SPD-Führung davor, den Kanzlerkandidaten „umschminken“ zu wollen. „Steinbrück muss Steinbrück sein“, so der Ex-Parteichef. Er solle sagen, was er denke, machen, was er für richtig halte – so wie er das über Jahre stets getan habe. Daraus sei das Vertrauen entstanden, dass Steinbrück es könne. „Man darf Leute nicht umschminken.“

Auch dürfe sich der Kandidat sich nicht im Kleinteiligen verlieren. Willy Brandt und Johannes Rau hätten als Generalisten die Richtung gezeigt. „Heute muss das in der Europa- und Finanzpolitik geschehen, denn die Kanzlerin tut es überhaupt nicht“, sagte Müntefering.  

Der prominente Politikberater Michael Spreng sieht schon einen Grundfehler der Steinbrück-Kampagne darin, dass die Sozialdemokraten ein „Negative-Campaigning gegen Merkel“ betrieben. Solche Kampagnen kämen nie gut an – außer man mache es so clever wie die SPD 1998 mit ihrem Slogan: „Danke Helmut, es reicht“, schreibt Spreng in seinem Blog.

Kommentare zu " „Mir standen die Haare zu Berge“: Müntefering zerreißt SPD-Kampagne"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Ja, früher konnte man noch SPD wählen. "Soziale Marktwirtschaft": da wusste man noch, dass es "sozial" ohne "Marktwirtschaft" nicht geben wird.

    Aber die Gruppe der Transfergeldempfänger ist so groß, dass man mit Umverteiltung Stimmen gewinnen kann. Nichts ist besser als die Unabhängigkeit vom Staat.

  • Ja? Ist das so Müntefering ?

  • Hiermit spreche ich eine ausdrückliche Warnung vor der SPD aus:
    Diese Partei will uns Normalverdiener massiv abzocken, die Altersvorsorge wegbesteuern. Der Plan der SPD ist durchschaubar. Jeder der in Deutschland arbeitet, sollte so klug sein und nicht die Abzocker von der SPD wählen. Früher hatte die SPD brilliante Wirtschaftsexperten, Schröder, Fugmann-Heesing, Clement. Heute nur noch Weicheier, die auf Umverteilungswahn setzen. Da kriegt man voll das Kotzen bei diesen "Spitzenleuten"!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%