Neue Internetseite
Merkel – die Homestory

Der Wahlkampf ist auch im World Wide Web eröffnet: Bundeskanzlerin Angela Merkel startet auf ihrer Homepage eine Persönlichkeits-Offensive mit privaten Fotos und Einblicken. Wer jedoch unter der Adresse „angelamerkel.de“ nach der Kanzlerin sucht, erlebt eine Überraschung.
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Mit ein paar Mausklicks können sich die Deutschen über ihre Kanzlerin informieren – auch sehr privat: Nach ihrer Rückkehr aus der Sommerpause präsentiert Angela Merkel ihre Webseite im neuen Gewand. Mit sehr persönlichen Kurztexten über ihre erste Ehe, Liebe und Rouladen, kombiniert mit großen Bildern, will die Politikerin sich von ihrer privaten Seite zeigen. Sie schreibt auf angela-merkel.de etwa von ihrer Ausreise aus der DDR, ihrer ersten Ehe, ihre Anfänge sowie ihrer Kindheit.

„Meine erste Ehe in den Studentenjahren hat leider nicht lange gehalten”, heißt es dort. Oder: „Ich koche sehr gern, am liebsten Rouladen und Kartoffelsuppe." Solche intimen Einblicke waren bislang selten bei der Bundeskanzlerin.

Der Leser merkt schnell: Auf der neuen Webseite menschelt es heftig. Der Nutzer scrollt sich von der Kindheit der kleinen Angela über die Schul- und Studienzeit und ihre politischen Anfänge bis in die Gegenwart. Keine Textwüsten, keine weiteren Links: Der Fokus liegt auf großen Bildern und sehr persönlich formulierten Texten. Man erfährt auch etwa, dass ihr Mann gerne mehr Streuseln auf dem Kuchen hätte, sich aber sonst selten über ihre Kochkünste beschwere.

Damit spart sich die Bundeskanzlerin die Homestory, bei der sich Journalisten nach Hause einlädt und behält auf diesen Weise 100-prozentig in der Hand, welche privaten Informationen sie preisgibt. Damit verfolgt die CDU online jetzt die selbe Strategie wie auch in der 24-seitigen Wahlbroschüre: Viel Privates, garniert mit Politik.

Das ist offenbar auch genau das Konzept, dem auch Angela Merkel für sich selbst im Wahlkampf folgt: In einem Interview mit dem Stern-Ableger „Neon“ äußerste sie sich jüngst ebenfalls sehr persönlich: Sie erzählt darin etwa, was das Unvernünftigste gewesen sei, das sie als junge Frau getan habe.

„Zu viel Kirschwein getrunken. Da tritt die alkoholische Wirkung noch schneller ein als bei normalem Rotwein, das habe ich unterschätzt“, ist ihre Antwort. Sie berichtet offenherzig von ihrer Beziehung zu ihrem Mann Joachim Sauer: Etwa, dass sie nicht skypen, wenn sie sich länger nicht sehen. „Nein. Telefonieren reicht uns“, sagte sie den Reportern. Auch an die ewige Liebe glaubt sie: Bei ihrer ersten Hochzeit bereits. Heute noch immer? „Ja.“

Darüber hinaus lässt sie auch einen Einblicke in ihr Fernsehprogramm und ihrer Mediennutzung zu. Sonntags erfreue sie sich manchmal an „Inspector Barnaby“, erzählt sie. Die US-Polit-Serie „The West Wing“ würde sie gern mal sehen. Mit dem iPad höre sie Musik, mache aber keine Fotos. Und Lust auf eine Zigarette hat sie auch nicht im größten Stress.

Beim Design ist die Kanzlerin up-to-date: Die neue Webseite ist im sogenannten One-Page-Design aufgebaut. Auffälligstes Merkmal der neuen Merkel-Webseite sind allerdings weniger die Inhalte als deren Verbindung mit dem Inhalt. Erinnerungen an die preisgekrönte Multimedia-Reportage „Snow Fall” der New York Times werden wach.

Auch hier ließen sich Texte und Bilder auf einer einzigen Seite konsumieren. Responsiv ist die Seite zudem auch, d.h. sie passt sich dem jeweiligen Endgerät passgenau an. Weil die Inhalte narrativ angeordnet werden, wird der der Lesefluss nicht unterbrochen. Auf Angela-Merkel.de erzählt die CDU also die politische Laufbahn der Bundeskanzlerin.

Auf einen völlig anderen Look setzt derweil die SPD mit ihrem Spitzenkandidaten Peer Steinbrück. Hier hat sich das Wahlkampfteam am Kachellook von Windows 8 orientiert. Statt großer Bilder bekommt der Nutzer hier viele Einzelbausteine und Links präsentiert.

Aber ein direkter Vergleich der Seiten fällt schwer. Während Steinbrück als Herausforderer seine Argumente für den Wahlkampf erklärt, setzt Merkels Team auf Emotionalisierung.

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  • die letzten strohhalme der in selbst angerichteter scheisse untergehenden kommunistischen nazifratze :kinder als waehler,migranten als waehler,homestay gucker,wahlrechtsmanipulation,CIA.da hilft auch nicht die blechkravatte" freiheitsmedaille "von einem Kenia neger

  • Bald werden die meisten deutschen Wähler wieder ihr Kreuz bei der "beliebtesten" Partei machen und die Kanzlerin wird ihre alternativlose Politik der Eurorettung fortsetzen, da ihr auch sonst nichts besseres einfällt. Es wird noch solange gerettet, bis auch Deutschland pleite ist. Unter welchen Rettungsschirm können wir dann schlüpfen?

  • Wie weit ist die SPD eigentlich gesunken? Wenn man www.angelamerkel.de eingibt, so landet man auf einer SPD-Seite. Das ist Fremdschämen in der Endstufe.

    Glückwunsch an Frau Dr. Merkel. Ohne Sie stünde Deutschland und damit wir alle nicht so glänzend da. Mögen doch andere ruhig meckern und globalgalaktisch philosophieren. In entscheidenden Momenten Mehrheiten zu organisieren, richtige Themen zu besetzen und Entscheidungen auch zu treffen - das macht ihr so leicht keiner nach. Wer sollte ihr denn überhaupt Paroli bieten können? Da ist niemand.

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