Nichtwähler

„Mit weniger Wählern wird Politik nicht schlechter“

Meinungsforscher warnen vor dem Politikverdruss junger Erwachsenen. Gefährdet die wachsende Gruppe der Nichtwähler tatsächlich die Demokratie? Edmund Stoiber und Franz Müntefering haben dazu zwei dezidierte Ansichten.
28 Kommentare
Der ehemalige SPD-Vorsitzende Franz Müntefering verteidigt die Politiker. Quelle: dapd

Der ehemalige SPD-Vorsitzende Franz Müntefering verteidigt die Politiker.

(Foto: dapd)

BerlinDer bayerische Ministerpräsident a.D. Edmund Stoiber ist in seinem Element. „Alles“, was die Mediengruppe Pro7/Sat1 „in diesem Superwahljahr“ an politischer Information auf Sendung schicke, basiere auf seinen Ideen, seinem Input, schnauft er – und ruckt und zuckt in seinem Stuhl im zweiten Stock der Hertie School of Governance in Berlin. Hier, wo die Mediengruppe eine vom Meinungsforschungsinstitut Forsa durchgeführte Nichtwählerstudie vorstellt, hat auch Stoiber etwas zu sagen: „Der Trend, dass immer weniger – auch junge Menschen – wählen gehen, er gefährdet unsere Demokratie.“

Tatsächlich fänden viele Jugendliche nach der Erstwahl nicht den Weg zurück an die Wahlurne, sagt Forsa-Chef Manfred Güllner. Dabei sei das Interesse an Politik – wie oft behauptet – nicht das Problem. Doch würden unverständliche Sprache und realitätsferne Themen eine zunehmenden „Entfremdung“ zwischen Bürgern und Politik bewirken. Nur 35 Prozent der befragten Wähler und 29 Prozent der Nichtwähler würden noch verstehen, was Politiker sagen, heißt es in der Studie. Weniger als die Hälfte der Nichtwähler wüssten nicht mehr, was die politischen Themen noch mit ihrem persönlichen Leben zu tun hätten.

Was also tun, um die Menschen zum politischen Mitmachen zu bewegen, um sicherzustellen, dass die nächste Regierung durch die Mehrheit der Wahlberechtigten legitimiert ist? „Politisch wieder stärker polarisieren“, sagt Michael Eilfort von der Stiftung Deutsche Marktwirtschaft und verweist auf die Wahl von Willy Brandt 1972, an der sich 91 Prozent der Wahlberechtigten beteiligt hätten. Da sei es um die große Linie gegangen, um Ostannäherung statt Westorientierung.  „Die Leute wählen lieber zwischen schwarz und weiß, als zwischen dunkel- und hellgrau.“

Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart, selbst „bekennender Nichtwähler“, diskutiert abstrakter: „Müssten die Politiker nicht einfach noch mehr leisten?“, fragt er Forsa-Chef Güllner, Karl-Rudolf-Korte von der Universität Duisburg-Essen und Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für Politische Bildung. Könnte in Deutschland ein Mehrheitswahlrecht nach amerikanischem Vorbild funktionieren? Oder bräuchten wir mehr Elemente von direkter Demokratie?

Krüger sorgt sich vor allem um die Gruppe der bildungsbenachteiligten jungen Menschen. „55 Prozent der jungen Wähler geben an, dass ihr politisches Wissen aus der Schule stammt.“ Gerade das Fach Politik stehe jedoch an den meisten Schulen hinter den Sprachen und Naturwissenschaften zurück. Umso wichtiger sei es also, praktisch anzupacken, „die Gesprächsstörung zwischen Wählern und Politik aufzulösen“, sagt Güllner.

Müntefering stemmt sich gegen Politiker-Verdruss
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Nichtwähler - „Mit weniger Wählern wird Politik nicht schlechter“

28 Kommentare zu "Nichtwähler: „Mit weniger Wählern wird Politik nicht schlechter“"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Ich werde die “Neue Mitte” wählen.

    http://www.neue-mitte.net/pdf/neue-mitte_wahl_2013_kurzprogramm.pdf

  • @hagadi, hervorragend auf den Punkt gebracht!
    Unsere Verfassung hat leider einen elementaren Denkfehler: "Die Gewalt geht schon lange nicht mehr vom Volk aus", denn die Vetretung durch die Parteien funktioniert nicht! Statt einer Verschlankung des Parlaments wird der nächste Bundestag so aufgebläht sein wie noch nie, die Politik wird dadurch bestimmt nicht besser.
    Die Wahlbeteiligung sollte unmittelbaren Einfluss auf die Größe des Parlaments haben, dann wären die Nichtwähler wenigstens auch berücksichtigt!
    Die scheinbar harmlosen Worte Münteferings sind eigentlich eine Beleidigung des Wahlvolks, das sich bewegen soll und wenn es sich nicht bewegt, ist es auch nicht so schlimm... Geht's noch?

  • HAB NOCH MAL GESUCHT . Das SELTENSTE WORT VON Müntefering ist WAHRHEIT UND man FINDET NICHTS IM ZUSAMMENHANG MIT IM UND WAHRHEIT . EIN MAL SAGT WAHRHEIT und BESCHWERT sich IM RECHT !!!
    er DOCH NICHT SCHULD , DASS WAHL LÜGEN GEGLAUBT HABEN aber NUN AN ihnen sie ZU MESSEN , WÄR UNFAIRE . https://www.youtube.com/watch?v=ShQypmChFrg

    ATHEIST Frank Frädrich sich Gott und Gott IST ANTIZIONIST UND SOWAS VON SOUVERÄN
    ALSO NICHT Gott GLAUBENDER sondern Gottwissender

  • dein Müntefering HAT DOCH DAS ALLES MITGEMACHT und DURCHGESETZT , ABER NIE ALS DEMOKRAT DER VOLK FRAGTE sondern er NAHM AM ÖFTESTEN DAS WORT Demokratie in den Mund ABER WAR NIE DEMOKRAT , DER sich VON MEHRHEIT BEEINFLUSSEN LIES SONDERN NUR VON . . . IM HINTERZIMMER . er REDETE AUCH VIEL GEGEN RASSISMUS , AKZEPTIERT ABER sein Chef ÜBER RASSE . . .
    seine EIGENEN WORTE WAR : " man MACHT NICHT WAS MEHRHEIT WILL sondern SETZT sich DURCH auch , WENN MEHRHEIT DAGEGEN IST .
    ich BIN DER MEINUNG : " DEMOKRAT AGIERT NICHT SONDERN REAGIERT ODER ERKLÄRT WAHRHEIT UM MEHRHEIT ZU FINDEN """ ALL DAS HAT er NIE GEMACHT .OSKAR LAFONTAINE WAR EHRLICHSTE UND GRÖSSTE SPD'ler und NICHT der dem SCHRÖDERS HINDERN ZWEITE HEIMAT WAR / RENTE MIT 67 GANZ ALLEINE DURCHDRÜCKTE , IM WISSEN SOMMER WIRD NICHT , da wie ich . . . . !!! SOMMER HAT BIS HEUTE NICHT VERSPRECHEN , den Gewerkschaftler GEGEBEN , GEGEN RENTE " 67 " AUF STRASSE GEGANGEN . WAS meinst WARUM ???

    SOMMER HÄTTE AUCH HARTZ IV VERHINDERN KÖNNEN aber HATTE MIT MÜNTEFERING ABGESPROCHEN . . . ALSO Müntefering KEINE MEHRHEIT BRAUCHT , DOCH NORMAL .
    UND STÄUBER WURDE DAMALS ABGESÄGT WEIL VOLKENDSCHEIDE WOLLTE und KONNTE Müntefering NIE PASSIEREN , ODER ???.

    ATHEIST Frank Frädrich sich Gott und Gott IST ANTIZIONIST UND SOWAS VON SOUVERÄN
    ALSO NICHT Gott GLAUBENDER sondern Gottwissender

  • Würde man die NICHTWÄHLER bei WAHLEN berücksichtigen, würde unser Parlament anders aussehen !

    Bei dieser Betrachtung ist die SPD keine Volkspartei mehr !!

  • ZITAT: „Mit weniger Wählern wird Politik nicht schlechter“

    Warum werden die WÄHLER weniger ?

    Wegen der guten,seriösen POLITIK ???

    Hätte mal die SPD die Umfragewerte der Nichtwähler, von der
    Niedersachsenwahl (40%), von der BT-Wahl 2009 (30%), von der Kommunalwahl Wiesbaden (66%) !

  • Was soll das Ganze? Franz Münterfering ist in meinen Augen einer der Besten, den die SPD je hatte, neben Herbert Wehrner. Auch sieht die Politik aber nur durch die Parteibrille.
    Warum soll ich wählen gehen, wenn Gesetze im großen Umfang von den Lobbysten geschrieben werden? Politiker, die bei diesen Dingen aktiv mitmachen sind in meinen Augen krimminel.
    Schauen wir und doch nur das Rechtsbruchförder- und Straftäterschutzgesetz- Klartext: Bundesdatenschutzgesetz.
    Im jüngstem Fall -Lkw-Fahrer schießt auf LKW`s -, hat das BKA die vorhandenen Daten aus den Mautkonrollen nicht auswerten. Somit schützt Der "Rechtsstaat" nicht die Privatspähre sondern fördert das Gegenteil.
    Zurück zum Thema! Warum soll ich Politik ein Mandat mit meiner Wahlstimme geben, wenn sie diese nur misbraucht.
    Ich will nicht polemisch werden, aber bedauerlicher Weise vermittelt mir Politik keine Demokratie sondern nur Parteidiktatur!

  • Es ist ja nicht nur die junge Generation, die nicht wählt. Es sind mehr und mehr der ganz normalen Leute
    Menschen die imemr gewählt haben, aber jetzt nicht mehr wissen, wen sie noch wählen sollen
    Wir hatte hier Wahlbeteiligungen von mehr als 90%
    Willy Brand wollte mehr Demokratie wagen
    Heute wissen wir nicht mal, wie die überhaupt noch aussieht

  • Einen Müntefering zu so einer Veranstaltung zu holen, ist ohnehin ein Witz
    Wir reden doch ständig darüber, dass wir angeblich Facharbeiter brauchen aus dem Ausland, was ohnehin gelogen ist.
    Meine Stellensuche europaweit würde so aussehen:
    Politiker für Deutschland gesucht
    Einsatz als Minister und Kanzler
    Einstellungs-Voraussetzungen:
    Sehr hoher Anstand.
    Hohe Bildung, Berufsabschluss entweder als Studium oder sonstiges
    Mindestens 6 bis 7 Jahre Beurfstätigkeit
    Kenntnisse für das jeweiligie Ressort
    Bezahlung:
    ca. 200 bis 300 Tsd. € p.a.
    Es erfogt keine Rentenzahlung
    Für Gesundheitund und Rente muß selbst vorgesorgt werden
    Die Stelle ist befristet auf 4 Jahre, bei guter Leistung etvl. auf 8 Jahre.
    Danach muß man in seinen Beruf zurück.
    Angebote sind zu richten an das Deutsche Volk

  • Wenn man die letzte Wahl mal zugrunde legt, so regiert Merkel auch bloß mit ca. 18% (gerechnet aufs Wahlergebnis in %).
    Das wurde damals sogar geschrieben vom Stern. Hat aber niemanden interessiert. Die Politik ohnehin nicht
    Seit von Berlin aus regiert wird, hat man so den Eindruck, die Politik ist zum Staat im Staat geworden.
    Schauen wir nach NRW. Hier sind so viele Probleme, aber die Grünen sind nur dabei die Gouvernante zu spielen, Rauchverbot ist mega-wichtig, alles andere ist ziemlich egal, sogar der zum 3. Mal verfassungsfeindliche Haushalt. Und die SPD schweigt
    Und die Bürger?
    Die haben schon lange nichts mehr zu sagen.
    Dieser Europa-Zirkus geht den Bürgern nur noch auf die Nerven, weil sie sehen, was es für Nachteile für sie hat
    Im Grunde genommen ist es nur noch ein kleiner Schritt zur Revolution
    Kommt der richtige Demagoge, der mit klaren Worten spricht, was die Leute hören wollen, haben wir dann wohl Zustände wie in Syrien, oder aber einen neuen Führer. Das ist das, was ich befürchte

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%