Reformen gefordert Was sich Top-Ökonomen von der Wahl versprechen

Deutschlands Top-Ökonomen sind sich in einem Punkt einig: Wer immer die nächste Bundesregierung stellen wird, muss wichtige Reformen durchziehen. Aber was muss getan werden, um Deutschland für die Zukunft fit zu machen?
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Merkel oder Steinbrück? Deutschlands Top-Ökonomen haben vor allem inhaltliche Forderungen an die nächste Bundesregierung. Quelle: dpa

Merkel oder Steinbrück? Deutschlands Top-Ökonomen haben vor allem inhaltliche Forderungen an die nächste Bundesregierung.

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BerlinSpitzenökonomen der großen Forschungsinstitute ZEW, IW Köln, IfW und IMK sowie von der Hertie School of Governance beschreiben, welche wirtschaftlichen Veränderungen sie von der künftigen Regierung unbedingt sehen wollen:

Joachim Scheide ist Leiter des Prognose-Zentrums des Instituts für Weltwirtschaft (IfW). Quelle: dpa

Joachim Scheide ist Leiter des Prognose-Zentrums des Instituts für Weltwirtschaft (IfW).

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Joachim Scheide, IfW: „Bislang konnte sich die Politik daran sonnen, dass es der deutschen Wirtschaft besser geht als den meisten anderen Ländern in Europa. Während man die Problemländer zu Strukturreformen drängt, um deren Wachstumskräfte zu stärken, passierte hierzulande nichts in diese Richtung. Dabei sind die Aussichten alles andere als rosig: Die Rate, mit der die deutsche Wirtschaft mittelfristig wachsen wird, liegt bei etwa 1,25 Prozent. Das reicht nicht aus, um den Lebensstandard breiter Bevölkerungsschichten nennenswert zu erhöhen. Die Ansprüche werden jedoch kaum geringer werden.

Um die Aussichten zu verbessern, wäre es sinnvoll, Impulse für mehr Wachstum zu setzen. Positive Anreize würden beispielsweise von einer umfassenden Steuerreform ausgehen, bei der die Grenzsteuersätze sinken und die Steuerbasis verbreitert wird. Allerdings ist eine solche Reform unwahrscheinlich, denn keine Koalition wird den Mut aufbringen, Ausgaben zu kürzen, um eine solche Reform zu finanzieren.

Als Mindestanforderung bleibt, dass die Politik wenigstens einer Verlangsamung des Wirtschaftswachstums entgegenwirkt. Denn es gibt erheblichen Gegenwind. So wird das Potenzialwachstum mittelfristig durch die demographische Entwicklung gebremst. Hier kann mehr getan werden als die eingeleitete Anhebung des Rentenalters auf 67 Jahre.

Auch von anderen Staaten verlangen wir einschneidende Reformen. Warum können wir uns nicht dazu durchringen, das Renteneintrittsalter schrittweise mit der gestiegenen Lebenserwartung zu erhöhen? Täte man das, so zeigen Studien, könnte das Einkommen, das verteilt werden kann - auch an die Rentner! -, mittelfristig um 6 Prozent oder mehr höher sein, als wenn man nichts tut. Ältere Personen sind durchaus bereit, länger zu arbeiten; allerdings werden sie vielfach durch Verbote oder Fehlanreize daran gehindert.

Auch die Energiewende wirkt sich negativ auf das Wachstum aus. So oder so wird Strom mittelfristig deutlich teurer. Damit die Auswirkungen möglichst gering ausfallen, wäre es gut, wenn man es den Stromkonzernen überlässt, wie man am besten die Energie erzeugt und transportiert. Also: Es genügt, wenn der Staat hier den allgemeinen Rahmen setzt, anstatt mit hektischen und überdimensionierten Subventionen und Preisobergrenzen die Strukturen zu verzerren.

Solche Reformen kosten nicht viel, verlangen aber eine Umorientierung hin zu mehr Marktwirtschaft. Allerdings besteht wenig Hoffnung, dass die nächste Regierungskoalition einen solchen Weg einschlagen wird. So können wir nur hoffen, dass es nicht weiter in die falsche Richtung geht.“

„Machtverschiebung nach Brüssel“
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23 Kommentare zu "Reformen gefordert: Was sich Top-Ökonomen von der Wahl versprechen"

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  • Endlich, der WAHL-O-MAT hat folgendes Regierungsprogramm generiert:

    Deutschland kann nur dann wieder weltweit erfolgreich werden, wenn der in Jahrzehnten aufgeblähte Beamtenapparat gesundgeschrumpft wird.
    Auch der Bundestag muss angemessen reduziert werden. Die viel grösseren USA haben nur 350 Kongressabgeordnete bei fast 300 Mio Einwohnern. Ausserdem wird heute von den über 600 Abgeordneten viel zu viel zerredet, statt die anstehenden Probleme zu lösen:
    --Rentenreform: weg mit dem Generationenvertrag, jeder Bürger bekommt genau das, was er selbst für sich eingezahlt hat.
    --Steuerreform: die Staatsquote aus Steuern und Abgaben muss von über 52% auf verträgliche 30% gesenkt werden.
    --Strukturreform: der Beamtenapparat muss wieder so reduziert werden, dass nur hoheitliche Aufgaben verbeamtet sind. Die extrem hohen Kosten von 160 Milliarden EURO für Besoldungen und Pensionen müssen auf 80 Milliarden gesenkt werden (und das ist schon mehr als genug).
    Wenn der Bundestag auf 300 Abgeordnete reduziert und auch der Beamtenapparat halbiert wird, können mit den eingesparten 80 Mia EURO der Reformbedarf finanziert und effizient angegangen werden, statt diesen nur zu zerreden. Die verrottenden Autobahnen können endlich repariert und ausgebaut werden. Und es können sogar erstmals Schulden abgebaut werden.
    Mit diesem Wahl-o-mat-Programm hat Deutschland wieder eine langfristig erfolgreiche Perspektive.

  • Ich erwarte von einer zukuenftigen Bundesregierung, dass sie auf Einhaltung aller europaeischen Vertraege draengt, insbesondere des Bail-Out Verbots. Deutschland darf keine neuen Kredite oder Buergschaften mehr vergeben, denn diese fuehren nicht zu einer Verbesserung der Situation der Krisenlaender – wie wir in den Jahren seit Krisenbeginn sehen konnten. Sie uebersteigen laengst deutsches Leistungsvermoegen angesichts gealtiger Zukunftsaufgaben, die vor uns liegen.

    Fliessen keine neuen Kredite mehr, werden ueberschuldete Staaten zahlungsunfaehig. Sie muessen sich mit ihren Glauebigern auf einen Schuldenverzicht einigen. Die Laender beginnen damit, ihre nunmehr wirtschaftlich tragbaren Schulden langsam abzutragen. Ob diese Laender im Euro verbleiben oder austreten ist dabei voellig unerheblich und sollte der Entscheidung der betroffenen Laender ueberlassen bleiben. Halten wir in der Zukunft das Prinzip der vollstaendigen Glaeubigerhaftung ein, sollte nur soviel Kredit in diese Laender fliessen, wie wirtschftlich verkraftbar ist.

    Unsere nachbarschaftliche Pflicht, schlechter gestellten Laendern zu helfen, erfuellen wir, indem wir Strukturhilfen im Rahmen parlamentarisch verabschiedeter Programme gewaehren.

    Die unsaegliche Rettungspolitik hat nicht nur die Schulden der Krisenlaender sondern auch die der “Retter” erhoeht. Ein weiter so, fuehrt in den Abgrund. Die Verwahrlosung europaeischer Rechtsstaatlichkait hat die Chancen fuer ein geeintes Europa schon weitestgehend verspielt. Europa ist zerstritten. Der Streit wird offen ausbrechen, wenn der Geldfluss versiegt.

    Die Argumente der 5 Experten – teils richtig, teils falsch – plaetschern wie ein kleiner Muehlenbach vor sich hin. Zuerst muss unser Hauptproblem angegangen werden: die Euro-, die Europa- die Staatsschulden- und die Bankenkrise.

  • Dann wäre es zu schnell vorbei und ihnen würde die leidvolle Erfahrung eigner Borniertheit und theoriengestützter Torheit erspart bleiben.
    Besser alle diese Leute und noch einige Politiker und wirtschaftsführer auf eine unbewohnte Insel ansiedeln. Da könnten sie dann alle ihre tollen Theorien anwenden um sich die Gesellschaft aufzubauen, die sie für die beste halten.

    In unserer Gesellschaft haben sie das Glück, dass ihre seltsamen vorstellungen nicht 1:1 umgesetzt werden können. Darum dürfen sie auch straflos schwadronieren.

    Wer heute noch meint, dass man so weiter machen sollte wie bisher und es sei lediglich an der einen oder anderen Schraube zu drehen, hat mehr als eine Schraube locker. Der hat einen intellektuellen Motorschaden.

    Diese Leute können sich einfach nicht vorstellen, dass sie falsch liegen könnten und retten ihr Selbstbewusstsein damit, indem sie ihre Kritiker für dumm oder unfähig oder beides halten. Denen ist nicht mehr zu helfen. Leider ist es schwer, sie zum schweigen zu bringen oder wenigstens in ein Kloster zu entsorgen.

  • Wachsdumm, Wachsdumm, Wachsdumm...die haben einen Sprung in der Platte

    Mehr Freiheit für die Märkte? Ist ja schon unter Rot-Grün gegeben worden.
    Das Ergebnis können wir jetzt bewundern, und da entblöden sich die "Topökonomen" nicht, noch mehr Freiheit für die Märkte zu fordern.

    Tatsache ist, das "die Wirtschaft" aus realen Menschen in Führungspositionen besteht, die mehrheitlich ein sehr grosses Problem damit haben, ihre persönlichen Bedürfnisse mit ihrer sozialen Verantwortung im Einklang zu bringen. Und wenn es schief geht, dann erweisen sich diese "Eliten" als Verantwortungswürstschen.
    Dieser Kaste noch mehr Freiheit geben ist jenseits jeder Weisheit. Aber Weisheit wird bei "Topökonomen" wie diesen durch den Rechenschieber ersetzt.

  • Man sollte dies Kaffeesatzleser hängen. Alle!

  • Fit für die Zukunft heißt doch in anderen Worten:
    weitere Kürzungen bei den Renten mit gleichzeitigem Renteneintritt auf 71 anheben
    Lohnkürzungen durch verlängerte Arbeitszeiten bei gleichem Lohn
    höhere Steuern zu Gunsten von Bildung und Infrastruktur (es darf gelacht werden)
    Alles bei gleichzeitiger Erhöhung von Politiker -und Beamtenbezügen und Pensionen.

  • Da sind ja mal wieder die richtigen Vier befragt worden....

  • ...und nicht vergessen: mal einen Blick auf den Bund Future werfen! Damit jeder weiß, wo der Hammer hängt.

  • Es ist einfach zu putzig, was sich die Herrn Professoren so wünschen und vorstellen. Die Frage ist doch, was sich die Wähler wünschen.
    Eine Fortsetzung des Rettungswahns?
    Eine weitere direkte und indirekte Enteigungung?
    Bluten für Europa? Warum?
    Steuererhöhungen, um diesen ganzen EU-Wahnsinn weiter zu finanzieren?
    Hinweis: wahl-o-mat ist ungeheuer hilfreich die richtigen Antworten zu finden - und auch die richtige Partei!

  • Die systemstabilisierende und -erhaltende Kraft der Agitation, der Propaganda und der Desinformation durch die hier zu Worte gekommenen Herolde und Theorieprätorianer der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft. erinnert mich in ihrer gesamten Inhaltlichkeit ganz auffällig an das, was ich vor Zeiten an der Parteihochschule der SED in der Ostzone von den sozialistischen Wirtschaftsführungselitemitgliedern, damals auch oft Ökonomiekader bezeichnet.

    Deutschland 2013, die Neue Soziale Marktwirtschaft und die Neuen Elitarier repräsentieren jene Wirklichkeit, die man mit den Begriffen
    -Besitzstandsfeudalstaat,
    -Finanzspekulations-, -derivatebetrugs- und Steuerhinterziehungskriminalitätswirtschaft, und
    -Besitzstandswandalen und -huligans
    übersetzen muss, wen man mit wirklichkeitsnahen und praxistauglichen Vokabeln zu arbeiten gewohnt ist.

    Dieses Deutschland ist fertig. Es zuckt nur noch, wie der enthauptete Claus Störtebecker.

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