Pannenwahlkampf der SPD
Schmidts Steilvorlage für die Steinbrück-Gegner

Stänkern gegen Steinbrück ist Wahlkampfalltag. Den SPD-Kanzlerkandidaten schert das wenig. Doch nun geht mit Helmut Schmidt ein prominenter SPD-Mann vorsichtig auf Distanz zu ihm – zur Freude des politischen Gegners.
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BerlinFür Peer Steinbrück (SPD) war es der Ritterschlag schlechthin, als Altbundeskanzler Helmut Schmidt sich schon für eine Kanzlerkandidatur des ehemaligen Finanzministers stark machte, noch bevor die SPD offiziell ihre Entscheidung getroffen hatte. Interessant war die Begründung, die Schmidt lieferte, nachzulesen in dem Ende 2011 vorgestellten Buch „Zug um Zug”, das ein Gespräch zwischen ihm, dem Altkanzler, und Steinbrück dokumentiert. Steinbrück habe „in besonderem Maße die Fähigkeit, Vertrauen und Stimmen der Menschen zu binden“. Heute, eineinhalb Jahre später, ist von dieser Einschätzung nicht mehr viel übrig geblieben.

Steinbrück ist zwar Kandidat der SPD geworden. Doch seine Wahlkampfmaschine läuft nicht rund. Er hangelt sich von einem Fettnapf zum nächsten. Und nie hatte es den Anschein, als würden die ständigen Patzer ein Ende nehmen. Im Gegenteil, dass Steinbrück-Chaos der letzten Wochen gipfelte darin, dass er seinen Sprecher Michael Donnermeyer feuerte und stattdessen den Ex-„Bild“-Mann Rolf Kleine verpflichtete, der jedoch auch gleich einen Mini-Skandal produzierte: mit einem missglückten Facebook-Posting, das ihm einen Rassismus-Vorwurf bescherte.

Das alles dürfte Helmut Schmidt nicht entgangen sein. Auch, dass die SPD in Umfragen nicht vorwärts kommt, sondern eher noch weiter zurückfällt.

Im Interview mit dem Handelsblatt ging Schmidt jedenfalls vorsichtig auf Distanz zu Steinbrück. Schmallippig zwar, aber durch die Blume wird deutlich, dass der Altkanzler zumindest von den Wahlkampfqualitäten Steinbrücks nicht wirklich überzeugt ist. Eigentlich fatal. Denn wie soll die SPD einen Wahlkampf am Ende für sich entscheiden, wenn ihr wichtigster Mann, bei den Bürgern nicht zündet?

„Die jetzige SPD tut sich schwer“, stellt Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart in dem Gespräch mit Schmidt fest. Der stellt das dann auch gar nicht in Abrede, sondern sagt: „Sie tut sich schwer. Offenbar.“

Steingart geht dann noch einen Schritt weiter, konfrontiert Schmidt damit, dass er selbst von Steinbrück überzeugt war: „‘Er kann es‘, haben Sie über Peer Steinbrück zu Beginn dieses Wahlkampfes gesagt. Erinnern Sie sich noch?“

Schmidt: „Es kann sein, dass ich das gesagt habe. Peer Steinbrück ist jedenfalls von all den Leuten, die im Augenblick auf den öffentlichen Bühnen stehen, derjenige, der am ehesten einen Überblick über die Finanzprobleme der Europäischen Union hatte und weiterhin hat. Da gibt es nicht so viele Leute.“

Und dann kommt der Punkt, der für Steinbrück und die gesamte SPD von großer Bedeutung ist. Steingart sagt: „Vielleicht kann er ja Kanzler, vielleicht kann er nur schlecht Wahlkampf.“ Und Schmidt antwortet: „Könnte sein.“

Kommentare zu " Pannenwahlkampf der SPD: Schmidts Steilvorlage für die Steinbrück-Gegner"

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  • Dass Steinbrück bei den desolaten Finanzmärkten durchblickt könnte sein. Schließlich hat er als Finanzminister und Finanzmarkt-Deregulierer dieses Desaster erst möglich gemacht.

    Wie seine Vortragshonorare bei den Banken danach zeigten, sollte es nicht zu seinem Schaden sein. In der letzten Phase des Wahlkampfes werden die anderen Parteien ihn dafür in der Luft zerreissen oder an die Wand nageln. Dann wird es sein Ende sein.

    Ich halte Steinbrück für einen strategischen Fehler erster Ordnung. Aber der SPD sollte er nicht allzusehr schaden, da ihre Klientel weder von der Agenda 2010 noch von den vernichteten Altersvorsorgen durch die Finanzkrise betroffen sind. Für 20 Prozent sollte es langen. Mehr muss aber beim besten Willen nicht sein. Die SPD ist ein Auslaufmodell.

  • 'Vicario' sagt
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    Und die 7 % Teuerungsrate ist noch ziemlich optimistisch berechnet. ----------------------

    Das muß eine seltsame Berechnung sein, in die Sie nach Belieben Optimismus einfließen lassen können.

    Warum legen Sie Ihre angebliche "Berechnung" nicht endlich vor?

    Denn solange Sie keine Berechnung mit einem zugrundeliegenden Warenkorb und Preisen zu Anfang und zu Ende der Periode vorlegen gehe ich auch weiterhin davon aus, daß es sich bei Ihrer Inflationsrate von 7% um eine Ausgeburt Ihrer Phantasie handelt.

    +++

    'Vicario' sagt
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    Natürlich unterscheidet sich mein Warenkorb vom Warenkorb des EUROSTAT, den Sie für Ihre Berechnungen heranziehen.
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    Einer der wesentlichen Unterschiede zwichen dem HICP Warenkorb von eurostat und dem Ihrigen besteht darin, daß man sich die Warenkörbe von eurostat hier ansehen kann:

    http://epp.eurostat.ec.europa.eu/portal/page/portal/hicp/data/database [Item weights-Select data-COICOP]

    Die Gewichte werden von den nationalen Statistikbehörden aus den tatsächlichen Umsätzen in den Warengruppen ermittelt - ebenso wie die Preise.

    Ihre Warengruppengewichte (oder Verbrauchsmengen) haben Sie trotz mehrfacher Aufforderung immer noch nicht genannt.

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    'Vicario' sagt
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    Der Eurostat-Warenkorb ist ein getürkter Warenkorb, um das Volk zu verarschen
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    Wenn ich meine Einkaufserfahrungen einerseits mit der sauber ermittelten eurostat-Inflationsrate vergleiche und andrerseits mit Ihrer Phantasieinflationsrate von 7%, dann weiß ich schon, wer mich hier verarschen will.

    Und das ist nicht eurostat...

  • 'Vicario' sagt
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    @ Rechner

    Zitat : Solange Sie keine Berechnung mit einem zugrundeliegenden Warenkorb und Preisen zu Anfang und zu Ende der Periode vorlegen gehe ich auch weiterhin davon aus, daß es sich bei Ihrer Inflationsrate von 7% um eine Ausgeburt Ihrer Phantasie handelt.

    - jetzt übertreiben Sie die Geschichte aber.... mein Warenkorb ist absolut realistisch und bezieht sich natürlich auf ein Jahr ( Ein Jahr ist die von Ihnen genannte Periode ).
    Unkenntnis der Realitäten....?
    ----------------------

    WELCHES Jahr?

    1922?

    Sie wollen uns erzählen, daß der Verbrauch Joghurt, Heizöl, Sprit, Brot, Milch, Rindfleisch, Hotelübernachtungen in München, Strom und Mädchen in Frankfurt Ihren Warenkorb ausmachen?

    Wohnen Sie auf der Parkbank?

    Oder im Hotel in München?

    Und in welchem Jahr haben sich Rindfleich und Strom um 20% verteuert und Heizöl um 15% etcpp?

    ...

    Abgesehen davon wäre es selbst dann nicht möglich aus Ihren Phantasiepreissteigerungen eine Inflationsrate zu berechnen wenn Ihre Angaben der Wahrheit entsprechen würden. Denn die Angabe der Verbrauchsmengen fehlt.

    Solange Sie keine nachvollziehbare Berechnung mit konkreten Preisen, Verbrauchsmengen und einer konkreten Periode vorlegen gehe ich auch weiterhin davon aus, daß es sich bei Ihrer Inflationsrate von 7% um eine Ausgeburt Ihrer Phantasie handelt.

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