Ökonomenstimmen zur Wahl
„Links schwenkt, marsch, marsch!“

Das Aus für die FDP und der Zwang zu einer neuen Koalition werden der Wirtschaftspolitik eine neue Richtung geben, sagen führende Ökonomen. Erstaunlich einig sind sie sich darüber, was die neue Regierung tun muss.
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Nach der Bundestagswahl rechnen führende Ökonomen mit einem leichten Linksschwenk in der Wirtschaftspolitik. „In den letzten vier Jahren hatte die FDP den Schwenk von CDU/CSU hin zu einer Mitte-Links-Agenda etwas gebremst“, schreibt der Chefvolkswirt der Berenberg Bank, Holger Schmieding, in einem Gastbeitrag für Handelsblatt Online. „Ohne den Einfluss der FDP dürfte der Zeitgeist jetzt etwas stärker zum Zuge kommen.“

Ähnlich sieht das der Chefvolkswirt des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn. „Es ist kein Zufall, dass mit der FDP genau jene Partei, die sich dezidiert dem Neoliberalismus verschrieben hatte, nicht mehr in den Bundestag einzieht. Diese Ausrichtung ist nicht mehr gewollt.“

Über die Auswirkungen dieser Neuorientierung gehen die Meinungen der beiden Ökonomen allerdings auseinander. „Deutschland wird seinen Spitzenplatz in der europäischen Wachstumsliga nicht dauerhaft halten können“, schreibt Schmieding. Es werde langsam ins Mittelfeld zurückfallen. „Die Wähler sind nicht bereit, eine Politik zu stützen, die den Standort Deutschland weiter stärken könnte.“ Dank des Erfolges der CDU/CSU werde der Schaden durch mehr Mindestlöhne und höhere Steuern jedoch begrenzt bleiben.

Horn sieht das Ergebnis hingegen positiver. „Die Wähler erzwingen damit ein intelligentes Weiter-so.“ Dieses werde sich auf die Methode Merkel, den ergebnisoffenen Dialog mit dem Bürger auf Augenhöhe zu führen, beschränken. Die Inhalte des Dialogs aber würden sich ändern. „Es geht jetzt darum, die Infrastruktur in Deutschland einschließlich der Energiewende grundlegend durch mehr öffentliche Investitionen zu verbessern. Um dies solide vor dem Hintergrund der Schuldenbremse zu finanzieren, sind Steuererhöhungen der einen oder anderen Art unumgänglich.“ Zugleich würden Arbeitsmarktreformen auf der Agenda stehen, die die Machtbalance etwas zugunsten der Arbeitnehmer verschieben.

Der Chef des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, wertet das Wahlergebnis hingegen als Votum gegen Steuererhöhungen. „Alle Parteien, die Steuererhöhungspakete in ihren Wahlprogrammen hatten, sind vom Wähler eindeutig abgestraft worden.“ Sowohl Grüne und Linke als auch die SPD hätten Stimmen verloren. „Offenkundig erkennen die Wähler sehr deutlich, was die Steuererhöhungen an Verunsicherung auslösen.“ Eine künftige Bundesregierung werde an diesem Votum nicht vorbei können. Das sei eine gute Botschaft für den Wirtschaftsstandort.

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„Die Katastrophenprediger der AfD haben verloren“

Kommentare zu " Ökonomenstimmen zur Wahl : „Links schwenkt, marsch, marsch!“"

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  • @rechner

    Mit Deiner Art von "Lesen, Verstehen, Denken und Schreiben" wirbelst garantiert die gesamte "Macedonia FreeZone" durcheinander.

    Es geht um das von dir zitierte Land, von dem DU kaum einen Schimmer in die Diskussion einbringst .
    Frag mal bei Johnson Control nach .
    Fast wie in der Sonderschule mit gewissen Nasenbären..

  • @hanspella,

    "Das Kriterium der Wahrheit ist die Praxis!" Zitat von Karl Marx.

    Ausgerechnet dieser widerlicher Marx, der keine Ahnung von der Praxis hatte!!!

    Millionen Menschen sind weltweit Opfer seiner dummen Schwurbeleien geworden bis heute!!!

  • @drawing_distinctions : "fragt man sich, was die Menschen eigtl mit einer Ökonomie wollen, die die Menschen"

    Ökonomie ist nichts was man sich freiwillig nimmt, sondern ein Naturgesetz, ein Teil der Physik. Dazu gehören solche Sachen wie "Eine Sache kann nur an einem Ort sein" oder "Eine Sache die kaputt gemacht wird, existiert anschließend nur noch in Einzelteilen" oder "Um etwas aufzubauen muss man Energie reinstecken".

    Es ist diskutierbar _welche_ Form von Ökonomie man nimmt, aber jede Form von Ökonomie muss diese Fragen beantworten:

    - Welchen Bedarf gibt es
    - Welche Resourcen gibt es
    - Wie kann Ressourcen und Bedarf aufeinander abstimmen.

    Die Vorstellung man könne ohne Ökonomie leben, ist Zeichen einer extrem kindlichen oder magisch/religiösen Weltsicht.

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