Ökostrom vs. Gaskraftwerke
Merkels Energiewende bedroht Stadtwerke

Die Energiewende wird zur Bedrohung für die Stadtwerke. Viele stehen mit dem Rücken zur Wand, weil ihre Gaskraftwerke unwirtschaftlich geworden sind. Bei Stilllegungen müssen Kommunen bluten - und damit der Steuerzahler.
  • 46

BerlinDie Energiewende stellt die Stadtwerke vor Probleme. „Noch vor drei Jahren hat die Bundesregierung von der Energiebranche und gerade von den Stadtwerken gefordert, in neue Gaskraftwerke zu investieren. Für viele Stadtwerke war das ein Ansporn, einige haben ehrgeizige Investitionen getätigt und stehen jetzt vor einen Scherbenhaufen“, sagte Hans-Joachim Reck, Hauptgeschäftsführer des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU), dem Handelsblatt.

Grund für die Entwicklung ist der rasante Ausbau der erneuerbaren Energien. Wind- und Sonnenstrom fluten immer häufiger die Strombörse und drücken die Preise.  Gaskraftwerke kommen immer seltener zum Zuge. Nach Angaben des VKU sank die Auslastung kommunaler Gaskraftwerke mit einer Leistung von mindestens 20 Megawatt von 2010 bis 2012 um 24,4 Prozent.

Im vergangenen Jahr konnten die Kraftwerke nicht einmal ein Drittel ihrer möglichen Jahreslaufleistung ausschöpfen. Gerade neue Gaskraftwerke spielen damit ihre Kosten nicht mehr ein. Manches Stadtwerk sieht sich daher gezwungen, ein brandneues, hoch effizientes Gaskraftwerk stillzulegen.

„Für einzelne Kommunen ist die Entwicklung katastrophal. Ich denke da etwa an Städte im Ruhrgebiet, deren Haushaltslage ohnehin oftmals desolat ist“, sagte Reck. Es seien Verluste zu befürchten, die im Einzelfall locker zweistellige Millionenbeträge erreichen könnten. „Es drohen Kapitalerhöhungen, die die kommunalen Anteilseigner aus den kommunalen Haushalten stemmen müssen. Damit steht eine weitere Auszehrung der Finanzkraft vieler Städte bevor. Und es fehlt der entscheidende und oft einzige finanzielle Gestaltungsspielraum für Kommunen, etwa in der Jugend- oder Sportförderung“, sagt Reck. Der VKU fordert „kurzfristige Anreizstrukturen“, zum Beispiel über Förderprogramme, damit bestehende hocheffiziente Kraftwerke weiter laufen oder neue gebaut werden könnten.

Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte-und Gemeindebunds, Gerd Landsberg, warnte bereits vor möglichen Stromengpässen, sollten die Stadtwerke als Betreiber von Gaskraftwerken durch die Energiewende weiter in die Enge getrieben werden. „Die dramatische Situation der hocheffizienten und klimafreundlichen Gaskraftwerke zeigt einmal mehr den dringenden Reformbedarf bei der Energiewende“, sagte Landsberg Handelsblatt Online. „Dies gilt umso mehr, als ein Blackout in Deutschland oder in Teilen unseres Landes  - auch wenn er nur wenige Stunden dauern sollte – zu Milliardenverlusten führen kann.“

Kommentare zu " Ökostrom vs. Gaskraftwerke: Merkels Energiewende bedroht Stadtwerke"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Selbstverständlich können rwe und co. an der Strombörse einkaufen anstelle selbst zu produzieren. Das hat rwe in der 2009er Kriese zu ganz guten Gewinnen verholfen. Zugegebenermaßen ist das nicht den ihr Hauptgeschäftsfeld.
    Wenn der Börsenpreis sinkt und der Verbraucherpreis steigt ist auf jeden Fall was Faul. Die Ursache ist auch die erneuerbare Energie, nur ist die Lösung nicht die Verurteilung der EE sondern die Anpassung des Systems auf diese. Die Volkswirtschaft die bei der Umstellung am effektivsten an einem Strang zieht, wird sich 2030 vor Neidern nicht retten können.

  • Welche Aussage aus der Chefetage des VKU ist denn jetzt richtig? Die, dass "die Energiewende die Stadtwerke stellt und diese vor einem Scherbenhaufen stehen" oder die, dass "die Stadtwerke wichtige Beiträge zur Energiewende lieferten"? Nach über einem Monat Abstinenz des VKU (wenn man die internen Strukturen kennt, weiß man auch warum!) wundern mich diese PR-Meldungen überhaupt nicht. Worüber ich allerdings erstaunt bin ist, dass seitens des VKU keine Stellungnahme zu den Beihilfen für die "angeblich" energieintensiven Unternehmen erfolgt ist. Aber so sind sie halt, die vermeintlichen Lobbyisten.

  • 'SayTheTruth' sagt
    -------------------
    "Das neue Wahl-Radar ist da:
    Meta-Prognose: Nach wie vor CDU/CSU ca. 4% schlechter (bei rund 37%) als in veröffentlich­ten Umfra­gen - AfD entsprechend besser (bei rund 7%) mit guten Chancen für Bundestags-Einzug ..."
    -------------------

    Dieser "Wahlradar" mittelt repräsentative Umfragen mit unwisenschaftlichem Klimmbimm wie "Wahlbörsen" und "social-media-Zählungen".

    Resultat: Je nachdem, wie man den Mischungsfaktor ansetzt.

    Prognosekraft: Gering.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%