Nichtwähler
„Mit weniger Wählern wird Politik nicht schlechter“

Meinungsforscher warnen vor dem Politikverdruss junger Erwachsenen. Gefährdet die wachsende Gruppe der Nichtwähler tatsächlich die Demokratie? Edmund Stoiber und Franz Müntefering haben dazu zwei dezidierte Ansichten.
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BerlinDer bayerische Ministerpräsident a.D. Edmund Stoiber ist in seinem Element. „Alles“, was die Mediengruppe Pro7/Sat1 „in diesem Superwahljahr“ an politischer Information auf Sendung schicke, basiere auf seinen Ideen, seinem Input, schnauft er – und ruckt und zuckt in seinem Stuhl im zweiten Stock der Hertie School of Governance in Berlin. Hier, wo die Mediengruppe eine vom Meinungsforschungsinstitut Forsa durchgeführte Nichtwählerstudie vorstellt, hat auch Stoiber etwas zu sagen: „Der Trend, dass immer weniger – auch junge Menschen – wählen gehen, er gefährdet unsere Demokratie.“

Tatsächlich fänden viele Jugendliche nach der Erstwahl nicht den Weg zurück an die Wahlurne, sagt Forsa-Chef Manfred Güllner. Dabei sei das Interesse an Politik – wie oft behauptet – nicht das Problem. Doch würden unverständliche Sprache und realitätsferne Themen eine zunehmenden „Entfremdung“ zwischen Bürgern und Politik bewirken. Nur 35 Prozent der befragten Wähler und 29 Prozent der Nichtwähler würden noch verstehen, was Politiker sagen, heißt es in der Studie. Weniger als die Hälfte der Nichtwähler wüssten nicht mehr, was die politischen Themen noch mit ihrem persönlichen Leben zu tun hätten.

Was also tun, um die Menschen zum politischen Mitmachen zu bewegen, um sicherzustellen, dass die nächste Regierung durch die Mehrheit der Wahlberechtigten legitimiert ist? „Politisch wieder stärker polarisieren“, sagt Michael Eilfort von der Stiftung Deutsche Marktwirtschaft und verweist auf die Wahl von Willy Brandt 1972, an der sich 91 Prozent der Wahlberechtigten beteiligt hätten. Da sei es um die große Linie gegangen, um Ostannäherung statt Westorientierung.  „Die Leute wählen lieber zwischen schwarz und weiß, als zwischen dunkel- und hellgrau.“

Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart, selbst „bekennender Nichtwähler“, diskutiert abstrakter: „Müssten die Politiker nicht einfach noch mehr leisten?“, fragt er Forsa-Chef Güllner, Karl-Rudolf-Korte von der Universität Duisburg-Essen und Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für Politische Bildung. Könnte in Deutschland ein Mehrheitswahlrecht nach amerikanischem Vorbild funktionieren? Oder bräuchten wir mehr Elemente von direkter Demokratie?

Krüger sorgt sich vor allem um die Gruppe der bildungsbenachteiligten jungen Menschen. „55 Prozent der jungen Wähler geben an, dass ihr politisches Wissen aus der Schule stammt.“ Gerade das Fach Politik stehe jedoch an den meisten Schulen hinter den Sprachen und Naturwissenschaften zurück. Umso wichtiger sei es also, praktisch anzupacken, „die Gesprächsstörung zwischen Wählern und Politik aufzulösen“, sagt Güllner.

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Müntefering stemmt sich gegen Politiker-Verdruss

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  • Ich werde die “Neue Mitte” wählen.

    http://www.neue-mitte.net/pdf/neue-mitte_wahl_2013_kurzprogramm.pdf

  • @hagadi, hervorragend auf den Punkt gebracht!
    Unsere Verfassung hat leider einen elementaren Denkfehler: "Die Gewalt geht schon lange nicht mehr vom Volk aus", denn die Vetretung durch die Parteien funktioniert nicht! Statt einer Verschlankung des Parlaments wird der nächste Bundestag so aufgebläht sein wie noch nie, die Politik wird dadurch bestimmt nicht besser.
    Die Wahlbeteiligung sollte unmittelbaren Einfluss auf die Größe des Parlaments haben, dann wären die Nichtwähler wenigstens auch berücksichtigt!
    Die scheinbar harmlosen Worte Münteferings sind eigentlich eine Beleidigung des Wahlvolks, das sich bewegen soll und wenn es sich nicht bewegt, ist es auch nicht so schlimm... Geht's noch?

  • HAB NOCH MAL GESUCHT . Das SELTENSTE WORT VON Müntefering ist WAHRHEIT UND man FINDET NICHTS IM ZUSAMMENHANG MIT IM UND WAHRHEIT . EIN MAL SAGT WAHRHEIT und BESCHWERT sich IM RECHT !!!
    er DOCH NICHT SCHULD , DASS WAHL LÜGEN GEGLAUBT HABEN aber NUN AN ihnen sie ZU MESSEN , WÄR UNFAIRE . https://www.youtube.com/watch?v=ShQypmChFrg

    ATHEIST Frank Frädrich sich Gott und Gott IST ANTIZIONIST UND SOWAS VON SOUVERÄN
    ALSO NICHT Gott GLAUBENDER sondern Gottwissender

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