Neue Polit-Karriere
Kubickis Geige

Die FDP kämpft um den Wiedereinzug in den Bundestag. Gelingt es, könnte auch der Klartext-Liberale Kubicki im Parlament landen – und einen Top-Posten beanspruchen. Eine zweite Geige will er jedenfalls nicht spielen.
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BerlinZum Karriere-Ende von der Provinz in die Metropole: FDP-Spitzenpolitiker Wolfgang Kubicki strebt in den Bundestag. Für ihn steht der Wahlerflog bereits fest, auch wenn ein Wiedereinzug seiner Partei in den Bundestag ungewiss ist. „Wie sehr ich sicher bin, dass das passieren wird, können Sie daran sehen, dass ich bereits eine Wohnung in Berlin für die Zeit nach dem 22. September anmiete“, sagt Kubicki dem „Hamburger Abendblatt“. Und auch, dass Schwarz-Gelb weiterregieren wird, steht für ihn außer Frage: „Die schwarz-gelbe Koalition wird zwischen 47 und 48 Prozent der Stimmen bekommen, und das wird jedenfalls mehr sein, als Rot-rot-grün auf die Waage bringt.“

Für solche klaren Aussagen ist das Enfant terrible der Liberalen bekannt. Es ist vielleicht auch die politische Erfahrung Kubickis, die bei solchen Einschätzungen mitschwingt. Immerhin: 2009 führte Kubicki die Landespartei mit dem Top-Ergebnis von 14,9 Prozent nach Jahrzehnten wieder in die Regierung.

Dass es ihm mit dem damaligen CDU-Ministerpräsidenten Peter Harry Carstensen gelang, das hoch verschuldete Land auf Konsolidierungskurs zu führen, rechnet er sich hoch an. Aber als größten Erfolg nennt er die 8,2 Prozent von 2012, weil die FDP damals bundesweit tief im Keller saß.

Mit einem ähnlichen Ergebnis rechnet er für die FDP bei der Wahl in 19 Tagen. „Bundesweit zwischen acht und neun Prozent, in Schleswig-Holstein wird es zweistellig“, sagt er. Dann wird auch er als Abgeordneter in den Bundestag einziehen.

Für Kubicki, der in Schleswig-Holstein schon seit Jahrzehnten als so etwas wie der unumschränkte Herrscher der FDP gilt, dürfte dann eine neue Zeitrechnung beginnen. Mit neuen Funktionen. Möglicherweise gar nicht an vorderster Front. Als unwahrscheinlich gilt, dass er wie bereits in Kiel auch in Berlin an den Fraktionsvorsitz übernimmt. Dafür ist er zu sehr er selbst, zu laut, zu oft an der Parteilinie vorbei. Wird er dann also im Bundestag die zweite Geige spielen?

Kubicki will das auf keinen Fall. „Ich habe noch nirgendwo die zweite Geige gespielt, sondern immer nur meine eigene Geige“, sagt er. Die FDP muss sich auf etwas gefasst machen. Einfach wird er es ihr nicht machen. Er lässt seine Partei derzeit aber lieber noch im Ungewissen. Bei Posten in der künftigen FDP-Fraktion will er sich nicht zu früh festlegen. „Ich mache mir momentan noch keine Gedanken darüber, was ich nach dem 22.9. in Berlin an Funktionen anstrebe“, sagt er und macht aber zugleich Andeutungen, die Raum für Spekulationen lassen. „Es gibt zwei Gebiete, in denen ich von Natur aus zu Hause bin. Das ist zum einen alles, was mit Recht zu tun hat. Zum anderen ist es die Haushalts- und Finanzpolitik.“ Damit habe er sich über 20 Jahre lang in Schleswig-Holstein beschäftigt.

Ob Kubicki Ähnliches im Bundestag im Sinn hat? Er lässt es offen, freut sich aber schon mal auf die Rededuelle mit den „neuen“ politischen Gegnern. Dem Kieler SPD-Fraktionschef Ralf Stegner und den verbalen Auseinandersetzungen mit ihm weint er keine Träne nach. „Ich bin mir sicher, dass Sigmar Gabriel und ich uns aneinander reiben werden“, sagt Kubicki. Und auf Gregor Gysi freue er sich „riesig“. Das sei eine andere Qualität als Stegner. „Der ist so unlustig.“

Dietmar Neuerer
Dietmar Neuerer
Handelsblatt / Reporter Politik

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  • Seitdem die AfD immer stärker wird, wird es wohl nicht für Schwarz-Gelb reichen, ebenso nicht für Rot-Grün. Dann wäre das erste Etappenziel der AfD erreicht. Die zweite und wesentlich wichtigere Etappe ist die Europawahl 2014. Da stimmt endlich mal das Volk ab!! Die AfD hat Riesenchancen, den Ausverkauf unseres Landes zu brechen. Schlau wählen, AfD wählen!

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